Der Blick auf die Zahlen des Statistischen Landesamts zeigt zwischen 1996 und 2017 ein Wachstum der Gewerbefläche in Bietigheim-Bissingen von 180 auf 217 Hektar. Sie hat sich damit um 37 Hektar vergrößert. Das klingt nach Dynamik, und in der Tat haben sich in diesem Zeitraum viele Unternehmen in der Stadt angesiedelt. Unter anderem hat die Dürr AG ihren Standort von Stuttgart nach Bissingen verlagert. Gleichwohl ist das Wachstum seit einigen Jahren gebremst, es gibt inzwischen kaum noch freie Gewerbeflächen.

Die Stadt kooperiert deshalb seit geraumer Zeit mit den Nachbarkommunen, um gemeinsame Gewerbegebiete auszuweisen: mit Sachsenheim, Sersheim und Oberriexingen im Eichwald, mit Ingersheim im Gröninger Weg und mit Tamm im Laiern. Was letzteres Gebiet angelangt, so war es das Ziel, den Zweckverband um einen regionalen Schwerpunkt zu erweitern. Doch die Ablehnung der Ausweisung weiterer 20 Hektar Gewerbefläche im Laiern (darunter ein kleiner Teil auf Tammer Gebiet) und auch einer abgespeckten Variante mit nur 13 Hektar hat diesem Vorhaben erst einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Ziel: Laiern-Erweiterung

Das Vorhaben fällt in eine Zeit, in der der Flächenverbrauch im Kreis zunehmend kritisch diskutiert wird. Auch Landrat Dr. Rainer Haas plädierte für einen vorsichtigen Umgang mit der zur Verfügung stehenden Fläche.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing kennt diese Diskussion, sieht sie aber vor allem als ein „Wohlstandsproblem“. Den Menschen in Bietigheim-Bissingen gehe es sehr gut, das führe zu der Meinung, dass man keine weiteren Belastungen mehr wolle, wie sie neue Gewerbegebiete mit sich bringen. Insbesondere hinsichtlich des Verkehrs. Er finde jedoch, dass das etwas zu kurz greife, so Kessing gegenüber der BZ.

War vor zehn Jahren Bietigheim-Bissingen in punkto Gewerbeentwicklung die treibende Kraft, ist es jetzt Tamm. Auch der Bietigheim-Bissinger Oberbürgermeister will auf jeden Fall einen weiteren Anlauf zu einer Erweiterung im Laiern nehmen, wenn die Verkehrsprobleme dort durch bauliche Maßnahmen gelöst sind. Das müsse man tun, um den Unternehmen hier vor Ort Entwicklungsmöglichkeiten zu geben, so Kessing.

Weniger konfliktreich ist die Entwicklung des Bogenviertels, das als Mischgebiet aus Gewerbe und Wohnen vorgesehen ist. Wenn es einmal bebaut ist, wird es in der Flächenbilanz aber zu einer Abnahme des Gewerbeanteils führen, da das ehemalige DLW-Areal bisher in seiner Gesamtheit Industriefläche war. Dafür wird der Wohnanteil steigen, was auch durch die Entwicklung auf dem Valeo-Areal (Lothar-Späth-Carré) der Fall sein wird.

Insgesamt hat die Wohnfläche laut den Zahlen des Statistischen Landesamts zwischen 1996 und 2017 um 91 Hektar von 341 auf 432 Hektar zugenommen. Vor allem im Gebiet Kreuzäcker/Ellental wurde in diesem Zeitraum gebaut. Die Bevölkerung ist von 40 290 auf rund 43 200 Menschen gewachsen. Mit dem Haslacher Weg geht es aktuell in kleinerem Rahmen (2,5 Hektar) in Metterzimmern weiter. Insgesamt liegt der Fokus derzeit aber auf der Innenentwicklung mit dem Bogenviertel und dem Lothar-Späth-Carré.

Mehr Freizeitfläche

Nicht zu vergessen ist, dass die Siedlungsfläche von Bietigheim-Bissingen nicht nur aus Wohngebäuden und Gewerbe besteht. Auch 77 Hektar Sport-, Freizeit- und Erholungsfläche sind darin enthalten. Auch diese Fläche ist gewachsen: 1996 waren es nur 60 Hektar.