Bietigheim-Bissingen Königlicher Besuch im Wohnzimmer verzückt

Bietigheim-Bissingen / Yannik Schuster 07.01.2019

Kinder in orientalischen Gewändern, ein ungewöhnliches und doch vertrautes Bild: Drei Tage lang, von Freitag bis Sonntag, zogen wieder die Sternsinger durch die Stadtteile Bietigheim-Bissingens. Eine sehr alte, katholische, Tradition, die genutzt wird um Spendengelder für Hilfsorganisationen zu sammeln. Organisiert wird die Aktion von Sabine Langguth, welche dies bereits seit etwa zehn Jahren übernimmt. Die Kronen für die Kostüme werden dabei von Jugendlichen gebastelt.

Insgesamt neun Gruppen mit Kindern waren an den drei Tagen unterwegs, zwei davon am Freitag, eine am Samstag und sechs am Sonntag. Die Aktion ist dabei nicht beschränkt auf katholische Kinder und Haushalte. Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis 18 Jahren nahmen in diesem Jahr in Bietigheim teil. Bereits am Treffpunkt, im Gemeindehaus Sankt Laurentius, fielen die Kleiderständer voll mit bunten Gewändern auf. Die Gruppe am Samstag bestand aus Felix, Lisa, Tim, Letizia und Marina. Sie verkleideten sich als die drei Weisen aus dem Morgenland Caspar, Melchior und Balthasar und trafen letzte Vorbereitungen. Die drei Könige symbolisieren dabei die drei Erdteile sowie drei verschiedene Lebensalter. In orientalischen Gewändern, mit Kronen oder Kränzen und natürlich dem obligatorischen Stern waren also alle abmarschbereit. Geschminkt wurde in diesem Fall niemand.

Der Gesang wird geprobt

Eine kurze Generalprobe folgte bei der die Kinder „Stern über Bethlehem“ und „Gloria“ sangen und ihren Text zu „Freut euch, die drei Weisen sind da“ noch einmal probten. Im Anschluss ging es los- die Sternsinger, mitsamt Begleitperson Angelika Damaske, zogen durch das Wohngebiet und klingelten an vorher angemeldeten Adressen. Auch das Krankenhaus und die Altersheime wurden besucht.

Die Gruppe konnte den Menschen stets ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Egal ob im Wohnzimmer vor Weihnachtsdekoration oder an der Haustür, die Sternsinger wussten zu begeistern und erhielten dementsprechend viel Lob. Eine spontane Klavierbegleitung eines älteren Herren war einer der Höhepunkte. Auch der Segen „20* C+M+B+19“, das steht für „Christus mansionem benedicat“ oder „Christus segne dieses Haus“, wurde über den Türen angebracht. Im Anschluss an ihren Auftritt boten die Sternsinger ihren Zuhörern Weihrauch an und nahmen Gaben in Form von Geld und Süßigkeiten entgegen. Süßigkeiten, die am Ende des Tages nicht von den Kindern mitgenommen wurden, werden an den Tafelladen in Bietigheim-Bissingen gespendet. Nach etwa fünf Stunden, inklusive einer Pause zur Stärkung, war die Gruppe fertig mit ihrer Tour.

In diesem Jahr kommen die Spenden behinderten Kinder in Peru zu Gute. In den vergangenen Jahren konnten die Bietigheimer Sternsinger meist zwischen 6000 und 7000 Euro sammeln. Die Sternsinger gelten als die größte Spendenaktion von Kindern in Deutschland.

73 000 Projekte haben schon profitiert

Seit dem Start der Aktion 1959 haben die Sternsinger nach Angaben des Kindermissionswerks „Die Sternsinger“ mehr als eine Milliarde Euro gesammelt. Mehr als 73 100 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa wurden unterstützt. Bei der 60. Aktion zum Jahresbeginn 2018 sammelten die rund 300 000 Mädchen und Jungen aus 10 148 Pfarrgemeinden, Schulen und Kindergärten rund 48,8 Millionen Euro, das höchste Ergebnis in der Geschichte der Aktion. Mit den Mitteln fördert die Aktion Projekte in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pastoral, Ernährung, soziale Integration sowie Nothilfe. Kinder mit Behinderung stehen im Mittelpunkt der diesjährigen Aktion und Peru ist 2019 das Beispielland. bz

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