Im November 1959 wurde der damals neu gebaute evangelische Kindergarten in der Bissinger Panoramastraße seiner Bestimmung übergeben. Mit dem Neubau konnten die Kinder die ehemalige Militärbaracke in der Keplerstraße verlassen. In diesem sehr spartanischen Gebäude war seit 1948 der Kindergarten untergebracht. An diesem Sonntag, 21. Juli, feiert der Kindergarten sein 60-jähriges Bestehen mit einem Familiengottesdienst und einem Sommerfest.

Das Gebäude hat in dieser Zeit viel erlebt und viele Kinder beheimatet. Am 2. November 1958 wurde der Grundstein eingemauert, der bis heute unübersehbar die Wand am Eingang schmückt. Geplant wurde 1959 zur Eröffnung, 110 Kindern auf 156 Quadratmetern Platz zu bieten. Im Sommer 1960 waren es 80 Kinder und zeitweilig sogar 120 Kinder, so das Pfarramt. Am Anfang waren eine einzige Erzieherin und eine Kindergartenhelferin für die Betreuung zuständig. „Nach heutigen Ansprüchen und Maßgaben für die Kindergartenarbeit ist das kaum noch vorstellbar“, heißt es in der Ankündigung zum Sommerfest. Die Baukosten beliefen sich auf rund 200 000 D-Mark, einschließlich des dem Kindergarten angeschlossenen Wohnteils. Finanziert wurde der Bau allein durch die evangelische Kirchengemeinde, den Kirchenbauverein, den Oberkirchenrat, mit Mitteln aus dem Landesjugendplan und vor allem von Bürgern. „Lange sparen musste die evangelische Kirchengemeinde Bissingen zu ihrem neuen Werk“, hieß es im damaligen Zeitungsbericht im November 1959. Das Gebäude liegt in West-Ost-Richtung, sodass eine großflächige Fensterfront gegen Süden genügend Licht in die Räume eindringen lässt. Daran hat sich nichts geändert. Doch die Jahre und die Nutzung hinterließen Spuren.

Bürger setzen sich ein

Die erste grundlegende Erneuerung fand 2005 bis 2006 statt und hatte wieder mit den Fenstern zu tun. Die alten Fenster wurden durch Isolierglasfenster mit bunten Rahmen ersetzt. Auch das Dach wurde erneuert und erhielt wie auch die Fassade eine Wärmedämmung. Im Innern mussten die elektrischen Leitungen erneuert werden und ein neuer Fußboden wurde verlegt. Im Außenbereich war der Plattenbelag sehr schadhaft und wurde erneuert. Die Stadt investierte 175 000 Euro und rund 42 000 Euro musste die Kirchengemeinde Bissingen selbst aufbringen und tat dies erneut mit diversen Aktionen und Eigenleistung. Wie auch schon 1999, als der Außenbereich naturnah gestaltet wurde. Ein Grundsatz galt 2006: Der Charme der 50er-Jahre soll, soweit es sinnvoll ist, erhalten bleiben. Zu nennen sind das Mosaik im Eingangsbereich und die Glasarbeiten im Raum zwischen den beiden großen Gruppenräumen.

Im Rahmen der Umbauarbeiten zogen die Kinder ins Martin-Luther-Gemeindezentrum um. Das wiederum gab es bis 1969 nicht, weswegen der Kindergarten bis dahin auch als Gottesdienstraum genutzt wurde. Zudem trafen sich Jugendliche im Untergeschoss zum Konfirmationsunterricht. Mittlerweile sind 40 Kinder im Alter von zwei bis sechs Jahren in zwei Gruppen im Kindergarten. Sie werden von insgesamt fünf Erzieherinnen betreut. Zusätzlich sind noch eine Sprachhelferin und eine Integrationskraft im Kindergarten beschäftigt. Somit sind alle Stellen besetzt.

Sommerfest mit Gottesdienst


Am Sonntag, 21. Juli, startet das Fest um 10.30 Uhr mit einem Familiengottesdienst mit Pfarrerin Steffi Gauger in der Martin-Luther-Kirche. Die Kindergartenkinder und ihre Erzieherinnen gestalten den Gottesdienst mit. Grußworte von Oberbürgermeister Jürgen Kessing, Achim Schön, Vorsitzender des Kirchengemeinderats, Eva-Maria Freudenreich, geschäftsführenden Pfarrerin der evangelischen Kirchengemeinde, sowie von Dr. Stefan Epple, Elternbeiratsvorsitzender, runden den Gottesdienst ab.

Im Anschluss gibt es im Martin-Luther-Gemeindezentrum ein gemeinsames Mittagessen, und ab 13 Uhr beginnt das Sommerfest im Kindergarten, bei dem neben Spaß und Spiel für die Kinder und Kaffee und Kuchen fürs leibliche Wohl auch eine Ausstellung zur Geschichte des Kindergartens zu sehen sein wird. Um 14 Uhr tritt als Höhepunkt der Aktionskünstler Thilo Schoppe auf. rwe