Ferienprogramm Jährlicher Hausputz in den Nistkästen

Löchgau / Gabriele Szczegulski 06.08.2018

Gleich der erste Nistkasten birgt eine Überraschung: Sieben kleine Siebenschläfer wohnen darin, schreien nach ihrer Mutter, die sich schnell aus dem Staub macht, angesichts einer Gruppe von 20 Kindern und mehreren Erwachsenen. Christof Hettich, Vorsitzender des BUND Stromberg-Neckartal, und Roland Rapp vom BUND sowie einige Helfer des Schwäbischen Albvereins Löchgau machen das Ferienprogramm am vergangenen Freitag zum Großputztag. 45 Nistkästen im Löchgauer Bruchwald sollen gesäubert werden.

Hausbesetzung

Christof Hettich erklärt, warum es nicht schlimm ist, dass die Siebenschläfer, genauso wie Fledermäuse oder Mäuse, sich der Nisthilfen, die vor allem für Meisen gedacht sind, bemächtigt haben: „Die Meisen haben nach der Brutaufzucht im Frühjahr die Kästen verlassen, und dann wurden sie von den Siebenschläfern oder anderen Tieren okkupiert, die auch darin ihre Jungen aufziehen wollen oder ihren Winterschlaf darin machen“. Die jungen Siebenschläfer dürfen natürlich erst einmal wohnen bleiben, aber ansonsten müssen die Nistkästen für die neue Brutsaison der Vögel vorbereitet werden.

Mit Leitern, Besen sowie Hammer und Nägel für kleine Reparaturen rückt die Gruppe an. Hettich bestimmt auch anhand des Materials in den Nistkästen, welche Vögel darin genistet haben, und trägt das in eine Liste ein, die er dann dem Forstrevier Besigheim zur Dokumentation übergibt. „So wissen wir, welche Vögel hier nisten.“

Dass es Nisthilfen im Wald gibt, sei nicht neu, vor allem in den 1970er-Jahren, so Roland Rapp, wurden massenhaft Kästen aufgehängt, als man bemerkte, dass kaum noch Vögel im Wald nisteten, weil sie keine alten Baumstämme fanden. Durch die Forstwirtschaft, durch zu frühe und zu schnelle, radikale Holzernte, vor allem nach dem 2. Weltkrieg, so erklärt Rapp, habe es in den Wäldern kein Totholz mehr gegeben, weil die Menschen auch das aus dem Wald zum Heizen oder Bauen nahmen.

Der Löchgauer Förster Bernd Renner habe zwar ein Alt- und Totholzkonzept für den Löchgauer Wald entwickelt – Nistkästen brauche es, so Rapp, trotzdem, „weil immer noch nicht genügend Totholz vorhanden ist“. „Der Mensch hat bei der Holzwirtschaft lange Jahre nicht darauf geachtet, dass er Vögel vertreibt, die zum Beispiel den Seidenprozessionsspinner fressen und somit bei der Schädlingsbekämpfung unverzichtbar sind“, so Christof Hettich. Mit der Beteiligung beim Löchgauer Ferienprogramm, so Hettich, wolle man schon bei Kindern ein Bewusstsein für die Natur schaffen, genauso wie mit Kursen zum Bau von Nistkästen. „Wenn die Kinder einen eigenen Nistkasten bauen, den in ihrem Garten aufhängen und im Frühjahr beobachten können, wie eine Meise einzieht, Junge brütet und diese flügge werden, entwickelt sich ein Verständnis für die Natur.“

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