Es war ein ambitioniertes Ziel, mit einem Kammerchorkonzert am zweiten Advent eine so große Kirche wie Sankt Johannes in Bietigheim-Buch zu füllen – zumal es ringsum jede Menge Weihnachtsmärkte und andere Veranstaltungen gab. Und ungemütlich-nasskalt war es am frühen Sonntagabend zudem. Aber es gelang. Chorporation, der modernere Ableger der Chorvereinigung Bietigheim, der mit aktuellem Liedgut eher auf jüngere Sänger zugeschnitten ist, zog erstaunlich viele Zuhörer an. Chorporation hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2001 allem Anschein nach einen sehr guten Ruf „ersungen“, und so waren unter den Zuhörern auch viele Familien, die den angekündigten „Frohen Klängen im Kerzenschein“ lauschten.

Internationale Stücke

24 hoch motivierte, rot-weiß-schwarz bekleidete Sänger, die neue Chorleiterin und Sängerin Natasha Lopez, der Pianist Gregor Wohak und die Flötistin Isabella Sawall boten in einer flotten, abwechslungsreichen Abfolge von 15 weihnachtlichen Liedern, Gospels, Popsongs und Christmas-Carols eine gute Stunde lang allerbeste und stimmungsvoll-adventliche Unterhaltung. Der erste Teil bestand aus sieben internationalen und englischsprachigen Titeln, die viele im Publikum – ob ihrer Bekanntheit – aus dem Stand hätten mitsingen können: das ethnisch klingende „Adiemus“, „Amazing grace“, das vielleicht bekannteste aller Gospels, „You’ve got a Friend“ von Carole King, „Run“ von Gary Lightbody, der Ohrwurm „Halleluja“ von Leonard Cohen, „A King’s Irish Blessing“ von Cristi Cary Miller und das klangschöne „Kyrie“ von Mr. Mister mit einer Piano-Improvisation, die aufhorchen ließ.

Der Chorleiterwechsel hat Chorporation ganz offensichtlich nicht geschadet. Mit der in Südafrika geborenen Natasha Lopez, die in diesem Jahr auf Timea Toth gefolgt ist, hat der Verein vielmehr wiederum eine sehr gute Wahl getroffen. Die studierte, diplomierte Sängerin kennt sich mit der menschlichen Stimme bestens aus, weiß, worauf es stimmbildnerisch ankommt, und lässt den – vollständig auswendig singenden – Chor lieber stimmschonend zurückgenommen agieren, anstatt, um einer größeren Lautstärke willen, ihn drücken und forcieren zu lassen. Die Sankt-Johannes-Kirche selbst kam am Sonntag mit ihrer eher halligen, aber verstärkenden Akustik der wohltuend zurückhaltenden Tongebung der Stimmakteure entgegen. In den meisten Kirchen gilt es erfahrungsgemäß ohnehin, weniger laut zu singen als vielmehr deutlich zu artikulieren und sauber zu intonieren.

Nach einem unangekündigten Zwischenstück mit Lopez als Solistin eines spanischen Weihnachtsliedes und dem Vortrag einer nachdenklichen Weihnachtsgeschichte ging es zum zweiten Teil des absolut lohnenden Konzerts mit eher traditionellen, teilweise a cappella gesungenen, Liedern über: „God is all you need“ von Mary McDonald, „Schau auf die Welt“ von John Rutter, „You Raise Me Up“ von Brendan Graham, „Brennende Lichter“ nach der A-Dur-Klaviersonate von W. A. Mozart, „Herbei, oh ihr Gläubigen“ und – zusammen mit dem Publikum – „Stille Nacht, heilige Nacht“. Der Segenswunsch „The Lord Bless You and Keep You“ von John Rutter schließlich stand am Ende des festlichen Programms.

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Souverän und brillant

Die aufmerksamen Zuhörer hatten Sänger erlebt, die sich unübersehbar stark mit der Chorgemeinschaft und dem gemeinsamen Singen identifizieren und mit Herzblut dabei sind. Dazu das sichere, aussagestarke Dirigat der Chorleiterin und die souveräne, brillante Begleitung des an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg unterrichtenden Pianisten und Klavierpädagogen Gregor Wohak. Nach einem Spendenaufruf durch den organisatorischen Leiter der Chorporation Heinz Schmidt leerte sich die Sankt-Johannes-Kirche allmählich. Vor der Kirche hatten fleißige Helfer Glühwein, Punsch und Gebäck vorbereitet.

Info Alle Spenden, die der Chor Chorporation am Sonntagabend bei ihrem Konzert in der Sankt-Johannes-Kirche sammelte, gehen an die BZ-Aktion Menschen in Not. Weitere Spenden für die BZ-Aktion sind möglich bei der Kreissparkasse Ludwigsburg, „BZ-Aktion Menschen in Not e.V.“, IBAN DE 8260 4500 5000 0703 0004, BIC SOLADES1LBG.