Seit dem 1. August ist Matthias Volk Ordnungs- und Sozialamtsleiter der Stadt Bietigheim-Bissingen. Mit nur wenigen Wochen im Amt musste er beim wohl wichtigsten Fest der Stadt, dem Pferdemarkt, für Ordnung sorgen. Sein Fazit zur Veranstaltung und welche Aufgaben der 39-Jährige sonst noch hat, verrät er im Gespräch mit der BZ.

Willkommen in Bietigheim-Bissingen, Herr Volk. Wie war es denn für Sie gleich mit dem Pferdemarkt einzusteigen?

Matthias Volk: Es war eine tolle Sache. Das Organisatorische lief autark ohne mich, da musste ich mich um nichts mehr kümmern. Mein Team hat das perfekt vorbereitet und durchgeführt.

Es ist ja nicht ihr erster Pferdemarkt als Teil des Ordnungsamts Bietigheim. Bis 2013 waren sie hier stellvertretender Leiter. Was hat sich seither verändert?

In den letzten sechs Jahren, seit dem Ordnungsamt diese Aufgabe zugeordnet wurde, ist wahnsinnig viel passiert. Es ist hier beim Amt sehr professionell geworden. Die ganze Organisation, Thema Sicherheit, Kommunikation und die Geschäftsstelle sind sehr gut aufgestellt. Mein Vorgänger hat das erstklassig hinterlassen. Im Prinzip musste ich nichts machen und konnte das Fest über meine Aufgaben durchführen und das Fest genießen.

Was sind Ihre Aufgaben beim Pferdemarkt?

Sehr wichtig waren mir die Kontakte mit den beiden Tierärzten Dr. Thomas Haag und Dr. Friedrich Lindner und Gerhard Müller vom Ponyhof. Da werden Gespräche geführt, wie es in der Vergangenheit war, wie es in der Zukunft sein kann und ob man mal Dinge anders machen und das Angebot erweitern kann. Mit den Preisrichtern hatte ich einige Gespräche und auch mit dem Bauhof, der gefühlt rund um die Uhr im Einsatz war. Das Sicherheitskonzept sieht zudem vor, dass es jeden Tag einen Hauptverantwortlichen gibt.

Die Notfall-Hotline also.

Ja, genau. An drei Abenden hatte ich die Funktion, an den anderen beiden mein Stellvertreter Herr Schmid. Da war ich für die Polizei, das DRK und fürs THW der Ansprechpartner, wenn etwas passiert.

Und ist etwas passiert?

Zum Glück nur Kleinigkeiten: Ein Kind ist mal verloren gegangen, da wurde ich angerufen, um abzuklären, was gemacht werden muss. Oder abends ging es um eine Sperrung, bei der Schilder entfernt worden sind. Alles andere lief ohne mich.

Wird sich am Konzept nächstes Jahr etwas ändern?

Gravierende Mängel sehe ich keine. Wir hatten als Durchgangssperren Transporter und Lkw positioniert. Vielleicht können wir uns da in der Zukunft etwas professioneller aufstellen. In den nächsten Wochen werden wir Nachgespräche mit den Tierärzten, mit dem Bauhof, mit der Geschäftsstelle führen. Wo es möglicherweise Änderungen geben wird, wird die Auto-Ausstellung sein. Da wird es bald Signale geben, wie es weitergeht.  Auch bei der Pferde-Prämierung wollen wir schauen, ob wir neue Besitzer animieren können, ihre Pferde bei uns zu präsentieren. Das sind zwei Bausteine, die wir nächstes Jahr angehen wollen.

Nun dreht sich Ihr Amt ja nicht nur um den Pferdemarkt. Was machen Sie den ganzen Tag?

Jetzt geht es erst mal um das Kennenlernen und Wiederkennenlernen. In den vergangenen sechs Jahren ist vieles passiert. Ich bin keiner, der gleich drauf losrennt und alles anders und neu macht.

Und Knöllchen verteilen. Dazu sagte Ihr Vorgänger Thomas Höfel, dass der Ton rauer geworden ist. Haben Sie das in Vaihingen auch erlebt?

Ja, das stimmt definitiv. Herr Höfel hat 30 Jahre mehr Erfahrung in der Ordnungsverwaltung. Ich bin erst seit 2004 in diesem Bereich. Das sind viele Jahre, die einen auch prägen. Ich sehe diese Entwicklung auch, nehme sie bislang aber noch nicht so negativ wahr.

Wie gehen Sie mit einem rauen Ton oder gar Beleidigungen um?

Es geht ja nicht um mich als Privatperson, sondern um mich als Amtsperson. Da muss man unterscheiden können und ich denke, das kann ich. Wenn ich aus meinem Büro gehe und die Tür zu mache, bin ich nur noch Matthias Volk und nicht mehr der Ordnungsamtsleiter. Das versuche ich auch, meinen Mitarbeitern weiterzugeben.

Vor allem die Mitarbeiter, die Parkvergehen kontrollieren, sind solchen Beleidigungen ausgesetzt, aber auch Kritik aus der Bürgerschaft. Zu wenig oder zu unnötigen Zeiten werde kontrolliert. Ist die Personalstärke das Problem?

