Cross Cult aus Ludwigsburg zählt zu den renommiertesten Verlagen in der Comic-Szene. 2001 gegründet, beschäftigt das Unternehmen zehn feste Mitarbeiter und  20 Freelancer, die übersetzen und lektorieren. Der Umsatz des Verlages lag jährlich im Durchschnitt in den letzten fünf Jahren bei rund 1,6 Millionen Euro, so Geschäftsführer Andreas Mergenthaler. Neu im Programm ist der Comic „Bowie“, der  auf viel Beachtung  stößt. „Das große Potential des Bandes ist uns  erst später klar geworden“, sagt Mergenthaler im Interview mit der BZ, in dem er über weitere Top-Titel, das Comic-Geschäft und die Auswirkungen der Corona-Krise berichtet.

Wie ist das Jahr 2019 für Ihren Verlag Cross Cult  gelaufen?

Andreas Mergenthaler: Recht gut. Im Herbst 2019 haben wir uns von einer unserer Comic-Topsellerreihen verabschieden müssen: „The Walking Dead.“ Das ist natürlich schon ein Einschnitt. Gleichzeitig haben wir die Ende 2017 gestartete Manga-Sparte ausgebaut und erste Erfolge verzeichnet. Aber dieser Aufbau gestaltet sich relativ langwierig und schwierig. Die Romansparte haben wir etwas zurückgefahren, da wir, als relativ kleiner Verlag, mit normaler Belletristik nur schwer in den Buchhandel kommen. Und wir haben aktuell nicht viele gute neue, lizensierbare Titel gefunden. In der Vergangenheit liefen Romane zu Nerd-Themen wie Star Trek, Castle oder James Bond sehr gut. Aber 2019 erschien dazu nicht viel Neues.

Was waren die Top-Titel?

Eine Neuausgabe der „The Umbrella Academy“-Comics, da die Netflix TV-Serie sehr gut angekommen ist. Auch der neue Band der deutschen Comicreihe „Gung Ho“ und der Abschlussband 32 von „The Walking Dead“, bei den Manga „Cells at Work! Black“. Ein wissenschaftlich recht fundierter Einblick in die Abläufe im Körper mit Leukozyten und Erythrozyten als „Helden“, die sich mit allerhand Gefahren herumschlagen müssen. Black ist dabei die Version für ältere Leser – mit schlimmeren Krankheiten.

Und bei den Romanen?

Hier erschien ein letzter Band der beliebten Reihe „Lady Trents Memoiren“. Eine berühmte Drachenforscherin, die sich zudem in einer männlich dominierten Gesellschaft, die der Ende des 18. Jahrhunderts entspricht, ihre Freiheiten erkämpfen muss.

Was ist Ihr persönlicher Lieblings-Comic 2019?

Die ersten drei Bände von „Deadly Class“. Von Fans heiß geliebt, aber kein Topseller. Die Reihe verströmt viel 80er Jahre Flair, es gibt viele tolle Comic-of-Age Momente, die Hauptfiguren sind junge Erwachsene, die ihren Platz in der Welt finden müssen. Dass sich das Ganze in einer geheimen Akademie der Profikiller abspielt und sie das Töten lernen, ist da beinahe Nebensache. Dazu gibt es auch eine TV-Serie von den Machern der Avengers-Filme.

Welche Rolle spielen Manga?

Wir sehen darin eine populäre Form der Comics, die seit über 20 Jahren auch immer viele neue, junge Leser anspricht, während die Comicleser wohl im Schnitt immer älter werden. Für uns ist der Aufbau unseres Manga-Programms also eine Investition in die Zukunft. Mit „Demon Slayer“ haben wir nun seit Anfang 2020 die aktuell in Japan erfolgreichste Serie im Programm, die 2019 den Jahresverkaufsspitzenreiter „One Piece“ von Platz 1 verdrängt hat. Von „Demon Slayer“ wurden 2019 über 12 Millionen Exemplare verkauft. So weit sind wir mit unserer deutschen Ausgabe natürlich noch lange nicht, aber es ist ein erfolgversprechendes Zeichen, das uns als neuem Mangaverlag Aufmerksamkeit im Handel und unter Fans bringt.

Welche Auswirkungen hat die Corona-Krise aktuell auf Ihren Verlag?

Was die Arbeit angeht: Die Hälfte unseres Teams kann zu Hause arbeiten, die anderen sind weiter in den Verlag gekommen. Wir haben große Räumlichkeiten, also klappt das mit dem Abstandhalten gut. Druckereien und Auslieferungen arbeiten glücklicherweise weiterhin. Unsere Lizenzgeber und  Verlage in den USA tun sich da viel schwerer. Da verschiebt sich Einiges, weil dort der wichtigste Comicvertrieb von März bis Mai seine Arbeit komplett eingestellt hat.

