Die Schaffung von Betreuungsplätzen für Kinder bleibt eine Herausforderung. Vor allem bei den Plätzen für unter Dreijährige gibt es einen Fehlbedarf. Dies geht aus dem aktuellen Sachstandsbericht über die Situation in den Kindertageseinrichtungen hervor, der an diesem Dienstag im Gemeinderat vorgestellt wird.

Demnach stehen in den städtischen Einrichtungen insgesamt 1590 Plätze zur Verfügung. Zum Vergleich: Im April 2018 waren es noch 1556 Plätze, mehr als 30 sind also seither hinzugekommen. Davon stehen – bei einer Regelbelegung der altersgemischten Gruppen mit vier Kindern unter 3 Jahren (U3) – 240 Plätze für Kinder unter 3 Jahren zur Verfügung, der Rest ist für die über Dreijährigen (Ü3).

Für das laufende Kindergartenjahr ist die Vergabe der Kita-Plätze laut Stadtverwaltung weitgehend abgeschlossen. „Aktuell haben wir vereinzelt noch freie Plätze, die jedoch zeitnah an die bisher nicht versorgten Kinder auf der Warteliste vergeben werden“, teilt Bürgermeister Joachim Kölz in der Vorlage mit.

Apropos Warteliste. Im Ü3-Bereich sei es in der Vergangenheit zwar immer gelungen, jedem Kind einen Betreuungsplatz anzubieten, so die Verwaltung. Die Platzvergabe für das neu begonnene Kita-Jahr 2019/20 habe sich jedoch infolge gestiegener Kinderzahlen schwieriger als in den Vorjahren gestaltet. In den altersgemischten Gruppen musste die Belegung teilweise zugunsten der Ü3-Kinder geändert werden. Auch die Nachfrage nach Ganztagesplätzen konnte nicht befriedigt werden, so der Bericht. „Deshalb versuchen wir gegebenenfalls durch eine ergänzende Tagespflege individuelle Lösungen zu finden“, so die Verwaltung.

Was den U3-Bereich betrifft, so ist die Situation noch angespannter. Der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder unter 3 Jahren sei in den letzten Monaten stark angestiegen, heißt es im aktuellen Bericht. Auch hier setzt man auf die Kindertagespflege: „Soweit wir für Kinder unter 3 Jahren keine entsprechenden Plätze in einer städtischen Tageseinrichtung anbieten können, verweisen wir auf das Angebot der Kindertagespflege, welche bei den unter 3-jährigen Kindern gleichrangig neben einer institutionellen Betreuung steht“, so die Verwaltung. Teilweise gebe es aber auch hier Engpässe.

Zudem haben manche Eltern Probleme mit der Akzeptanz der Kindertagespflege. Um diese Vorbehalte zu beseitigen, gab es im April eine Informationsveranstaltung mit dem Kompetenzzentrum Kindertagespflege des Landkreises Ludwigsburg im Bietigheimer Rathaus, bei dem die Eltern Gelegenheit hatten, sich über die Kindertagespflege zu informieren und Kontakt zum Kompetenzzentrum und einigen Tagesmüttern zu knüpfen.

2020 fehlen 88 Plätze

Dennoch: Die Schaffung weiterer Platzkapazitäten durch Erweiterung bestehender und den Bau neuer Einrichtungen sei dringend erforderlich (siehe Infokasten). Dies entspreche auch in vollem Umfang der Prognose der Bedarfsplanung, die 2016 extern erstellt und dem Gemeinderat 2017 vorgestellt wurde. In Zahlen ausgedrückt: Für 2020 wird ein Fehlbedarf von 88 Plätzen prognostiziert. Allerdings muss für neue Einrichtungen dann auch wieder neues Personal gewonnen werden. Für die Stadtverwaltung spiele dabei die Ausbildung von Fachkräften eine wichtige Rolle, heißt es in dem Bericht an den Gemeinderat. Aktuell sind rund 370 Personen im Bereich der Kinderbetreuung in Voll- und Teilzeit beschäftigt.

Eventuell werden Container benötigt


Neue Plätze für die Kinderbetreuung sollen unter anderem in der Gustav-Rau-Straße entstehen. Wie berichtet, will dort Lidl neu bauen und im Obergeschoss eine Kindertageseinrichtung für vier Gruppen schaffen, deren Plätze die Stadt anmieten könnte. Über diesen Plan entscheidet ebenfalls an diesem Dienstag der Gemeinderat. Sollten die Stadträte zustimmen, könnten die Plätze laut Verwaltung voraussichtlich Anfang 2021 zur Verfügung stehen. Mit der Fertigstellung der Erweiterung der Kindertageseinrichtung Metterzimmern und des Neubaus der Kita Gerokstraße sei nicht vor Sommer/Herbst 2021 zu rechnen.

Die Folge: Abhängig von den weiteren Entwicklungen werden laut dem Sachstandsbericht eventuell Container nötig, um die Kapazität der bestehenden Kindertageseinrichtungen kurzfristig als Interimslösung zu erweitern. um