Mehr Personal geht natürlich immer. Ich habe aber nicht den Anspruch, dass wir immer überall sein werden, das können wir auch nicht leisten. Da muss man Schwerpunkte setzen. Wenn es in einem Bereich Beschwerden gibt, dann werden wir dort sechs, acht oder zehn Wochen verstärkt kontrollieren. Das zeigt meiner Meinung nach auch schnell Wirkung. So muss man das Personal auch einteilen und insgesamt sind wir gut aufgestellt.

Wie gehen Sie mit solcher Kritik um?

Das Stadtgebiet ist groß, wenn dann beispielsweise zwei Mitarbeiter abends unterwegs sind, ist es doch selbsterklärend, dass wir nicht überall sein können. Mir ist es dabei immer sehr wichtig, dass meine Leute den Kontakt mit den Bürgern suchen. Dass sie mit den Beschwerdeführer sprechen und die Menschen so merken, wir sind da. Oftmals werden wir gar nicht gesehen, wenn wir unterwegs sind.

Verkehr ist ein Schwerpunkt Ihrer Arbeit, auch bei Bauprojekten, wie dem Bogenviertel. Wie sind Sie darin involviert?

Vor allem natürlich als Straßenverkehrsbehörde sind meine Mitarbeiter und ich darin involviert. Das ist bei jedem Projekt so, auch bei neuen Bebauungsplänen und Ähnlichem. Da sind wir gefragt, wie Verkehrsregeln oder Parksituationen sein könnten.

Verkehr und Parken – zwei Themen, die die Bietigheim-Bissinger beschäftigten. Wie sehen Sie die Zukunft der Stadt diesbezüglich?

Verkehr bewegt die Menschen draußen. Meiner Meinung nach muss der ÖPNV eine noch größere Gewichtung bekommen. So können wir den individuellen Verkehr von der Straße bekommen und die Menschen mehr und mehr dazu bringen, mit Bus und Bahn zu fahren. Das wird ein wichtiger Baustein für die Zukunft sein, um den drohenden Verkehrskollaps verhindern zu können. Als Ordnungsamt werden wir dazu beitragen, den ÖPNV attraktiver zu gestalten.

Sind Sie selbst mit den Öffentlichen unterwegs?

Nein, ich fahre mit dem Auto. Da ich in Cleebronn wohne, dauert es mit den Öffentlichen leider etwas zu lange.

Schon mal zu schnell unterwegs gewesen?

Es ist erwiesen, dass man auf der Strecke, die man jeden Tag fährt, die Schilder irgendwann ausblendet. Da passiert es auch mir mal, dass ich zu schnell unterwegs bin.

Also lieber weniger Schilder aufstellen?

Allein Schilder bringen nichts. Der Ausbau einer Straße muss den Verkehrsteilnehmern zeigen, wie schnell man fahren darf.

Gibt es da Stellen in Bietigheim mit zu vielen Schildern?

Da sind mir noch keine aufgefallen. Ein Thema ist sicherlich die Höchstgeschwindigkeit innerorts. Ich denke, wenn der Gesetzgeber mehr Mut hätte, würde er vorgeben, dass innerorts Tempo 30 gilt. Nur auf großen Straßen, wie einer Bundesstraße, sollte man die Geschwindigkeit zum Beispiel auf 50 erhöhen können. Dann hätten wir den ganzen Schilderwald nicht mehr, also die ganzen Tempo-30-Zonen, Tempo 30 aufgrund einer Umweltzone, aufgrund Lärmschutz oder Tempo 40, manchmal nachts nur von 22 bis 6 Uhr – da blickt ja keiner mehr durch.

Viele Bürger wünschen sich in ihren Straßen Tempo 30, aber bekommen kein Limit.

Die rechtlichen Vorgaben sind streng. Es kommt vor allem auf Verkehrsmenge oder Gefahrenstellen an. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, um von der Regelgeschwindigkeit abzusehen. Die liegen leider nicht überall vor. Da wäre durch eine Gesetzesänderung sicherlich vielen geholfen.

Was mögen Sie an Ihrem Beruf besonders?

Das Schöne ist, dass mein Beruf so vielfältig ist. Von der Feuerwehr, zum Waffenrecht, über das Standesamt bis zur Flüchtlingsunterkunft ist alles dabei. Hier ist kein Tag, wie der andere. Das finde ich sehr spannend.

Matthias Volk beruflich und privat


Der in Freiburg geborene Matthias Volk war nach Abschluss seines Studiums an der Hochschule für öffentliche Verwaltung Kehl zunächst zwei Jahre lang beim Regierungspräsidium Stuttgart tätig, bevor er im Jahr 2006 zur Stadt Bietigheim-Bissingen wechselte. Dort war er stellvertretender Leiter des Ordnungs- und Sozialamts und Leiter der Abteilung öffentliche Sicherheit und Ordnung. 2013 wechselte er als Ordnungsamtsleiter nach Vaihingen. Dort war er bis 30. Juli 2019 im Amt und wechselte zum 1. August nach Bietigheim-Bissingen.

Seine Freizeit verbringt der 39-Jährige gerne mit seiner Familie, seiner Frau und den gemeinsamen zwei kleinen Kindern. „Wir sind gerne unterwegs, machen gerne Ausflüge und wandern“, sagt Volk. Seine Eltern stammen aus der Gegend nahe Freiburg – auch das ist ein beliebtes Ausflugsziel für ihn. „Ich spiele hin und wieder mal ein bisschen Fußball.“ rwe