Nach 25 Jahren als Leiter des Ordnungs- und Sozialamts der Stadt Bietigheim-Bissingen wurde Thomas Höfel am Montag in einer kleinen Feierstunde verabschiedet. Bevor er in die Enzstadt kam, arbeitete er bereits in Konstanz im Ordnungsamt und hat mehr als 40 Jahre Erfahrung in der Ordnungsverwaltung. Mit der BZ sprach er über seine Zeit bei der Stadt und seine Pläne für den Ruhestand.

25 Jahre in Bietigheim-Bissingen, das ist eine lange Zeit. Welche Ereignisse bleiben Ihnen auf jeden Fall in Erinnerung?

Thomas Höfel: Das ist so pauschal schwierig zu beantworten. Das Ordnungsamt ist die Behörde, die in der Regel im Bereich der Eingriffsverwaltung tätig ist. Da hat man selten positive Erlebnisse. Es gab allerdings immer wieder bei bestimmten Entscheidungen positive Rückmeldungen. Ich habe eine ganz interessante und nette Erfahrung gemacht, allerdings nicht in Bietigheim, sondern bei meinem früheren Dienstherrn. Ich war damals Leiter einer Ausländerbehörde und auch für Ausweisungen und Abschiebungen von Ausländern zuständig. Einer davon hat mir nach erfolgter Abschiebung aus  seinem Heimatland eine Postkarte zukommen lassen, er sei gut zu Hause angekommen, mit freundlichen Grüßen.

Und wie steht es mit Bietigheim-Bissingen?

Was ich hier insgesamt als sehr positiv erfahren habe, war das Innenverhältnis mit den Kolleginnen und Kollegen und Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Das war eine schöne Zeit und hat mir viel Freude gemacht. Ich denke, ich habe mich für meine Leute auch durchaus engagiert. Ansonsten ist die Ordnungsverwaltung nicht unbedingt ein Geschäft, indem man sich viele Freunde macht.

Das liegt bestimmt auch daran, dass viele sie mit Ärgernissen, wie Strafzetteln in Verbindung bringen. Stört es Sie, dass Ihr Amt so vereinfacht wurde?

Nein, das war für mich kein Problem. Das Ordnungsamt ist sehr umfassend. Wir sind vor Ort staatliche Verwaltung und machen staatliche Auftragsverwaltung. Das geht von Gaststätten, Gewerberecht, Waffenrecht, Straßenverkehrsrecht, Bußgeldstelle, Feuerwehrwesen, Obdachlosenunterbringung, allgemeines Polizeirecht bis zu den Bürgerdiensten. Ich bin fast schon überfordert, wenn ich mir überlege, was wir alles machen. Ich habe ein Amt mit 65 Mitarbeitern, die sehr beschäftigt sind. Wenn man das nun am Strafzettel festmacht, damit muss man umgehen können und das kann ich.

Sollte also Ihr Nachfolger Matthias Volk ein dickes Fell mitbringen?

Ja, das muss er haben. Aber ich denke, er hat sich schon ein dickes Fell aneignen können. Ich kenne ihn ja schon viele Jahre, er war mein Stellvertreter und er kommt ja bereits als Ordnungsamtsleiter hier her. Er weiß, wie es geht. Obwohl die Zeiten anders werden.

Wie meinen Sie das?

Das ist etwas, was mich zunehmend belastet hat: der teilweise sehr unfairer Umgang und das Problem der Sozialen Medien. Dort werden einfach unreflektiert Dinge in die Welt gesetzt, die alles andere als vergnügungssteuerpflichtig sind. Das muss man schon mal sagen. Das haben wir ganz deutlich bei der Paulaner-Thematik spüren können. Was in eine behördliche Entscheidung, die einfach getroffen werden musste, hineininterpretiert und was uns auch per E-Mail geschrieben wurde, war teilweise deutlich unter der Gürtellinie. Da bin ich überzeugt davon, dass diese Dinge nicht besser werden. Da befinden wir uns erst am Anfang einer Entwicklung, die ich sehr kritisch sehe. Das wird für meinen Nachfolger nicht einfach.

