Der spätherbstliche Doppelevent auf dem Campus der Dürr AG ist unter Jazzfreunden längst kein Geheimtipp mehr. Wo sonst gibt es diesen reizvollen Mix aus gepflegtem Big Band-Sound und hochklassigem Combo-Jazz? Und so kommen inzwischen nicht mehr nur Werksangehörige, sondern zahlreiche Fans aus der Umgebung. Am Donnerstagabend wurde das Publikum nicht sehr gefordert, sondern nach Strich und Faden verwöhnt – mit ausschließlich weltbekannten, ewigen Melodien aus Swing, Jazz und Latin.

Den ersten Teil des Abends bestritt die etwa 20 Instrumentalisten starke Dürr Big Band, die sich seit ihrer Gründung im Jahr 2003 unter Freunden des satten Jazzorchester-Sounds einen exzellenten Ruf erspielt hat. Verantwortlich für die von Jahr zu Jahr spürbare Weiterentwicklung ist natürlich Bandleader Jürgen Bothner, denn schließlich heißt es unter Musikern nicht zu Unrecht, jede Formation sei so gut wie ihr musikalischer Leiter. Und dass Bothner selbst ein hervorragender Saxophonist, Bandleader und Moderator ist, stellte er im zweiten Teil des Abends erneut eindrucksvoll unter Beweis.

Bekannte Evergreens

Der Hauptorganisator des Abends und ehemalige Betriebsangehörige Dieter Friedrich erzählte am Rande, Bothner könne bei den wöchentlichen Proben am Montagabend ganz schön streng sein und manche Stelle auch 20 Mal spielen lassen, bis sie endlich sitzt.

Eine gute Stunde lang stellte die aus den üblichen Instrumentengruppen zusammengesetzte Big Band ein, gegenüber dem vergangenen Jahr, vollständig neues Programm vor, das ausschließlich aus bekannten Evergreens bestand. Die von Bothner der Dürr Big Band auf den Leib geschneiderten Arrangements von Stücken von Count Basie, den Beatles, Stevie Wonder, Ella Fitzgerald oder Louis Armstrong  basieren größtenteils auf der in der Swing-Ära gebildeten Jazzharmonik. Dazu gab’s harmonisch und rhythmisch anders gestrickte Latin-Arrangements, zum Beispiel Besame mucho oder Tequila, die beim Publikum ob ihres rhythmischen Reizes besonders gut ankamen.

Höhepunkt des ersten Sets war vielleicht Barry Manilows Samba „Copacabana“, in der die flirrende Atmosphäre des Karnevals in Rio in den akustisch hervorragenden Speisesaal der Dürr AG gezaubert wurde.

Nach der von den zahlreichen Zuhörern nachdrücklich erbetenen Zugabe Jump Jive An‘ Wail dankte Jürgen Bothner der Geschäftsleitung dafür, dass sie eine Big Band unterhält und die alljährlich ausverkauften Veranstaltungen, die nie kostendeckend sein können, ermöglicht.

Im zweiten Set waren die Vollprofis an der Reihe. Wie im vergangenen Jahr waren dies der charismatische Max Greger jr., diesmal auf der Hammond Orgel, Jürgen Bothner am Tenorsaxophon, Prof. Mini Schulz am Kontrabass und Meinhard „Obi“ Jenne am Schlagzeug. Dazu als „special guest“ die bezaubernde Sängerin Laeh Jones aus Detroit. Sieben abwechslungsreiche, musikalisch durchaus gegensätzliche Titel hatte das Quintett vorbereitet, unter anderem Fly me to the moon (Frank Sinatra), You are the sunshine of my life (Stevie Wonder), Unforgettable (Nat King Cole), Killing me softly (Roberta Flack) und Sunny (Bonny M). Wunderbar, wie das swingte und groovte, mit welcher Leichtigkeit hier das Zusammenspiel, wie selbstverständlich die Übergänge bei solistischen Passagen gelangen und wie virtuos-leicht die Musiker ihre Instrumente beherrschten. Laeh Jones zeigte souverän, dass sie stimmlich mit allen Wassern gewaschen ist. Weder Pop, noch Soul oder Balladenhaftes bereiten der Vielfarbigkeit ihrer Stimme auch nur die geringsten Schwierigkeiten.

Klassikkenner konnten zwischendurch darüber staunen, dass Richard Strauss‘ Also sprach Zarathustra selbst im Jazzgewand eine gute Figur macht. Erst nach zwei Zugaben, The Christmas Song und Amazing Grace, gaben die Zuhörer Ruhe und verließen hochzufrieden das Areal.