Joseph Moog spielt ganz oben. Als Sohn zweier Orchestermusiker ist er im Kreis der Steinway Artists und trägt den „Prix Groupe de Rothschild“. Wer ihn live wie jetzt am Donnerstagabend im Bietigheimer Kronensaal erlebt, weiß sofort warum. Moog ist ein Silberpfeil auf der Tastatur und schenkt doch jedem Ton, jeder Energielinie ihre Tiefen.

Im Kronensaal in Bietigheim zieht er die spannende Spur zwischen Romantik, mit Franz Schubert, und Impressionismus, mit Franz Liszt als Grenzgänger, und später Gabriel Fauré, auch Vertreter der französischen Orgelromantik, und Maurice Ravel.

Joseph Moog gehört zu den jungen Wilden am Klavier, die das Duell mit den Tasten noch als Herausforderung ihres Lebens begreifen. Der internationale Erfolg gibt dem Pfälzer recht. Moog holt auch ein routiniertes Abonnement-Publikum aus dem Sessel, das sicher schon viele Pianisten hat kommen und gehen sehen. Im Kronensaal hagelt es am Donnerstag begeisterte Zurufe und Standing Ovations. Kein Wunder, dass ihn das Chicago Symphony Orchestra als Solisten bucht, ebenso das Beethoven-Orcherster in Bonn. In der Royal Albert Hall in London geht er ein und aus, Rachmaninoffs zweites Klavierkonzert im Gepäck, und in Bietigheim-Bissingen hat er am Donnerstagabend eine ganz große Stunde.

Folklore zu Beginn

Zum Auftakt serviert der Wahl-Luxemburger romantische, folkloristisch anmutende Musik in Reinkultur mit Franz Schuberts Adagio und Rondo: der Tanz auf der Wiese und die tiefen Empfindungen im Herzen. Der Tanz geht weiter mit Franz Liszt und seinen ersten Ausbrüchen aus der Tonalität zugunsten eines freie werdenden Klangapparats. Schon hier in der Sonate in h-Moll kommt Verklärung und wohlige Wirrnis ins Spiel. Gedanken werden zu Tönen und türmen sich zu Gebilden auf, gipfeln und fallen, stürzen ein und formieren sich neu.

Joseph Moog kostet sie aus, trägt diesem Verlauf Rechnung ohne schwülstig zu werden. Dafür ist er viel zu flink. Und doch schenkt er der Emotion ihre Plattform. Perlend ergießen sich frei tonale Läufe, seriell und oft in minimalistisch-perlenden Tonschritten. Nirgends werden so viele Läufe in die Musik eingebaut wie im Impressionismus. Sie sind schon früh charakteristisch bei Franz Lisz.

Beim Konzert in Bietigheim entscheidet sich Moog für einen Ausflug ins Venedig des 19. Jahrhunderts mit Gabriel Fauré. Hier begegnen ihm sanft wiegende Gondeln in glitzernden von der Sonne beschienen Kanälen, so wie sie einst dem Komponisten Gabriel Fauré begegnet sind. Fauré komponierte inspiriert durch die schaukelnden Gondeln seine Barcarollen.

Und am Ende ein Highlight des Impressionismus: „Gaspard de la Nuit“  von Maurice Ravel. In kleinsten Tonwiederholungen haucht er gläsernes Klangbild  in den Raum. Es ist eines der essenziellen Klanggebäude im Impressionismus, gläsern und filigran, unwirklich und doch voller sensitiver Echtheit. Viele Zuhörer schließen im Kronensaal die Augen und reisen mit Ravel auf dem Wasser ins silberne Mondlicht.

Diese Musik schenkt glitzernde Schönheit, lässt Raum für innere Einkehr und stillen Genuss. So schön spielt der Pianist die Bewegungen des fließenden Wassers nach, dass man eintauchen möchte in das Wellenspiel mit schäumenden Wellenkämmen und tanzenden Schaumkronen.

Im zweiten Teil spiel die bewegte Stille mit. Josef Moog ist diese Musik in die Finger gelegt. Jeder der Komponisten von damals hätte Joseph Moog sicher begeistert applaudiert für sein Verständnis, diese Musik ins Heute zu transportieren.