„Pavillon-Kolleg“ Inspirierender Sehnsuchtsort

Petra Lanfermann, die stellvertretende Leiterin der Städtischen Galerie in Bietigheim-Bissingen, führte Senioren durch die aktuelle „Nordsee“ Ausstellung.
Petra Lanfermann, die stellvertretende Leiterin der Städtischen Galerie in Bietigheim-Bissingen, führte Senioren durch die aktuelle „Nordsee“ Ausstellung. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Susanne Yvette Walter 18.05.2018

Die neue Reihe „Pavillon-Kolleg“ der Aktiven Senioren Bietigheim-Bissingen ist unheimlich beliebt. Rund 50 Senioren um die Vorsitzende der Aktiven Senioren Renate Wendt erlebten am Donnerstag Führungen durch die beiden aktuellen Ausstellungen „Im Bann der Nordsee - die Norddeutsche Landschaft seit 1900“ und „Gustav Schönleber“ Küstenfahrten an der Nord- und Ostsee“ in der Städtischen Galerie.

„Schön, dass eine so große Gruppe Interesse hat“, freut sich die Vorsitzende der Aktiven Senioren Renate Wendt. Auch bei der Kofferausstellung sei die Beteiligung schon groß gewesen. Noch mehr Senioren waren nun neugierig auf die Bilder und Artefakte, die mit dem stürmischen Leben an der Nordsee in Verbindung gebracht werden.

Sämtliche Schiffstypen

Beim Gang durch die Ausstellung gab es gleich im Foyer eine Begegnung mit der stürmischen Seite des ewig unruhig wogenden Meeres in den Bildern von Poppe Folkerts, der sämtliche Schiffstypen dabei zeigt, wie sie durch die Wogen pflügen. Kunsthistorikern Petra Lanfermann, die die Ausstellung in der Städtischen Galerie auf die Beine gestellt hat, freut sich, von „heimatlichen Gefilden“ berichten zu dürfen und macht die Besucher gleich vertraut mit den Bräuchen der Ostfriesen in Form einer ostfriesischen Teezeremonie. „Der Ostfriese trinkt im Durchschnitt 300 Liter Schwarztee im Jahr“, weiß sie. Ein wunderschönes Teeservices zeigt die Ausstellung auch.

Einer, der sich für den „Maler der Nordsee“ schlechthin hält, bestimmt den Beginn der Ausstellung mit sämtliche Schiffsarten, die hier auf den Wellen schaukeln. Manchmal kombiniert der Maler Poppe Folkerts, der von Norderney stammt auch seine Schiffsdarstellungen mit einer dramatischen Situation“, zeigt Petra Lanfermann und deutet auf ein düsteres Bild, das zeigt, wie eine schiffbrüchige Familie gerettet wird.

Die Vielfalt an Künstlern, die sich mit dem Ort auseinandersetzen, ist groß. Einige wie Jacob Alberts zeigen das Leben an den rauen Küsten, das nach Heimeligkeit ruft und sie oft in ausgedehnten Teezeremonien findet. Petra Lanfermann, wie gesagt, selbst aus dem hohen Norden, beschreibt gern, wie es gemacht wird: „Da greift man mit einer Zange ein dickes Stück Kandis und lässt den Tee darüberlaufen und hört, wie es knackt. Dann fehlt nur noch die Sahnewolkje, die kleine Wolke aus Sahne“, lacht sie ihre Zuhörer an.

Nordsee als Sujet

Für viele Maler sei die Nordsee ein inspirierender Sehnsuchtsort gewesen, erfahren die Besucher. Vor allem im Impressionismus und im Postimpressionismus haben sich Maler gerne die Nordsee als Sujet ausgesucht. Neben Poppe Folkerts gehören hier Paul Ernst Wilke, Hans Peter Feddersen und Karl Schmidt-Rottluff dazu. Um zu zeigen, dass die Faszination vieler Künstler für die Nordsee bis heute nicht gebrochen ist, sah die Seniorengruppe im Obergeschoss auch eine Auswahl von Arbeiten zeitgenössischer Künstler.

Im Anschluss an die ausgedehnte Teezeremonie, in der das Gehörte verarbeitet werden konnte, führte die wissenschaftliche Volontärin der Galerie, Regina Wendling, durch die Gustav-Schönleber-Ausstellung, „ihr Baby“. Schönleber ist zwar bekannt für seine heimatlichen Ansichten. Sein Schaffen geht aber deutlich darüber hinaus und streift auch nördliche Gefilde. Im ausgehenden 19. Jahrhundert reiste er von Ostfriesland nach Ostpreußen und ließ sich inspirieren. „Man spürt die raue See und die Gischt im Gesicht“, beschreibt eine der Teilnehmerinnen, was sie erlebt. Besonders nah und mitten im Wasser findet sich der Betrachter in den Bildern von Poppe Folkerts wieder. „Wie mitten in den Wogen fühlt man sich da und plötzlich kommt ein Schoner vorbei“, lacht eine zweite.

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