Sie sehen aus wie aus einem Science-Fiction-Film – Flugkörper mit seitlich angebrachten Rotoren, in denen Menschen durch die Lüfte düsen. Glaubt man den Ergebnissen einer Studie der in Bietigheim-Bissingen ansässigen Firma Porsche Consulting, könnte die Fiktion bald schon Realität werden. Sie prognostiziert, dass es bis 2035 einen globalen Markt für Passagierflüge und bis zu 23 000 zugelassene Lufttaxis gibt.

„Kleine Senkrechtstarter sind kein Allheilmittel für die Mobilität der Zukunft, können aber eine sinnvolle Ergänzung sein“, heißt es in der Zusammenfassung der Studie. Vor allem bei Distanzen von 20 Kilometern und mehr seien „Electric Vertical Take-Off and Landing“-Fluggeräte, kurz: eVTOL, wettbewerbsfähig. „Im Vergleich zu Helikoptern sind sie aufgrund der E-Antriebe leiser, sicherer, günstiger sowie umwelt- und klimaschonender“, so die Experten von Porsche Consulting, die ihren Bericht bereits 2018 publiziert haben.

In sechs Minuten zum Flughafen

Darin sind auch bereits Berechnungen über den Preis und die Schnelligkeit der Beförderung angestellt worden. Laut einer Mitteilung ist es möglich, mit dem Lufttaxi in nur sechs Minuten von Bietigheim-Bissingen zum Flughafen in Leinfelden-Echterdingen zu fliegen. Der Fahrpreis läge bei etwa 90 Euro.

Derzeit befinden sich die Geräte laut Porsche Consulting noch in der Entwicklungsphase. Diese dauere bis zum Jahr 2025 an. Bis dahin entwickeln laut der Machbarkeitsstudie risikobereite Unternehmer zertifizierbare eVTOLs. An Ideen mangele es dabei nicht. Entscheidend sei, ein spezialisiertes, erfahrenes Team aufzubauen, das die Antriebe und die Reichweite deutlich verbessere und bei der Sicherheit keine Abstriche mache. Vorschläge für Regulierungsstandards würden vor allem in den USA und Europa definiert, aber auch die chinesischen Regulierungsbehörden seien sehr aktiv. Der Kapitalaufwand betrage für Hersteller bis zur Zertifizierung etwa eine Milliarde US-Dollar.

Zwischen 2022 und 2025 würden bereits Konzepte auf ersten Testrouten erprobt, meinen die Verfasser der Studie. Vorreiterstädte könnten Singapur, Dubai, Dallas, Melbourne und São Paolo sein. Diese werden laut den Annahmen Start- und Landeplätze sowie limitierte Luftkorridore zur Verfügung stellen. Auf diesen müssten die Lufttaxis den Beweis antreten, „eine sinnvolle Ergänzung im Mobilitätsmix zu werden und somit mehr als nur eine elektrische Alternative zu Helikoptern zu sein“.

Porsche Consulting nimmt an, dass die Lufttaxis in der ersten Phase von Piloten geflogen werden, später sollen sie dann autonom unterwegs sein. Ein wichtiger Faktor für die Attraktivität von Drohnenflügen sei die Erreichbarkeit und Anzahl der Start- und Landeplätze in den Städten. Es müsse schrittweise ausreichend Infrastruktur an Knotenpunkten, Hauptbahnhöfen oder auf Hochhausdächern und Parkhäusern eingerichtet werden. Ferner gelte es, die „vertikale Mobilität“ mit öffentlichen und privaten bodengebundenen Verkehrsträgern zu vernetzen. Ziel sei ein optimierter Verkehrsfluss und die Entlastung neuralgischer Punkte.

Zunehmende Reichweite

Ab 2030 halten es die Fachleute für möglich, dass die Reichweite zu- und die Ladezeiten abnehmen, wodurch sich die Drohnen zunehmend verbreiten. Laut konservativer Vorschau liege das Potenzial bei weltweit 16 Städten im Jahr 2035, progressiv gerechnet seien es 64 Städte. Und: Die Kosten für einzelne Personenflüge, die in Zwei- bis Achtsitzern angeboten werden können, lägen nur unwesentlich höher als die für vergleichbare Taxifahrten, so Porsche Consulting. Zu einer Verdrängung anderer Verkehrsmittel wie Autos oder Busse komme es indes kaum: „Lufttaxis sind eine zusätzliche Option im Mobilitätsmix“, so das Fazit.

Innovative Ideen in der Region


Mit neuen Ideen in Industrie, Handel, Medizin und Sport befasst sich der Samstagsschwerpunkt der BZ. Neben der Porsche-Studie zur vertikalen Mobilität geht es um den Test von E-Fahrzeugen in Tamm (Seite 10), um die Batteriefertigung der Firma Dräxlmeier im Sachsenheimer Eichwald (Seite 12) und die Arbeit der Hohenstein Institute in Bönnigheim (Seite 13). Eine Bilanz des Unverpackt-Ladens in Besigheim wird auf Seite 14 gezogen, wie eine Hybrid-Operation im Krankenhaus funktioniert, ist Thema auf Seite 19, und im Sport gibt es ein Interview mit dem neuen Steelers-Mentaltrainer (Seite 23).