Seit 1969 gibt es den Trägerverein des Robinsonspielplatzes in Bietigheim-Buch am Waldgebiet Brandholz. Dass es den Verein und den Spielplatz nun schon 50 Jahre gibt, liegt vor allem am Engagement der Mitglieder, Eltern und Kinder. Denn kurz nach der Eröffnung des Platzes 1972 – als einer der ersten dieser Art in der Bundesrepublik – brannte das dortige Haus ab. Der Verein stand bei null und wusste nicht weiter, erinnerte sich Gründungsmitglied Ulrich Geisler zum 30-jährigen Bestehen 1999. Es sollte nicht der einzige Rückschlag sein, doch bislang konnte sich der Verein immer wieder retten.

Hasen lockten auf den Platz

In so einer Zeit kam auch Karin Wagner, Erste Vorsitzende, zum ersten Mal zum Robinsonspielplatz. 1990 bestand die Bürgerinitiative und später der Verein bereits seit mehr als 20 Jahren, doch die Kinder der ersten Mitglieder sind erwachsen geworden und die Eltern zogen sich nach und nach aus dem aktiven Vereinsleben zurück. Hasen brachten Wagner auf den Platz: 1991 hat ihre Tochter in der Schule erfahren, dass Kinder dort Patenschaften für Hasen übernehmen konnten. „Ich bin allergisch gegen Hasen, deswegen hatten wir selbst keine“, erzählt Wagner. Als Mama kam sie auf den Platz, verlassen hatte sie ihn als Vorstandsmitglied des Vereins und übernahm 1999 den Vorsitz. Der Aktivspielplatz stand ab 1990 vor einem Wendepunkt und suchte verzweifelt Vorstandsmitglieder. Während heute Erzieher händeringend gesucht werden, sei man damals froh gewesen, wenn man eine Stelle hatte, sagt Wagner. „Die Erzieher waren deswegen sehr dahinter her, ihre Stelle behalten zu dürfen“, beschreibt sie das Engagement, den Spielplatz am Leben zu halten. „Es ging aber auch um den Platz selbst.“ Es fand sich ein siebenköpfiger Ausschuss, der das Geschehen leitete, nachdem dem bisherigen Leiter des Platzes Tobias Hardt gekündigt wurde. Mit dieser Entscheidung war nicht jedes Kind und nicht alle Eltern zufrieden (die BZ berichtete).

Neues Gesicht für den Platz

Das erlebte auch Karin Wagner mit. Der Abenteuerspielplatz sei damals in keinem guten Zustand gewesen. „Ich habe jedes Mal Gänsehaut bekommen, wenn ich das alles gesehen habe“, sagt Karin Wagner über den damaligen Zustand. Ein befreundeter Architekt half bei der Einschätzung und Umsetzung. „Wir mussten dann erst mal schließen und haben eine Liste erstellt, was zu machen ist“, sagt Wagner, „und es war klar, wir schaffen das alleine nicht. Wir brauchen die Hilfe der Stadt.“ Die erhielten sie auch. Das Gelände wurde gesichert, der komplette Platz entmüllt und wo nötig Reparaturen durchgeführt. Nach dem Umbau blieben jedoch die Kinder weg. „Wir haben viele Aktionen gestartet, um zu zeigen, dass es hier wieder ein Angebot gibt.“ Mit Kooperationen mit den Schulen und auch dem dortigen Altersheim, diversen Veranstaltungen und viel Engagement aller Beteiligten wurden die Robs, wie sie sich nennen wieder zu einem festen Begriff.

Erlebnispädagogik ist beliebt

„Dann kam die Zeit der Ganztagsschulen und da mussten wir uns überlegen, wie es mit uns weiter geht“, erinnert sich Karin Wagner. Der Trägerverein bot Fortbildungen im Bereich Erlebnispädagogik an. „Nach der wird immer mehr gerufen“, auch heute noch. Mit diesem Angebot kommen an manchen Tagen 80 bis 90 Kinder pro Tag. So toll dieser Zulauf auch ist, Karin Wagner findet deutliche Worte: „So schaffen wir es nicht. Wir brauchen Unterstützung. Im Moment sind wir eineinhalb hauptamtliche Stellen. Ich schaffe seit Jahren umsonst“, sagt Karin Wagner. Denn eigentlich schafft sie 100 Prozent. Sie hofft, dass die Stadt die 50-Prozent-Stelle auf 100-Prozent aufstockt. Ihr Sohn Tobias Wagner, der Erzieher gelernt hat, hat eine 100-Prozent-Stelle. Bufdis (Bundesfreiwilligendienstler) und Praktikanten helfen. „Es ist immer schwieriger geworden, jemanden zu finden“, sagt die Platzleiterin. Finanziert wird der Robinsonspielplatz unter anderem durch die Schulprojekte. „Ohne die würde es nicht gehen.“ Die Mitglieder und deren Beiträge finanzieren den Platz zudem. So kann der Spielplatz von April bis November geöffnet sein. Diese Woche findet, als Teil des Sommerferienprogramms die sogenannte offene Woche statt. Ab 26. August gibt es die Aktionswoche „Römer“ II.

Dass ausgerechnet ihr Sohn hier arbeitet, kommt nicht von ungefähr: „Er ist hier auf dem Platz groß geworden“, erzählt die Alleinerziehende. So bleiben viele Kinder dem Spielplatz treu und helfen, wenn sie erwachsen sind. „Eine Frau muss ich auf jeden Fall lobend erwähnen: Lisa Heyd.“ Sie ist von Anfang an dabei. Die 80-Jährige war immer schon für die Tiere zuständig, von denen es wegen einem Fuchs keine mehr gibt. Doch Lisa Heyd blieb ein Robs.

www.robinsonspielplatz.de

Ein ausgezeichneter Spielplatz


Der Robinsonspielplatz in der Freiberger Straße 81 am Waldgebiet Brandholz ist ein betreuter Abenteuerspielplatz für Kinder zwischen sechs und offiziell 13 Jahren. Es gibt aber auch ältere Robs, die den Spielplatz nicht missen wollen, sagt die Platzleiterin Karin Wagner. Ziel war und ist es, Spielmöglichkeiten zu bieten mit offenen Grenzen. Soll heißen ohne Leistungsdruck, aber mit der Möglichkeit zur Selbstverwirklichung und Eigenständigkeit. Das ist Wagner besonders wichtig. Getragen wird der Spielplatz von einem privaten Verein. 1969 schlossen sich mehrere Eltern auf Initiative von Ulrich Geisler zusammen und gründeten die Bürgeraktion Robinsonspielplatz, später ein eingetragener Verein, zur Schaffung eines Abenteuerspielplatzes. Es war ein Modellprojekt für Baden-Württemberg. Der Spielplatz wurde von den Mitgliedern selbst errichtet, die Stadt gab jedoch das Gebiet beim Brandholz mit 50 ar und 15 000 D-Mark Startkapital. 20 000 D-Mark kamen von der Bietigheimer Wohnbau. Auch heute unterstützt die Stadt den Spielplatz noch. Die Fertigstellung und Eröffnung war im Juni 1972.

Der damalige Bundespräsident Walter Scheel zeichnete den Spielplatz 1976 sogar aus. 1979 durften die damaligen Vereinsvorsitzenden Ulrich Geisler und Roland Hellmann zudem die Auszeichnung als vorbildliche kommunale Bürgeraktion aus den Händen des damaligen Ministerpräsidenten Lothar Späth entgegennehmen. Ein Jahr später, 1980 bekam die Aktion einen internationalen Preis in Mailand. rwe