Als ich angefangen habe zu studieren, waren es 90 Studenten in meinem Studiengang, davon 15 Frauen. Inzwischen sind es noch 45 Studenten, davon acht Frauen“, erklärt Tanja Vogelhuber. Sie ist 24 Jahre alt und studiert im vierten Semester Bauingenieurwesen an der Hochschule für Technik (HFT) in Stuttgart. Sie entschied sich über Umwege für dieses Berufsfeld. Nach der Realschule machte sie bei Basler in Bietigheim-Bissingen eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation. Sie blieb danach noch 1,5 Jahre dort und wechselte darauf zur Bietigheimer Wohnbau.

„Durch meine Anstellung dort, kam ich mit der Immobilienbranche in Kontakt, holte mein Fachabi nach und schnupperte durch ein Praktikum bei Ritter und Frank in den Stuckateurbereich rein“, beschreibt Vogelhuber ihren Werdegang.

„Sie absolvierte nach dem Praktikum bei Ritter und Frank für zwölf Wochen ein Vorpraktikum bei uns. Inzwischen ist sie seit einem Jahr parallel zu ihrem Studium unsere Werkstudentin“, sagt Matthias Röder, Geschäftsführer beim Planungs- und Ingenieurbüro Röder und Frank. „Das Bauingenieurwesen hat viel mit Mathe zu tun, das schreckt viele Frauen ab. Sie entscheiden sich öfters für ein Architekturstudium. Unser Fachgebiet ist allerdings allgemein schlecht besetzt“, erklärt der 29-Jährige.

Branche bietet genügend Jobs

„Viele brechen das Studium ab – ob Frauen oder Männer. Ich werde folglich keine Probleme haben einen Job zu finden“, sagt Vogelhuber.

„Ich bin freiwillig Werkstudentin um fachliche Kompetenzen zu sammeln und etwas dazuzuverdienen. Das ist kein duales Studium“, erklärt die angehende Bauingenieurin. Das entspreche dem Ausbildungskonzept von Röder und Frank, ergänzt der Geschäftsführer. „Der Student lernt alles direkt im Betrieb und wird dann übernommen“, fährt er fort. „So haben beide etwas davon.“

Es sei eher eine Typ- und keine Geschlechterfrage ob jemand als Bauingenieur tauge oder nicht, meint Röder. „Der Bau hängt 30 Jahre hinterher. Das ist eine raue Männerwelt“, sagt der Geschäftsführer schmunzelnd. Bisher habe seine Werkstudentin allerdings keine Probleme gehabt sich durchzusetzen.

„Man muss in dem Beruf taff sein. Gerade das Vorpraktikum finde ich sehr wichtig, denn dadurch bekommt man einen Eindruck von seinem zukünftigen Job“, bestätigt die Werkstudentin. Sie habe noch nie unangenehme Zwischenfälle erleben müssen, es seien immer alle respektvoll und angemessen mit ihr umgegangen.

Das Studium des Bauingenieurs unterteilt sich in drei Abschnitte. Das Grundstudium geht zwei Semester lang und soll allgemeine Grundlagen wie Mathe, technische Mechanik und Baustoffkunde vermitteln. Daran schließt sich das Hauptstudium mit ebenfalls zwei Semestern an. Baustatik sowie Stahl- und Betonbau stehen auf dem Lehrplan. In den beiden finalen Semestern entscheidet sich der Student dann für seine präferierte Fachrichtung. Zur Auswahl stehen Statik- und Tragwerkplanung, Tiefbau und Baumanagement, das Vogelhuber wählen wird. „Das ist vergleichbar mit einem Allgemeinmediziner. Man hat mit allem zu tun und koordiniert die einzelnen Bereiche“, erläutert die Studentin. Ihr angestrebter Job sei Bau-und Projektleiterin. „Dieser Job besteht etwa zu 20 Prozent aus Technik und der Rest ist Kommunikation. Wir müssen vom kleinsten bis zum schwerwiegendsten Problem als Konfliktlöser fungieren“, ergänzt Röder.

Ein Master-Studium sei laut dem Geschäftsführer nicht erforderlich. Viel wichtiger sei Erfahrung, und diese bekomme man über Praktika. „Im Studium lernt man das Grundlegende, der Rest ist Charakter, den man für diesen Job braucht. Und unsere Werkstudentin ist mit allen Wassern gewaschen“, so Matthias Röder.