Am vergangenen Sonntag fanden die Wahlen in Baden-Württemberg zum Kirchengemeinderat und zur Landessynode statt. Auch die Kirchengemeinde in Bietigheim mit Pfarrer Bernhard Ritter, der Kirchengemeinderat und die zukünftigen Synodalen oder Mitglieder des Kirchengemeinderates haben sich auf diesen Tag vorbereitet. So wie auch in den restlichen Kirchengemeinden Bietigheims, der Friedenskirche und der Pauluskirche im Buch.

Auf Briefwahl gesetzt

3236 Wahlberechtigte umfasst allein die Gemeinde der Stadtkirche. Gewählt werden darf ab einem Alter von 14 Jahren. „Wir haben dieses Jahr verstärkt auf die Briefwahl gesetzt“, so Bernhard Ritter, „und unser Plan scheint aufzugehen. Wir erwarten dadurch eine deutlich höhere Wahlbeteiligung als bei der letzten Wahl vor sechs Jahren. Schon bei der Briefwahl haben wir deutliche Zuwächse in der Wahlbeteiligung. Das verbessert natürlich unser Endergebnis erwartungsgemäß auf circa 20 Prozent.“ Das klinge zwar nach wenig, sei aber deutlich besser als vor sechs Jahren, „zumal auch wir mit höheren Austritts-, als Eintrittszahlen rechnen“.

Und so freut man sich, dass sich Frauen und Männer zur Kandidatur und zur Übernahme von Verantwortung für Kirche und Gemeinde bereit erklärt haben. Insgesamt elf Kandidaten haben sich zur Wahl gestellt, von denen allerdings zwei schon im Vorfeld abgesprungen sind. Die Arbeitsleistung und die Verantwortung seien einfach zu hoch, um sie mit Familie, Alltag und Beruf unter einen Hut zu bekommen.

Dies ist wohl ein grundlegendes Problem in den Gemeinden und Vereinen bei der Neubesetzung von Ehrenämtern. „Gerade jüngere Kandidaten stehen in dem Spannungsfeld Beruf und Familie, da ist kaum noch Platz für so Dinge wie Ehrenämter“, so Elke Röder (58), erste Vorsitzende der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Bietigheim, die selbst ihrer dritten Amtszeit in Folge als Mitglied des Kirchengemeinderates in Bietigheim entgegen sieht.

So ist sie nicht die einzige, die ihr Amt über mehr als eine Wahlperiode hinaus ausübt. „Auf der einen Seite ist es schade, dass wir nicht mehr Menschen für diese Arbeit gewinnen können“, so Doris Eisenhans (50), „auf der anderen Seite braucht es immer ein paar Jahre, bis man die Ergebnisse seiner Arbeit erlebt. Da ist es doch schön, wenn man noch im Amt ist.“ Auch Doris Eisenhans hat sich erneut der Kandidatur gestellt.

Das Umfeld mitbestimmen

Und die Wähler? Ist Wählen „nur“ Bürgerpflicht? Oder ist es doch viel mehr? „Wir leben hier in Bietigheim, also möchten wir unser Umfeld mitbestimmen“, so ein Ehepaar nach der Wahl. „Unsere Kirche ist uns wichtig. Und zwar unabhängig davon, ob wir jeden Sonntag den Gottesdienst besuchen oder nicht. Es ist die Spiritualität, es sind die Rituale. Kirche ist ein tradierter Ort der Begegnung, ein Teil des Gemeindelebens in dem wir uns gut aufgehoben fühlen. Auch die christliche Erziehung unserer Kinder ist uns sehr wichtig.“

Eingerahmt wurde die Wahl von Kaffeehausmusik mit Kantor Burkhard Pflomm und seinem Ensemble sowie einem Vortrag von Nicole Feile: Sie berichtete von ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr in Argentinien. Die Wahllokale schlossen um 18 Uhr – so auch in der Pauluskirche und der Friendenskirche.

Für die Landessynodalwahl des Wahlkreises Besigheim-Brackenheim konnten bis zum 4. Oktober beim Vorsitzenden des Vertrauensausschusses Wahlvorschläge eingereicht werden. Zu wählen waren hier ein Theologe und zwei Laien. Auch hier war die Wahl per Briefwahl möglich.

Ergebnis im Gottesdienst


Im Gemeindegottesdienst am 8. Dezember wird das Ergebnis sowohl der Kirchengemeinderatswahl als auch der Landessynodalwahl öffentlich mitgeteilt. Die frühesten Amtseinführungen können am vierten Adventssonntag stattfinden, heißt es in einer Mitteilung der Kirche.