Bietihgiem-Bissingen / Walter Christ

Was sich schon abzeichnete, scheint immer mehr Realität zu werden: Handballer und Wassersportler müssen sich ihre Wünsche nach einer großen Ballsporthalle beziehungsweise nach einem neuen 50-Meter-Schwimmbecken wohl abschminken, so bitter das für alle Betroffenen auch wäre. Die Stadtverwaltung jedenfalls wird laut Oberbürgermeister Jürgen Kessing dem Gemeinderat die kleineren Varianten vorschlagen. Bald wird dieses Gremium darüber entscheiden.

25- statt 50-Meter-Becken

Bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Stadtverbands für Sport (SVS) am Montagabend im Germanen-Heim kündigte Jürgen Kessing entsprechende Vorlagen an, wonach es für den Wassersport im Bereich „Ballkult“ anstelle des Bissinger Hallenbades ein neues 25-Meter-Schwimmbecken mit acht Bahnen geben soll, was ein Mehr an Wasserfläche von 60 Prozent bedeuten würde.

Kessing begründete die Ablehnung des von den Vereinen gewünschten 50-Meter-Beckens einmal mehr mit wirtschaftlichen Aspekten, das heißt mit erheblich mehr Investitionskosten und zusätzlich noch höheren kontinuierlichen Verlustbeträgen als ohnehin schon der Fall. Erneut erinnerte er auch an gewaltige Herausforderungen, die zu meistern seien: bis zu 70 Millionen Euro für das Schulausbauprogramm, 30 bis 40 Millionen Euro für den Ausbau der Kindertagesstätten samt Ganztagsbetrieb, ein zweistelliger Betrag für die Instandsetzung des Bissinger Rathauses.

„Wir müssen auch aufpassen, dass wir die Stadtwerke nicht überfordern“, mahnte Oberbürgermeister Kessing und kam damit auch gleich auf das erst recht brisante Thema Sporthalle zu sprechen. Hier mag die Stadtverwaltung wie gehabt nur den Bedarf an einer dreiteilbaren Trainingshalle erkennen und schlägt diese auch angesichts der Spielmöglichkeiten in Viadukthalle, Eishalle oder in Ludwigsburg, „notfalls auch in Stuttgart“, vor.

Krähling sieht schwarz

Die der SG BBM angebotene Lösung, eine große Ballsporthalle mit einem städtischen Sechs-Millionen-Euro-Zuschuss sowie dem Grundstück zu unterstützen, während der Verein den Rest aufzubringen hätte, „ist keinesfalls ein Novum, sondern wird in anderen Städten sehr wohl mit Erfolg praktiziert“, wies Jürgen Kessing auf Beispiele in Balingen und Gummersbach hin. SVS-Vorsitzender Günter Krähling indes entgegnete dem Oberbürgermeister, dass diese Variante, wonach die SG BBM beziehungsweise Sponsoren sechs oder zwölf Millionen Euro selbst aufbringen sollten, seiner Ansicht nach „das endgültige Aus für eine bundesligataugliche Halle wäre. Es ist aussichtslos, diese Summe aufzubringen. Ich sehe jedenfalls schwarz“.

Sollte sich der städtische Vorschlag im Gemeinderat tatsächlich so durchsetzen, könne die Konsequenz dann aber nur heißen, so schnell wie nur möglich mit dem Bau einer dringend benötigten dreiteilbaren Trainingshalle zu beginnen „und die Eissporthalle zu einer vollwertigen Veranstaltungshalle aufzurüsten“, sagte der SVS-Präsident am Montagabend.

Inzwischen über 16 000 organisierte Sportler

Schatzmeister Stefan Epple konnte in der SVS-Mitgliederversammlung ein Polster von 78 000 Euro bilanzieren, Kassenprüfer Dieter Fritz bescheinigte eine korrekte Kassenführung und Ehrenvorsitzender Hans Noller konnte eine einstimmige Entlastung aller Verantwortlichen konstatieren.

Zahlen ließ auch Günter Krähling in seinem Bericht des Vorstands sprechen. Demnach sind es in Bietigheim-Bissingen mehr als 16 000 Bürger, die Sport in Vereinen betreiben. 5000 davon seien Jugendliche. 80 Prozent aller Jugendlichen gehörten somit einem Sportverein in der Stadt an, so Krähling. Der SVS habe mehr als 14 000 Mitglieder in 40 Vereinen.

In seinem Vortrag spannte er den Bogen von Erfolgen der Sportler und einer gelungenen Sportlerehrung mit über 300 Ausgezeichneten, über den SVS-Ausschuss, der die Ehrungsrichtlinien modifizierte, das Modellprojekt Nachführunterricht für Spitzensportler und den Jugendförderpreis für den Eishockey-Club bis hin zu einer neuen SVS-Broschüre und dem zentralen Punkt Sportstätten sowie der städtischen Umfrage. wch