Missbrauchsskandal, Beibehaltung des Zölibats, die Weigerung von Papst Franziskus, Frauen zum Priesterdienst zuzulassen  – die katholische Kirche macht es ihren Mitgliedern nicht leicht. Am Sonntag,  22. März, wählen die Katholiken ihre Kirchengemeinderäte neu. Dass sich nur noch wenige mit „ihrer“ Kirche identifizieren, zeigt sich am mangelnden Interesse zu wählen, und auch bei der Kandidatensuche wurde deutlich, dass die Basis oft nicht mit dem einverstanden ist, was die Spitze macht.

Kritische Mitglieder

„Es gibt schon Kirchengemeinderäte, von denen ich weiß, dass sie nicht mehr zur Wahl antreten, weil sie nicht einverstanden sind und nicht verantworten können, was in der katholischen Kirche passiert“, sagt Christian Turrey, der in der Bietigheimer Kirchengemeinde Sankt Laurentius Mitglied des Kirchengemeinderats ist. Es ginge sogar so weit, sagt er, dass es Kirchengemeinderäte gebe, die sich sogar mit dem Gedanken auseinandersetzten, auszutreten. „Aber, ich weiß auch von einer Frau, die sich in unserer Kirchengemeinde erstmals aufstellen lässt, weil sie gegen das veraltete Frauenbild, das Papst Franziskus bei der Amazonassynode heraufbeschwor, angehen will“, sagt Turrey. Vor Ort, in den Kirchengemeinderäten, so Turrey, seien die Frauen in der Mehrheit. „Das spiegelt sich nicht in dem Einfluss auf die Gesamtkirche, leider“, sagt Christian Turrey.

„Im vergangenen Jahr haben wir einen Vertreter des „Konzils von unten“ als Referenten geladen, weil wir die Themen, die die Basis der Kirche durchaus kritisch sieht, nicht unter den Tisch fallen lassen wollen“, sagt Turrey, der seit 15 Jahren Kirchengemeinderat an Sankt Laurentius ist. „Die Basis kann Kirche verändern“, sagt er. Ein Beispiel seien Initiativen wie „Maria 2.0“, die für die Rechte der Frauen in der katholischen Kirche auf Gemeindebasis kämpfen. „Ich kann resignieren oder die Verantwortung übernehmen und versuchen, etwas zu verändern“, so Turrey. In Bietigheim gebe es die Gesprächsreihe „Wie geht es mir mit meiner Kirche?“. Solche Initiativen, so Turrey, seien ein Mittel, für eine Veränderung in der Kirche zu kämpfen. Ein Kirchengemeinderat stehe in dieser Verantwortung, die Kritik der Basis ernst zu nehmen. Doch: „Wenige wollen sich lange Zeit binden, wenige wollen Verantwortung übernehmen“, und das zeige sich darin, dass die drei Kirchengemeinden in Bietigheim-Bissingen gerade einmal so viele Kandidaten haben wie Plätze in ihren Räten.

Ausnahme, so Turrey: Die italienische Gemeinde „Il buon Pastore“ in Bietigheim. Für die zehn Sitze in ihrem Pastoralrat haben sie 17 Kandidaten und auch die Wahlbeteiligung sei vor fünf Jahren fast doppelt so hoch gewesen wie in den anderen katholischen Gemeinden der Stadt.

An Sankt Laurentius, sagt Christian Turrey, habe man noch nicht einmal die eigentlich erforderlichen zwei Jugendvertreter unter 27 Jahren.

Wahlen zu den katholischen Kirchengemeinderäten


Der Kirchengemeinderat der Katholiken wird alle fünf Jahre von Mitgliedern über 16 Jahren gewählt, und zwar am Sonntag, 22. März. An Sankt Laurentius sind es zwölf Sitze, es gibt zwölf Kandidaten. Im Buch, an Sankt Johannes, gibt es zehn Kandidaten für neun Sitze, in der Gemeinde Zum Guten Hirten in Bissingen zehn Kandidaten für zehn Sitze.

In den nächsten Tagen gehen die Broschüren mit den Namen der Kandidaten an die Wahlberechtigten. Zudem gibt es in den Gemeinden Kandidatenvorstellungen und wie an Sankt Laurentius nach den Gottesdiensten um 10.30 Uhr eine „Ansprech-Bar“ der Kandidaten. sz