Das klingt sehr frustrierend.

Man muss damit umgehen können. Unsere Gesellschaft verändert sich: Egoismus greift immer mehr um sich, Rücksichtslosigkeit, Boshaftigkeit, Ungeduld – das erlebe ich immer mehr. In den Sozialen Medien hat man dann mit der anonymen Masse zu tun und niemanden mehr, auf den man reagieren kann. Ich frage mich, in welcher Welt leben wir, wenn mittlerweile Rettungsdienstmitarbeiter beschimpft und teilweise tätlich angegriffen werden. Was meine Mitarbeiter des Gemeindevollzugsdienstes täglich zu hören bekommen, ist alles andere als fröhlich.

Kommen wir zu positiveren Themen. Was ist Ihre Lieblingstätigkeit als Ordnungsamtsleiter?

Ich bin zum Ordnungsamt gekommen, weil ich gerne mit Gesetzen arbeite. Ich wäre auch gerne Volljurist geworden. Aber bei Kindern der Nachkriegsgeneration war es nicht so einfach zu studieren. So kam ich zum öffentlichen Dienst und habe das nie bereut. Das Arbeiten mit dem Recht und das Anwenden des Rechts haben mir Spaß gemacht und war eine meiner Lieblingsaufgaben. Auch die Mitarbeiterführung und meine Mitarbeiter weiterzubringen, hat mir sehr viel Spaß gemacht. Mich für meine Mitarbeiter einzusetzen war mir immer wichtig und das habe ich mit Herzblut gemacht. Da habe ich auch gerade in den letzten Wochen positive Rückmeldungen bekommen.

Gibt es denn etwas, was Sie als Leiter in Bietigheim-Bissingen noch gerne mit gestaltet hätten? Zum Beispiel das Bogenviertel?

Ja, ich hätte mich dort noch gerne in die Verkehrsdiskussion eingemischt. Auch hätte ich gerne den ÖPNV-Entwicklungsplan zu Ende gebracht, aber ich bin zuversichtlich, dass mein Nachfolger das auf die Reihe bekommt. Er hat ja bei mir gelernt.

Neben diesen Themen, was kommt auf Ihren Nachfolger zu?

Die Aufgaben werden nicht weniger und sie werden komplexer. Dafür brauchen wir auch mehr Personal. Mit 65 Mitarbeitern klappt das dann, wenn wir keine Ausfälle haben. Das hat man zum Beispiel beim Bürgeramt gemerkt. Wir haben auch einige Stellen nicht besetzt und es ist schwierig, geeignete Mitarbeiter zu finden.

Sie sind ja nur noch diese Woche da und Herr Volk kommt erst im August. Wie läuft der Juli ohne Chef im Amt ab?

Ich bin nicht der Typ, der sagt nach mir die Sintflut. Mein Stellvertreter ist über alle Dinge, die noch anstehen, informiert. Er bereitet gerade den Pferdemarkt vor und auch Live am Viadukt. Mit Herrn Volk habe ich dann im Juli noch einen Gesprächstermin und wenn er mich noch braucht, dann habe ich kein Problem mich erneut mit ihm zu treffen. Aber ich werde mich nicht mehr ins operative Geschäft einmischen oder glauben, alles besser zu wissen.

Das klingt aber, als ob Sie Bietigheim erhalten bleiben oder geht es wieder nach Konstanz?

Wir bleiben in Bietigheim-Bissingen wohnen. Wir fühlen uns hier wohl und die Region Stuttgart ist ja durchaus lebenswert.

Apropos lebenswert, welche Pläne haben Sie für Ihren Ruhestand?

Ich habe momentan keine Pläne. Ich möchte zunächst meine Ruhe haben und mich nicht wieder mit etwas beschäftigen. Es gibt jetzt erst eine Phase, in der ich mich resozialisieren werde. Also wieder einen objektiven Blick auf die Welt und Gesellschaft bekommen. Ansonsten hat meine Frau bestimmt etwas auf dem Zettel, wie sie mich beschäftigen kann. In ein Loch werde ich nicht fallen, das weiß ich sicher. Da gibt’s viel zu viele Dinge, die ich machen kann.

