Nur mal angenommen“, das neue Soloprogramm von und mit Bruno Jonas behandelt das Leben als eine Annahme. Viele glauben, dass sie annehmen müssen, was ihnen geboten wird. Aber immer mehr Menschen können nicht mehr glauben, dass es so weiter gehen soll, wie bisher. Und genau daraus strickt Bruno Jonas sein aktuelles Soloprogramm. Humor ist, wenn man trotzdem etwas zu lachen hat.

Trübe Stimmung im Land

Die Stimmung im Land ist trüb. Das sieht auch Bruno Jonas, der Kabarettist, der einfach nichts beschönigt. Politikverdrossenheit hat ihren Grund und Bruno Jonas nennt ihn am Samstagabend im Bietigheimer Kronenzentrum beim Namen. „Immer mehr Menschen haben es satt, von Politikern regiert zu werden, die immer nur das Beste wollen, von dem sich immer mehr fragen, muss das wirklich sein?“ Die europäischen Werte? Brauchen wir die? Gibt‘s die überhaupt? Und wenn ja, was sind sie uns wert? Krieg ich sie in der Türkei günstiger? Was kostet uns die Ukraine? Dürfen wir annehmen, dass der Islam zu Deutschland gehört oder müssen wir uns mit der Annahme vertraut machen, dass Deutschland zum Islam gehören wird?“ Das sind die Fragen die den Mann mit der spitzen Zunge umtreiben. „Viele nehmen an, dass Europa eine tolle Idee ist, der Euro noch lange halten wird, Griechenland irgendwann schuldenfrei sein wird und die CSU auf ewig in Bayern an der Macht bleibt“, stellt er fest.

In der Politik seien Annahmen sehr beliebt. „Die SPD nimmt an, dass sie eine Volkspartei bleiben wird, selbst wenn sie demnächst an der Fünf-Klausel scheitern sollte, die Grünen sind überzeugt, dass sie die moralische Instanz im Lande sind und ihre Energiewende das Weltklima retten wird, selbst wenn diese mit dem Verkauf von CO2-Rechten finanziert wird; und über alle Parteigrenzen hinweg herrscht die Annahme, dass die AfD bald wieder von der Bildfläche verschwinden wird.“

Bruno Jonas macht direkt das gegenteilige Fass auf und fragt: Nur mal angenommen, wenn nicht? „Auch ich nehme an, was ich annehmen kann, vor allem Päckchen von DHL, aber nur, wenn ich daheim bin. Auf mich kann man sich verlassen, zumindest, was die Annahmen angeht“, stellt Bruno Jona  fest. Alles lacht.

Viele verbringen den Samstagabend gern mit ihm im Bietigheimer Kronensaal, weil er anspricht, was Angst macht. Und: Bruno Jonas macht diese Angst zum Thema, die Angst, die man auch Panikstörung nennen könnte. „Sie treibt uns immer noch dazu, uns zu fühlen, als sei ein Säbelzahntiger hinter uns her.“ Das Beste sind für ihn dann immer die Menschen, die ihr lapidares „Du brauchst doch keine Angst zu haben“, als ob man das so steuern könne.

Aphorismen vor der Pause

Und als kleine Aphorismen vor der Pause streut Bruno Jonas die Auseinandersetzung mit dem Wort Flüchtling ein – es gehört ja inzwischen schon fast zum guten Kabarettistenton, das zu tun. Bruno Jonas kramt dafür aus seinem ureigenen Hinterstübchen: „Man sagt Flüchtling sei negativ belegt, wegen der Endsilbe ,-ling’. Da ist was dran: Liebling, Training und erst recht Trauring sind für mich auch negativ besetzt.“

Weiter geht‘s im Kanon der unerwünschten Wörter. Bruno Jonas macht sich seinen Vers auf „Neger“ oder „Hausfrau“ oder „Gutmensch“. „Das letzte klingt ja rechtspopulistisch“, stellt er fest und die Lacher gehören ihm. Das Wort „Nation“ sei für Frankreich reserviert. Und den Islam? „Den gibt’s in Deutschland eigentlich gar nicht. Deutsche IS-Kämpfer gibt es sogar, aber vom Islam wollen wir in Deutschland nichts wissen“, beobachtet er. Und die Frage „wieviel islamistischer Staat gibt’s bei uns, diese werde ganz ausgeblendet. Bruno Jonas räumt die welken Blätter von der Lebensstraße und spricht an, wo es in der Republik krankt, weil Widersprüche viel zu oft, einfach still angenommen und geduldet werden.