Was heißt das für den Absatz?

Wir und viele andere mittelgroße Verlage sind relativ gut durch die erste Zeit der Krise gekommen. Da wir im Buchhandel nicht so massiv vertreten sind, wie die Großen der Branche, haben uns die Ladenschließungen nicht so hart getroffen.

Wo liegen die Unterschiede bei den Kunden?

Unsere Kunden kaufen viel Online oder in Comicshops, die sich rasch neue Möglichkeiten gesucht hatten, ihre Kunden zu beliefern. Aber da der Buchhandel so lange flächendeckend geschlossen hatte und auch noch viele weitere Monate eher wenige Kunden in den stationären Buchhandel gehen werden, müssen die großen Verlage gut aufpassen, was sie veröffentlichen und was erstmal nicht. Ein Bestseller mit 100 000 Auflage braucht nun mal die Auslage in Stapeln im Buchhandel. Das alles Online zu verkaufen ist kaum möglich.

Wie schätzen Sie die Auswirkungen auf die gesamte Comic-Szene ein?

Schwer einzuschätzen. Das kommt darauf an, wie hart die allgemeine Wirtschaftskrise werden wird. Comics sind relativ teuer. Streaming-TV ist billig. Zudem finden die Comic-Events nicht statt, die die Szene immer belebt haben. Auch der für Anfang Mai geplante „Gratis Comic Tag“, an dem der Handel extra für diesen Tag produzierte Comics verschenkt, wurde auf Herbst verschoben.

Wie kam „Bowie“ ins Verlagsprogramm?

Wir hatten schlichtweg einen guten Draht zum US-Verlag Insight Editions. Die zuständige Lizenzmanagerin hat uns vor Jahren sogar in Ludwigsburg besucht, obwohl wir nicht viele Titel von ihnen lizensiert haben, da Insight eher Artbooks und andere Sachbücher im Programm hat und nur wenige Comics. Zudem kannte und mochte ich die Werke des Zeichners Mike Allred, obwohl noch kein einziger seiner Comics auf Deutsch erschienen ist. Bis auf einen Marvel-Comics-Band vielleicht. Und jetzt eben „Bowie“. Allred hat immer die Comics gezeichnet, die in den Filmen von Regisseur Kevin Smith zu sehen sind. Ich liebe diese Filme – also war es eine Ehre, einen neuen Band des Zeichners in unser Programm zu nehmen.

War es auch ein Erfolg?

Das große Potential des Bands ist uns  erst später klar geworden. Was auch an der guten Pressearbeit unseres Pressemanns Filip Kolek liegt. So viel Resonanz von Musikmagazinen, Zeitungsredaktionen, Radiostationen und sogar TV-Sendern hatten wir seit „Sin City“ nicht mehr. Was uns sehr freut.

Können Sie auch etwas zu den Auflagezahlen sagen?

Die liegen zumeist zwischen 1000 und 5000. Einige wenige Longseller verkaufen sich über viele Auflagen hinweg aber auch mal 20 000 oder 30 000 mal. Von solchen Titeln „lebt“ der Verlag dann quasi. Es gibt auch Titel, die sich nur 500 mal verkaufen.

Was ist der Grund?

Das sind dann Bände von nicht so beliebten Reihen, die man aber nicht abbrechen möchte, um es sich mit den Fans nicht zu verscherzen. Treue Leser sind unser wichtigstes Kapital. Diese Titel werden dann durch die Topseller „querfinanziert“. Aber zu viele dieser schwachen Titel kann man sich als Verlag auf Dauer natürlich auch nicht leisten.

Vielen Dank für das Gespräch.

Gezeichneter Lebenslauf einer Ikone der Popkultur



Michael Allred, ausgezeichnet mit dem Eisner Award, hat mit seiner Graphic Fiction dem Künstler David Bowie ein einzigartiges Denkmal gesetzt. Es ist keine seitenlange Biografie, sondern ein gezeichneter Lebenslauf, der Bowie überlebensgroß als Ikone der Popkultur darstellt. Der Zeitbogen spannt sich von seinen  Anfängen 1962 und endet mit seinem Tod im Jahre 2016. Auf den 160 Seiten wird Bowies Leben als einzigartiges Wirken in der Popmusik erzählt. Der Leser begegnet Christopher Lee, Lou Reed, Elton John, Mark Bolan, Rod Stewart und Jimi Hendrix.  Der Leser  erfährt viel über die Arbeitsweise Bowies, seine Visionen, seine Rückschläge und seinen kometenhaften Aufstieg. Ein Buch wie ein Rausch, bunt wie die Ikone der modernen Popkultur David Bowie selbst.

Bowie –  von  Michael Allred, Steve Horton und Laura Allred,  2020, Cross Cult,  ISBN 978-3-96658-0816, 160 Seiten, 35 Euro. itz