Das Jugendhaus 4D war auch in der zurückliegenden Saison von September 2018 bis August 2019 gut besucht. Bis zu 200 Besucher pro Tag wurden gezählt. „Vor allem im Herbst und in den Wintermonaten gelangen wir häufig an unsere Belastungsgrenze“, berichtete Harald Finkbeiner-Loreth, der Leiter der Jugendförderung Bietigheim-Bissingen, am Dienstagabend im Jugendausschuss. In den heißen Monaten, wenn die Jugendlichen lieber im Freien sind, reduziere sich zumindest im offenen Bereich der Besucherandrang auf ein Normalmaß von 20 bis 40 Besuchern pro Tag.

Die Projektangebote, selbstorganisierte Angebote und die ehrenamtlichen Angebote würden durchgehend bis zu den Sommerferien ohne Abstriche genutzt, freute sich der Leiter der Jugendförderung. Die Attraktivität des Jugendhauses 4D schrieb er seinen Mitarbeitern zu, „die stets ein offenes Ohr für die Jugendlichen haben“, und „einem gesunden Mix aus lebensweltorientierten und zeitgemäßen Angeboten“. Dazu zählen der offene Bereich – eine unverbindliche Anlaufstelle –, Projektangebote wie Boxen, Fußball, Breakdance, Mädchentheater, Zirkus, Street Dance, Tonstudio oder Filmwerkstatt, Ferienangebote, Veranstaltungen und selbstorganisierte Angebote. Im Projektstudio sei seit vielen Jahren Hip-Hop die angesagteste Musikrichtung. Dieser Mix an Angeboten schaffe letztlich ein Gesamtangebot, „das von Jugendlichen insgesamt als attraktiv wahrgenommen wird“, stellte Finkbeiner-Loreth in seinem Jahresbericht fest.

Längerfristig glaubt der Experte allerdings, dass sich die Jugendarbeit verändern werde: Die Kontakte würden sich nicht mehr ausschließlich übers Jugendhaus abspielen, das Thema Online werde an Bedeutung gewinnen. Bereits jetzt stehe man mit vielen Jugendlichen ausschließlich online in Kontakt. Trotz datenrechtlicher Schwierigkeiten laufe dabei vieles über Whatsapp. „Wenn wir da nicht drin sind, haben wir ein echtes Problem“, so Finkbeiner-Loreth.

Treff im Buch zu

Apropos Problem. Ein solches bereitet den Verantwortlichen der Jugendtreff im Buch. Nachdem sich nach den Sommerferien 2018 eine Clique aufgelöst hatte, die dorthin kam, habe sich die Besucherzahl zum Winter hin immer weiter ausgedünnt, berichtete der Leiter der Jugendförderung. Die Folge: „Seit März 2019 hatten wir gar keine Besucher mehr und haben den Treff nach anhaltender Besuchslosigkeit nach den Pfingstferien 2019 wieder geschlossen.“ Dies, nachdem die halbe Stelle für den Treff dort erst im November wieder besetzt worden und der Treff einer Renovierung unterzogen worden war. Derzeit gebe es keine ernsthafte Perspektive mehr für eine offene Jugendarbeit an diesem Standort.

Finkbeiner-Loreth sprach sich daher dafür aus, das Personal ganz ans Jugendhaus 4D anzudocken, das sich immer mehr zum Standort für Jugendliche aus allen Stadtteilen entwickle. „Den Standort Freiberger Straße würden wir anderen Nutzungsmöglichkeiten zuführen, beispielsweise als Gruppenraum für Projekte der Schulsozialarbeit oder als Ausweichmöglichkeit für Gruppenangebote der Offenen Jugendarbeit.“ Dagegen sei der Jugendtreff in Bissingen nach wie vor eine zentrale Anlaufstelle vor Ort von bis zu zwölf Kindern und Jugendlichen ab acht Jahren.

Als eine „wichtige niederschwellige Anlaufstelle für junge Menschen und eine inzwischen bekannte Instanz“ bezeichnete Finkbeiner-Loretz die Mobile Jugendarbeit. Dabei sei eine große Flexibilität gefragt. „Nicht nur die Themen, die die Jugendlichen mitbringen, ändern sich, auch das Freizeitverhalten, so dass wir unsere Routen in den Stadtteilen permanent dem aktuellen Treffverhalten der Zielgruppen anpassen.“

Gefragt bei den Jugendlichen sei die Pumptrack-Anlage beim Jugendhaus, die „mehr oder weniger im Dauerbetrieb“ ist. Noch vor der Umsetzung steht dagegen der Bau einer Dirtpark-Anlage, ein Wunsch des Jugendgipfels 2018. Doch die Gespräche dazu laufen, berichtete Finkbeiner-Loreth in der Sitzung, es gebe eine interessierte Bikergruppe von 12 bis 20 Leuten. Geplant sei, einen Verein aus der Taufe zu heben (Mountainbikeclub Bietigheim-Bissingen). „Wir stehen kurz vor der Vereinsgründung“, so der Leiter der Jugendförderung. Er zeigte sich optimistisch, dass die Mitglieder dann auch bei der Pflege der Anlage helfen würden. Wie berichtet hat die Stadtverwaltung auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche zwischen Eishalle und Bogenschützenverein einen geeigneten Standort für die Anlage gefunden.

Weitere Wünsche des Jugendgipfels würden nach und nach abgearbeitet, so Finkbeiner-Loreth. So sei etwa das Projekt „Farbenblind“ ins Leben gerufen worden. In die Planung und Organisation von Runden Tischen an den Schulen sei man hingegen in Abstimmung mit allen Beteiligten nicht mehr eingestiegen. Der Zeithorizont sei für die Jugentlichen einfach zu lang gewesen, und die Kapazitäten der Mitarbeiter seien zudem erschöpft.

Kein leichter Job


Beim Blick auf die Schulsozialarbeit, die Teil der Jugendförderung „Das Netz“ ist, hob Leiter Harald Finkbeiner-Loreth die teilweise hohen Belastungen für die Mitarbeiter hervor. Zwei von ihnen hätten deshalb das Handtuch geworfen. Ab der Klassenstufe 7 habe man es unter anderem mit massiven familiären Konfliktsituationen und häuslicher Gewalt, sexueller Belästigung, psychischen Erkrankungen und Traumatisierungen, Alkohol- und Drogenmissbrauch, Straffälligkeit, Migrationskonflikten oder Konflikten in den sozialen Netzwerken zu tun.

Beim Personal sei die Situation dagegen gut, so der Leiter der Jugendförderung. Alle Stellen seien besetzt – bis auf eine Ausnahme: „Für die Fachbereichsleitung Schulsozialarbeit in Kombination mit einer weiteren halben Stelle Schulsozialarbeit an der Realschule im Aurain gingen bisher noch keine beziehungsweise keine geeigneten Bewerbungen ein.“ um