Kulturamtsleiter Stefan Benning hatte im Vorfeld noch Bedenken, ob die 1979 in Hannover gegründete Rockband Jane im Landkreis überhaupt so bekannt ist, um ein Konzert auf die Beine stellen zu können. Am Samstagabend waren all seine Bedenken verflogen, die Kelter füllte sich sehr schnell, und Benning verkündete stolz: „Die Band habe ich in die Stadt geholt.“ Auch die Einschätzung von Jane-Frontmann und Gitarrist Klaus Walz gegen Ende des Konzerts war richtig, man sei zwar in der Stadt von Pur, „die einen guten Job machen“, am Samstag sei aus Bietigheim aber die „Stadt von Jane“ geworden.

Nun hat Jane eine wechselvolle Geschichte mit vielen Umbesetzungen und Neubesetzungen hinter sich. Der stilprägende Bandgründer, Schlagzeuger und Sänger Peter Panka, starb 2007, ein weiteres Gründungsmitglied, Bassist, Sänger und Komponist Charly Maucher, im August 2019. So stand am Samstag „Peter Panka‘s Jane“ auf der Bühne.

DNA der deutschen Rockmusik

Wobei es auch eine Formation mit dem Namen „Werner Nadolny‘s Jane“ gibt, Keyboarder Nadolny zählt ebenfalls zu den Jane-Gründern, und es gibt „Mother Jane“ von Gitarrist Klaus Hess, auch ein Musiker, der Jane mitgegründet hat. Diese Verzweigungen der Band führen immer wieder zu Diskussionen, welche Formation jetzt die „echten“ Jane seien.

Seit dem Tod von Peter Panka leitet Gitarrist Klaus Walz die Geschicke von „Peter Panka‘s Jane“. Der Dortmunder ist seit 1986 bei Jane, die nicht nur wegen ihres Live-Albums „At Home“, 500 000 mal verkauft, zu einer der erfolgreichsten deutschen Bands der 1970er Jahre, sondern auch zur DNA der deutschen Rockmusik zählen.

Mit zwei Songs aus dem Live-Album, „All My Friends“ und „Lady“, stieg die Band dann auch in ihre zweiteilige Show ein. Die unmittelbare Nähe zum Publikum brachte das Quartett sehr schnell auf hohe Betriebstemperatur. Klaus Walz verstand es geschickt, mit Rhythmus als auch Soloparts den Songs den typischen Jane-Sound zu verpassen, der von seiner Frische nichts verloren hat.

Viele Akzente setzte Didi Möller an den Keyboards wie auch Drummer Achim Poret, der etwa bei „Fly Away“ den Gesang übernahm und diesem Überknaller eine ganz eigene Jane-Färbung gab. Beeindruckend auch Möllers Ausflüge mit dem Synthesizer, der den Sound im Zusammenspiel mit Gitarrist Walz immer wieder in die Nähe der Musik von Pink Floyd rückte. Etwa in dem Stück „Windows“, das streckenweise orchestrale Ausmaße annahm.

Geschenk für die Fans

Ein besonderes Geschenk für die Fans, darunter auch der ehemalige Sachsenheimer Bürgermeister Horst Fiedler, waren das komplette Set der A-Seite des Albums „Fire, Water, Earth & Fire“ an dessen Ende „Water“ (Keep On Rollin‘) für viel Begeisterung sorgte.

Die Rolle des verstorbenen Bassisten und Sängers Charlie Maucher hat bei Jane hochprofessionell Holly Coolyard, auf dem T-Shirt Marc Bolan von T.Rex, übernommen. Er spielte allerdings keinen Psychedelic Folk wie einst Bolan, sondern trieb mit seiner erdig-pochenden Viersaitigen die Rock-Musik ständig voran.

Nach einer Pause ging es mit „Out Of The Rain“ weiter, über „Fly Away“ und „Waiting For The Sunshine“ zum letzten Stück des Abends. In „Hangman“ zogen die Musiker nochmals alle Register und zeigten, wie man improvisieren kann, ohne das eigene Musikgerüst zu verlassen. Mit Anklängen an „All My Friends“ schloss sich unter aufbrausendem Applaus und lauten Zugabe-Rufen der Kreis.

Das Publikum musste auf eine Zugabe dann auch nicht lange warten. Mit „Here We Are“ und „So So Long“ boten Jane nochmals zwei Stücke aus ihrem umfangreichen Songkatalog, die ihren Sound im Lauf der Jahre beständig verfeinert haben und immer noch wissen, wie man das Publikum auf eine spannende musikalische Reise in die 1970er-Jahre mitnimmt. Obwohl als „Abschiedstour“ angekündigt, hat die Band Jane im Grunde kein Verfallsdatum. Ob es ein Wiedersehen in der Stadt von Pur geben wird, bleibt offen. Gitarrist Klaus Walz hat auf offener Bühne jedenfalls versprochen, beim nächsten Auftritt von Jane die Songs der B-Seite des Albums „Fire, Water, Earth & Fire“ zu spielen. Das Bietigheimer Publikum wäre in jedem Fall dabei.