Die Pläne, die Ludwigsburger Rockfabrik nach Bietigheim-Bissingen zu verlagern, haben sich als Luftnummer erwiesen. Das fragliche Gelände, auf dem vormals die DLW produzierte, soll auch in Zukunft für Gewerbe und Dienstleistungsbetrieben reserviert bleiben. Der Gemeinderat hat dazu am Dienstagabend die nötigen Beschlüsse gefasst.

Die baurechtliche Situation auf dem fast zehn Hektar großen Areal, das von den Schenkeln der Bahnlinien, der Geisinger Straße im Norden und der Dammstraße im Westen begrenzt wird, ist etwas kompliziert. Es gab in der Vergangenheit schon zwei Anläufe der Stadt zur Aufstellung eines neuen Bebauungsplans, wie Bürgermeister Joachim Kölz erläuterte. Damals stand der Rechtsstreit mit der Bigpark GmbH, der ebenfalls ein Teil der Fläche gehört, nämlich der Bereich direkt an der Geisinger Straße, im Vordergrund. Bigpark hatte dort Pläne für einen Discounter. Mittels Bebauungsplan und Veränderungssperre versuchte die Stadt, für sie unerwünschte Entwicklungen zu verhindern. Am Ende unterlag Bigpark in der gerichtlichen Auseinandersetzung.

Mittlerweile hat sich jedoch aufgrund der Insolvenz der DLW-Flooring, die auf dem südlichen Teil des Areals produzierte, vor drei Jahren eine neue Situation ergeben. Dort hat es einen Eigentümerwechsel gegeben. Jetzt zeichnet die „projekt Seewiesen GmbH“ für die weitere Entwicklung verantwortlich. Die Stadt möchte mit ihr einen städtebaulichen Vertrag schließen, um das Areal gemeinsam städtebaulich zu ordnen und die Erschließung zu regeln. Das alte Bebauungsplanverfahren werde nicht weiter verfolgt, erklärte Kölz in der Sitzung. Stattdessen hatte der Gemeinderat über die Aufstellung eines neuen Bebauungsplans „Geisinger Straße/Seewiesen“ zu entscheiden.

Keine Speditionen

Dieser sieht ein Gewerbegebiet mit produzierendem Gewerbe und Dienstleistungsbetrieben vor. Nutzungen, die viel Verkehr verursachen, sollen eingeschränkt werden. So sollen Geschäfts-, Büro- und Verwaltungsgebäude nur entlang der Geisinger Straße zulässig sein. Speditionen und Einzelhandel will man ganz ausschließen. Gleiches gilt für Vergnügungsstätten, Tankstellen oder Anlagen für sportliche Zwecke. Im südlichen Bereich, wo das bisherige DLW-Kraftwerk steht, ist ein Sondergebiet „Energiezentrale“ geplant. Dieses dient der Versorgung der umliegenden Wohn- und Gewerbegebiete durch die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen. Mehr dazu gibt es hier.

Erschlossen werden soll das Gebiet von Norden über die Geisinger Straße über einen neuen Anschluss mit Ampel. Eine Hauptachse verbindet die Geisinger Straße mit dem Bahndurchlass dort. Im Inneren ist eine Ringstraße vorgesehen, wodurch die Flächen in kleinere Grundstücke aufgeteilt und erschlossen werden können. Einige der alten Industriegebäude sollen erhalten werden, so Kölz, andere seien zum Abriss vorgesehen.

In dem städtebaulichen Vertrag mit der „projekt Seewiesen GmbH“ soll es unter anderem um die Kostenübernahme für das planungsrechtliche Verfahren, um Lärmschutz und um die Erschließung gehen.

Verbindung ins Bogenviertel

Im Gremium waren die Pläne unstrittig. Werner Kiemle (SPD) lobte die Absicht, eine Energiezentrale einzurichten. Dies ermögliche eine effektive Energieversorgung für die dortigen Gebäude und das Bogenviertel. Angesichts bestehender Nachfrage sei es gut, auf dem Areal eine große Gewerbefläche in der Stadt zu haben. Auch wenn die Lage zwischen den Bahnlinien schwierig sei. Als Flaschenhals bezeichnete Kiemle die Bahnunterführung Richtung Poststräßle. Er regte Gespräche mit der Deutschen Bahn über eine Aufweitung an. Oberbürgermeister Jürgen Kessing sagte dies zu.

Marcus List (CDU) schloss sich den Ausführungen Kiemles an. Es sei eine gute, sinnvolle Entwicklung in dem Gebiet. Gut wäre es, wenn man alle Eigentümer dort ins Boot bekommen würde. Wichtig sei es, so List, die Verbindung ins Bogenviertel offen zu halten. Das sah auch Götz Noller (FDP) so. Dieser müsse nicht nur für Fußgänger, Fahrradfahrer und Busse nutzbar sein, sondern auch für Pkw und Lkw. Ein „zweiter Fluchtweg“ sozusagen.

Das Gremium stimmte der Beschlussvorlage einstimmig zu. Kölz kündigte an, als Nächstes das Gespräch mit den Grundstückseigentümern zu suchen. Im weiteren Verfahren erfolge dann die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange.

Was die Stadtwerke planen


Heizkraftwerk Wie die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen auf Anfrage bestätigten, planen sie, mit einer „Energiezentrale“ im Gebiet „Geisinger Straße/Seewiesen“ das Bogenviertel und die umliegenden Gebiete mit Fernwärme zu versorgen.

Energieträger Laut den Stadtwerken kommen, vorbehaltlich der Genehmigung, verschiedene Energieträger zum Einsatz. Neben Blockheizkraftwerken (BHKW’s) sind ein Holzhackschnitzelkessel und unterschiedliche Wärmepumpen vorgesehen. „Am neuen Standort wird ein hocheffizientes Konzept verfolgt, das die Nutzung verschiedener Wärmequellen mit Wärmepumpen verbindet. Aktuell ist auch noch die Nutzung von Enzwasser für die Wärmeerzeugung in der Prüfung“, teilt Sprecherin Isabel Friedrich mit. Neu für die Stadtwerke sei die zentrale Erzeugung von Kälte, um die neuen Gebäude auch im Sommer zu temperieren.

Bogenviertel Im Bogenviertel selbst planen die Stadtwerke nach Auskunft der Sprecherin keine weitere Energieerzeugung im Wohnquartier. um