In einem Brief an die Delegierten der evangelischen Diakoniestation Bietigheim-Bissingen erklärt der Vorstand der Diakoniestation am 15. Januar seinen sofortigen Rücktritt. In dem Schreiben, das der BZ  vorliegt, begründen Manfred Graf, Rudolf Bayer und Dr. Christoph Küenzlen ihren Rücktritt damit, dass das Vertrauensverhältnis zur Geschäftsführerin der Diakoniestation, Ute Epple, nachhaltig und grundlegend zerstört sei, „eine weitere gedeihliche Zusammenarbeit ist für uns nicht möglich“.

Zerstörtes Vertrauen

Ausschlaggebend für das zerstörte Vertrauensverhältnis sei ein andauernder Konflikt zwischen Ute Epple und Rolf Schnee, der ihr Vorgänger ist und mittlerweile Verwalter der Stiftung für die Diakoniestation. Ute Epple wollte sich gegenüber der BZ nicht äußern, da es zwischen allen Beteiligten eine Verschwiegenheitsvereinbarung gibt. Rolf Schnee war nicht zu erreichen. Diese Vereinbarung zum Stillschweigen bestätigt auch Bernhard Ritter, der als geschäftsführender Pfarrer der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Bietigheim für die Träger der Diakoniestation spricht. Ritter erklärt zwar, dass es einen derartigen Konflikt gibt, doch sei dieser nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Grund für die Verschwiegenheit sei zudem, dass dieser Konflikt keinen Schatten auf die gute Arbeit der Diakoniestation werfen solle. „Diese gute Arbeit werden wir auch weiterführen“, sagt Bernhard Ritter.

Auch die Frage, ob nun sowohl Epple als auch Schnee ihre Posten abgeben werden, wollte Bernhard Ritter nicht beantworten. Allerdings wird am Montag, 17. Februar, eine außerordentliche Sitzung der Delegierten einberufen, in der  Manfred Graf, Rudolf Bayer und Christoph Küenzlen ihren Rücktritt erneut begründen können. Zudem werde auch ein neuer Vorstand für vier Jahre gewählt. „Ich gehe davon aus, dass wir an dem Montag auch einen neuen Vorstand haben werden“, sagt Ritter.

Monatelange Diskussionen

Doch fraglich ist, ob sich mit drei neuen Vorsitzenden auch der Dauerkonflikt lösen wird. Denn „was wir aber nicht aushalten, ist die Weigerung der Geschäftsführerin, einen Schlussstrich unter diese Querelen zu ziehen“, äußern Manfred Graf, Rudolf Bayer und Dr. Christoph Küenzlen schwere Vorwürfe gegen Ute Epple. „Frau Epple stellt Regeln auf, die demütigend und anmaßend zugleich sind.“ Ausgangspunkt dieses Disputs sei die Entscheidung der Stiftung für die Diakoniestation, deren Verwalter Rolf Schnee ist, einen von der Diakoniestation nicht benötigen Raum in der Gartenstraße 40 für ihre Zwecke zu nutzen, heißt es im Brief. „Die in monatelangen Diskussionen und Verhandlungen versuchte Konfliktlösung, unter anderem mit Vertretern der Träger, ist uns nicht gelungen“, schreiben Graf, Bayer und Küenzlen, „es war uns nicht möglich, unser christliches Grundverständnis in tätiges Handeln in der Führung der Diakoniestation umzusetzen.“ Und weiter: „Wenn wir als Vorstände und die Geschäftsführung das nicht vorleben, was wir als frohe Botschaft erkannt haben, machen wir uns unglaubwürdig.“ Der Vorstand beendet den Brief mit: „Wir haben entschieden, für unser Scheitern ein Zeichen zu setzen und lieber zu gehen, als unser christliches Menschenbild aufzugeben.“ Bernhard Ritter dazu: „Der Konflikt wird weiterbearbeitet. Das ist Sache der Mitgliederversammlung und des neuen Vorstandes.“

Info Rund 18 Delegierte erhielten den besagten Brief. Sie setzen sich aus den Trägern der Diakoniestation, der evangelisch-methodistischen Kirchengemeinde Bietigheim, aller evangelischen Kirchengemeinden in Bietigheim-Bissingen sowie der katholischen Kirchengemeinden Bietigheim-Bissingen zusammen.