Am Ende gab’s überall grüne Smileys für Oberbürgermeister Jürgen Kessing – Karten mit einem lachenden Gesicht, die die 43 Achtklässler der Ellental-Gymnasien im Ratssaal des Bietigheimer Rathauses hochhielten. Sie signalisierten damit, dass sie mit seinen Antworten zufrieden waren. Das, obwohl der Verwaltungschef auch etlichen Wünschen der Jugendlichen eine Absage erteilt hatte. Doch beim „Politischen Tag“ am Mittwoch, den die Gymnasien zusammen mit der Landeszentrale für Politische Bildung organisiert hatten, ging es nicht darum, etwas durchzusetzen, sondern Einsichten in die Kommunalpolitik zu gewinnen.

Die Aktion „Schule trifft Rathaus“ wird von der Landeszentrale seit einigen Jahren angeboten, und sie werde von den Schulen gern gebucht, sagt Mitarbeiter Tobias Rieger, der zusammen mit einigen Kollegen die Veranstaltung in Bietigheim leitete. Meistens seien es Gymnasien, die sich meldeten, aber grundsätzlich sei die Veranstaltung für alle Schularten gedacht. Aktueller Anlass ist die bevorstehende Kommunalwahl im Mai.

Wunsch: mehr Busse

So trafen sich am Mittwochmorgen die Achtklässler aus dem Ellental nicht in der Schule, sondern im Ratssaal. Nach allgemeinen Informationen zur Kommunalpolitik ging es darum, Ideen zu sammeln, wie ihre Traumgemeinde aussehen würde, beschreibt Rieger die Herangehensweise. Diese wurden anschließend mit Oberbürgermeister Jürgen Kessing diskutiert.

Ein Wunsch, der genannt wurde, waren bessere Busverbindungen. Man müsse oft lange warten, wenn man einen Bus verpasst habe, so war zu hören. Zudem wünschen sich die Schüler kostenlos fahren zu können. Kessing erwiderte, im Kreis würden rund 15 Prozent der Kosten an die Nutzer weitergegeben, den großen Rest teilten sich Kreis und Kommunen. Dahinter stehe die Idee, dass sich der, der den Nutzen habe, auch an den Kosten beteilige. Was die Verbindungen angehe, so habe es in der Vergangenheit etwa in die Kammgarnspinnerei Verbesserungen gegeben. Die Stadt könne das auch nicht allein entscheiden, Kosten-/Nutzen-Aspekte spielten eine Rolle. Den „Bus auf Zuruf“ sehe er in der nächsten Zeit noch nicht, so Kessing. Radwege, so der OB in seiner Antwort auf einen weiteren Schülerwunsch, würden in den nächsten Jahren weitere gebaut, wobei die Fachleute für Radstreifen plädierten.

Ebenfalls auf der Schülerwunschliste stand ein Badesee („Dann wäre das Freibad nicht mehr so überlastet“). Kessing verwies darauf, dass etwaige Überlegungen im Steinbruch Fink hinfällig seien, da dieser nun aufgefüllt werde. Zudem biete das Freibad bezüglich Hygiene und Sicherheit Vorteile. „Die meisten Badeunfälle passieren in Seen.“ Bezüglich des Wunsches nach mehr Aufenthaltsmöglichkeiten am Fluss nannte er die Mettertal-Pläne der Stadt. Freilich mussten die Schüler auch erfahren, dass eine Umsetzung nur schrittweise gehe. Denn alles auf einmal koste 10 Millionen Euro, so Kessing.

Als „Topthema“ in der Diskussion entpuppte sich der Wunsch nach neuen Freizeitattraktionen, insbesondere einer sogenannten „Lasertag“-Anlage. Dabei handelt es sich um eine Spielarena, in der Teams mit Laserwaffen – ungefährlichen Infrarotsignalgebern, genannt Phaser – gegeneinander antreten.

Kein Platz für Laser-Arena

Als Standort hatten die Schüler bereits die Wiese zwischen Ellental-Gymnasien und Berufsschulzentrum im Auge. Doch auch hier winkte der Oberbürgermeister ab. „Die Wiese wird Wiese bleiben.“ Die brauche man nämlich als Frischluftschneise. Der Wunsch der Jugend, wie er beim Jugendgipfel ermittelt wurde, sei hingegen eine Dirtpark-Anlage, die bereits in Planung sei.

Aber auch mit Blick auf andere Standorte in der Stadt machte Kessing den Jugendlichen wenig Hoffnung. „Wir haben Platzmangel“, erklärte er, Wohnflächen und Flächen für Unternehmen hätten Vorrang. Vielleicht stünden irgendwann einmal Industriebrachen zur Verfügung, doch „im Moment wüsste ich nicht, wo man so was machen könnte“.

Der „Politische Tag“ im Rathaus endete mit einer Auswertung des Gesprächs mit dem Oberbürgermeister. Dieser hatte abschließend die Hoffnung ausgesprochen, dass die Schüler durch die Aktion ein besseres Verständnis für kommunalpolitische Entscheidungen entwickelten – inklusive der Erkenntnis, dass es „einfache Entscheidungen nicht gibt“.