Zum Beispiel?

Ich suche seit Jahren täglich den Badepark heim und drehe meine Bahnen. Jetzt geht das auch ohne, dass ich auf die Uhr schaue und ins Büro muss. Ein paar europäische Städte wollen wir bereisen, die wir immer schon sehen wollten. Aber sonst gibt es keine Pläne. Ich freue mich darauf.

Klingt, als ob Ihnen der Abschied leicht fällt.

Ich habe am Montagabend bei meiner offiziellen Verabschiedung gemerkt, dass der Abschied  schwieriger ist, als ich dachte, auch weil ich ein gutes Verhältnis mit allen hatte.

Was wünschen Sie der Stadt denn für die Zukunft?

Ich wünsche es der Stadt, dass es ihr weiterhin so gut geht. Wir leben hier auf einer Insel der Glücksseeligen – in jeder Hinsicht. Für eine Stadt mit 43 000 Einwohnern geht das Angebot deutlich über das normale hinaus. Ich wünsche mir auch, dass das Wachstum moderat weitergeht und wir aufhören, ständig über unseren innerstädtischen Verkehr zu diskutieren. Das ist ein Problem der Region Stuttgart. Die Stadt soll lebenswert bleiben und ich bin da sehr optimistisch, dass das so bleibt. Uns geht es sehr, sehr gut.

Letzte Frage: Haben Sie selbst einen Strafzettel bekommen?

Selbstverständlich, auch schon von den eigenen Leuten.

Und auch bezahlt?

Ich bezahle sie natürlich. Ich käme nie auf die Idee, die einstellen zu lassen. Ich bin nicht anders, als andere.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing verabschiedet Thomas Höfel


Am 16. März 1994 wurde Thomas Höfel Leiter des Ordnungs- und Sozialamts in Bietigheim-Bissingen. Zuvor war er bei der Stadt Konstanz tätig. Dort führte ihn sein Weg bereits in die Ordnungsverwaltung, er leitete dort das Sachgebiet Ausländer-, Einwohner- und Gewerberecht und qualifizierte sich bereits früh für Führungsaufgaben. In Bietigheim-Bissingen umfasste sein Aufgabenbereich die öffentliche Sicherheit und Ordnung, den Katastrophenschutz, das Hochwassermanagement, die Verkehrsangelegenheiten, Gewerberecht, Marktwesen, Waffenrecht, Bürgeramt, Standesamt, Wohngeldstelle, Ausländerwesen bis hin zum Sozialdienst und dem Familienbüro, die Wahlorganisation sowie den Pferdemarkt.

Oberbürgermeister Jürgen Kessing dankte dem scheidenden Amtsleiter am Montag: „Es hat Sie immer ausgezeichnet, dass Sie bereit und fähig sind, Verantwortung zu tragen, dass Sie mit Menschen umgehen können und stets offen für neue Aufgaben sind.“ Mit viel Schwung und Engagement habe Höfel Herausforderungen angepackt. „Daneben fanden Sie auch noch Zeit, als ehrenamtlicher Richter am Sozialgericht in Heilbronn tätig zu sein. Ihr Einsatz wurde nicht nur hier im Hause anerkannt, auch im Gemeinderat wurde Ihre Kompetenz stets gewürdigt. Sie dürfen auf Ihre Leistung stolz sein, Ihr Einsatz hat sich gelohnt.“

Die Nachfolge von Thomas Höfel, der am 30. Juni seinen letzten Arbeitstag hat, wird der Ordnungsamtsleiter der Stadt Vaihingen, Matthias Volk, am 1. August antreten (die BZ berichtete). Er war schon von 2006 bis 2013 als stellvertretender Ordnungsamtsleiter in Bietigheim-Bissingen tätig und kennt seine neue Wirkungsstätte gut. bz