Bietigheim-Bissingen Kontrollpunkt für Navis auf dem Bietigheimer Bahnhofsplatz

Bietigheim-Bissingen / JULIA SCHWEIZER 27.10.2015
Viele nutzen es heutzutage: die Navigationsangaben von Smartphones. Doch ob diese korrekt sind, kann man meist nicht prüfen. Abhilfe schaffen sollen landesweite Kontrollpunkte - einen gibt es nun auch in Bietigheim.

Was kleine Schritte ausmachen können, das hat der erste Mensch auf dem Mond prägnant geäußert. Auch Jürgen Kessing scheute keinen großen Vergleich: "Wir geben den Menschen Halt und Orientierung", sagte der Bietigheim-Bissinger Oberbürgermeister mit einem Grinsen im Gesicht. Gemeint war eine kleine Platte, die mancher, der schnellen Schrittes über den Bietigheimer Bahnhofsplatz geht, vielleicht schnell übersieht.

Die Platte markiert den neuen Kontrollpunkt des Landesamts für Geoinformation und Landentwicklung auf der geografischen Breite 48 Grad 56,9383 Minuten und der Länge 9 Grad 8,2229 Minuten. Diese Positionsangabe wurde mithilfe von mindestens vier Satelliten zentimetergenau ermittelt. Damit sollen nun auch die Nutzer von Smartphones oder anderen Geräten ihre Systeme darauf abstimmen können. Denn schon ein Bruchteil einer geografischen Minute Ungenauigkeit entspreche einem Meter - "beim Fußball geht der Ball dann neben das Tor", so Kessing praxisnah.

Hinter dem Kontrollpunkt steht das Landesamt, das zusammen mit den Kommunen und Vermessungsbehörden der Landkreise ein ganzes Netz aufbauen will, der erste wurde in Böblingen eingerichtet. Navigationsgeräte würden immer wichtiger und seien ein ständiger Begleiter im Alltag, sagte Sabine Urbanke vom Landesamt. Der Bietigheimer Punkt ist der kreisweit dritte, nach Freudental und dem auf dem Ludwigsburger Marktplatz.

Doch Geodaten sind nicht nur für Wanderer oder Geocacher auf der Suche nach versteckten "Schätzen" wichtig: Nach und nach würden alle 78 Spiel- und Bolzplätze der Stadt mit Schildern ausgestattet, die die Koordinaten tragen, sagte Bauamtsleiter Claus-Dieter Jaisle auf BZ-Anfrage. Denn Rettungswagen würden sich mittlerweile fast nur darüber orientieren.

Ergänzt werden die Angaben auf der Platte um eine Tafel an der nächstgelegenen Wand. Die Informationen darauf prägnant zusammenzufassen war, das wurde bei der heiteren Einweihung deutlich, ein größerer Schritt - bei dem Rüdiger Ament vom Fachbereich Vermessung des Landratsamts auch seine Frau als kritische Korrekturleserin einspannte. Die derart geprüfte Tafel hängt nun an einer Wand direkt unter einer Weltkugel. Das sei zwar eher Zufall, sagte Ament. Aber irgendwie auch passend: "Wie stehen wir in Bezug zur Welt?", fragte er. Und wartete mit großen Vergleichen auf: Der 49. Breitengrad, der durch Besigheim verlaufe, markiere auf einer Länge von mehr als 1000 Kilometern die Grenze zwischen den USA und Kanada, was Kessing sogleich zu Barack Obama und dessen Vorfahren brachte.

Ganz so weit ging es für den OB wenig später dann nicht. Denn Ament hatte einen Geocache versteckt und drückte Kessing nach kurzer Einweisung das für die digitale Schnitzeljagd nötige Gerät in die Hand. Zielstrebig steuerte Kessing auf den kleinen überdachten Fahrradparkplatz zu, bis die Positionsbestimmung für das Gerät zu ungenau wurde. Suchend blickte er sich nach einem guten Versteck um und identifizierte ein flaches Gebüsch. Und dann, ein kleiner Schritt, und Kessing fand das Geschenk von Aments Frau: einen geschnitzten Kürbis, der nicht weniger als die Weltkugel symbolisierte.