Der letzte Einsatz liegt gut zwei Monate zurück. Vom 5. bis 7. September unterstützten Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) aus dem Ortsverband Bietigheim-Bissingen weitere Ortsverbände der Regionalstelle Stuttgart am Max-Eyth-See. Weil der Sauerstoffgehalt des Gewässers rapide abgesunken war, wurde das THW eingesetzt, um den See zu belüften. Durch Pumpen und Düsen wurden mehr als 20 000 Liter Wasser pro Minute entnommen, mit Sauerstoff angereichert und zurückgeführt. Die Helfer aus Bietigheim-Bissingen sorgten mit ihrem Aggregat für ausreichend Strom – einer von unzähligen Einsätzen des Ortsverbands, der in diesem Jahr auf sein 50-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Beim jährlichen Tag der offenen Tür präsentiert er sich morgen der Öffentlichkeit.

48 Mitglieder

Insgesamt 48 Mitglieder zählt das THW in Bietigheim-Bissingen aktuell, berichtet der Ortsbeauftragte Jörg Schulze. Es ist einer von bundesweit 668 Ortsverbänden, die für den Zivil- und Katastrophenschutz da sind und dem Bundesministerium des Innern unterstehen.

In den zurückliegenden 50 Jahren hat sich das THW stetig weiterentwickelt. Mit dem Zugtrupp, der Bergungsgruppe I und II sowie der Fachgruppe Wassergefahren Typ A stellt der Ortsverband jetzt einen vollständigen technischen Zug. In seiner Geschichte hatte der Ortsverband zeitweilig auch in Besigheim seinen Standort, seit 1999 befindet er sich in der Carl-Benz-Straße in Bissingen.

Nachwuchssorgen kenne man nicht, erklärt Jörg Schulze. Es gebe eine 24-köpfige Jugendgruppe und eine 15-köpfige Mini-Gruppe für Kinder ab sechs Jahren. Für die Kinder sei es reizvoll, auf spielerische Weise in der Gemeinschaft an technische Dinge herangeführt zu werden, erklärt sich der Ortsbeauftragte die gute Resonanz, welche das Technische Hilfswerk bei der Jugend findet.

Für die aktiven Mitglieder bedeutet ihr Dienst allerdings auch, dass sie immer wieder gefordert sind, wenn es irgendwo zu einer Katastrophe kommt. Das Spektrum potenzieller Einsätze reicht dabei von Sturmschäden über Erdbeben, Hochwasser, Unfälle mit giftigen Stoffen oder Explosionen bis hin zu Störungen der Infrastruktur: Wasser, Abwasser, Strom, Telekommunikation.

Gerade auf Letzteres werde in jüngster Zeit verstärkt der Fokus gerichtet, berichtet der Ortsbeauftragte. So sei die zweite Bergungsgruppe des Ortsverbands jetzt für Notinstandsetzung zuständig. Ebenso werden stärkere Stromaggregate benötigt.

Zu den größeren Einsätzen, an denen die Helfer des Ortsverbands Bietigheim-Bissingen beteiligt waren, zählt beispielsweise das Hochwasser 2002 in Magdeburg. Zwei Wochen unterstützten sie die Einsatzkräfte dort mit Verpflegung aus der Feldküche, sicherten Gebäude und halfen beim Freiräumen von Zufahrtswegen. Ein Mitglied des hiesigen Ortsverbands war auch schon in Sierra Leone im Hilfseinsatz. Insgesamt habe man drei Mitglieder, die sich durch entsprechende Schulungen für Auslandseinsätze vorbereitet haben, berichtet Schulze. Sie sind damit Teil eines „Pools“, aus dem bei Bedarf Kräfte angefordert werden können.

Einsatz am Bahngleis

Weitere Großeinsätze gab es in der näheren Umgebung, etwa im März 2010 in Bad Cannstatt, als ein Kesselzug entgleiste. Die Helfer aus Bietigheim-Bissingen sorgten zusammen mit ihren Kollegen aus Stuttgart und dem Rettungszug der Bahn dafür, dass die Wagen wieder aufs Gleis gesetzt wurden. Zuvor mussten diese abgepumpt werden.

Pumpen kamen im selben Jahr im Juli auch im Raum Gerlingen/Ditzingen zum Einsatz, wo es nach einem Starkregen „Land unter“ hieß. Damals musste eine leistungsstärkere Pumpe angefordert werden, um dem Problem Herr zu werden, erinnert sich Jörg Schulze.

Um sich auf ihre Aufgaben vorzubereiten, üben die Ortsverbandsmitglieder alle zwei Wochen. Der Umgang mit den Pumpen werde bevorzugt am Wehr bei Untermberg erprobt. Auf dem DLW-Gelände gibt es die Möglichkeit, an abrissreifen Häusern zu üben. Der Vorteil: Dabei könne man auch etwas kaputt machen, sagt Schulze.

Wie er betont, gibt es in Bietigheim-Bissingen nur ehrenamtliche Mitglieder, auch im gesamten THW sei höchstens ein Prozent der Mitarbeiter hauptamtlich tätig. Was den Antrieb der Ehrenamtlichen betrifft, so stehe für sie der „Dienst an der Gemeinschaft“ im Vordergrund.

Tag der offenen Tür: Übungen, Geräteausstellung und Kutteln


An seinem Standort in der Carl-Benz-Straße 22 in Bissingen präsentiert sich das THW Bietigheim-Bissingen am Sonntag, 13. Oktober, ab 11 Uhr bei einem Tag der offenen Tür. Die jährliche Veranstaltung ist auch als „Kuttelfest“ bekannt. Daneben werden aber auch andere Speisen serviert. Auf dem Programm stehen Vorführungen der THW-Jugend, eine Ausstellung zeigt Fahrzeuge und Geräte des THW. Angesichts des 50-jährigen Bestehens des Hilfswerks ist auch eine Jubiläumsausstellung aus der historischen Sammlung des THW zu sehen, berichtet der Ortsbeauftragte Jörg Schulze. Für die Kinder werden Spiele angeboten, es gibt Kinderschminken, und eine Hüpfburg steht für den Nachwuchs ebenfalls parat.

Mitveranstalter ist der THW-Helferverein Bietigheim-Bissingen. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Ortsverband auf den Feldern zu unterstützen, auf denen die vom Bund zur Verfügung gestellten Mittel nicht mehr ausreichen oder die Handlungsmöglichkeiten des Technischen Hilfswerkes eingeschränkt sind. Das umfasst finanzielle und materielle Unterstützung während Ausbildung und Einsatz, Beschaffung und Unterhalt von zusätzlichem Material, Gruppen-Unfallversicherung der Helfer im Dienst, Erhalt der Unterkunft und Neubeschaffung von Inventar, Unterstützung der Jugendarbeit und Helferwerbung. bz