Mit fast 500 Teilnehmern war am Wochenende beim 24-Stunden-Schwimmen im Bissinger Hallenbad wieder jede Menge los. Umso größer ist der Frust bei vielen Bürgern, dass die Zeit des sanierungsbedürftigen Bades ihrem Ende entgegengeht. Mehr als 550 haben deshalb bis jetzt eine Online-Petition unterschrieben, in der der Erhalt der Einrichtung gefordert wird.

Ins Leben gerufen hat die Aktion Lars Bentz. „Mir scheint es so, als würde man alle Stadtteile vernachlässigen und zieht alles in die Kernstadt ab, dabei ist doch gerade die Vielfalt in den Stadtteilen das schöne an unserer Stadt“, sagt der Bissinger. Es sei für ihn völlig unverständlich, „wie man solche Entscheidungen treffen kann“. Das Lebensgefühl in den Stadtteilen werde mit der Zeit immer mehr sinken.

Hintergrund ist der Beschluss des Gemeinderates vom 9. April dieses Jahres, dass die Stadtwerke auf dem bisherigen Ballkult-Gelände, das seit einiger Zeit den Stadtwerken gehört, ein neues Hallenbad bauen sollen. Dieses soll mit acht 25-Meter-Bahnen den Wunsch insbesondere von Vereinen und Schulen nach mehr Trainingsmöglichkeiten als im Hallenbad Bissingen (fünf 25-Meter-Bahnen) erfüllen. Zuletzt hatte Oberbürgermeister Jürgen Kessing diesen Entschluss beim Bürgergespräch in der Bissinger Rommelmühle gegen Kritik aus der Bevölkerung verteidigt. Eine Sanierung des Bades oder ein Neubau am gegenwärtigen Standort seien als Optionen ausgeschieden, weil aus Platzgründen keine Erweiterungsmöglichkeiten bestehen. Zudem könne das vorhandene Bad bis zur Fertigstellung eines Neubaus weiter betrieben werden, sodass während der Bauzeit keine Ausfälle für den Schwimmsport der Schulen und Vereine entstehen.

Für Senioren und Schüler

Dagegen heißt es in der Begründung der Online-Petition, zwar sei man grundsätzlich nicht gegen einen Neubau, allerdings solle das Hallenbad in Bissingen weiterhin für Familien mit Kindern, Schulen und Vereine erhalten bleiben. Dabei wird auch auf den Eingemeindungsvertrag, Paragraf 11, verwiesen, wonach das Hallenbad, sofern Bedarf bestehe, erhalten bleiben müsse.

 Das sehen diejenigen, die die Petition bisher unterschrieben haben, genauso. „Für die Bissinger Schulkinder und auch für nicht mehr so mobile Bissinger Senioren ist dieses Bad unverzichtbar“, heißt es in einem Kommentar. „Das Hallenbad muss bleiben, es darf in Bissingen nicht alles genommen werden“, lautet eine weitere der zahlreichen Stellungnahmen.

Auch das Thema Schulschwimmen wird angesprochen: „Ich bin Lehrerin an der Bissinger Realschule und habe zwei kleine Kinder. Ich fände es schlimm, wenn man mit Bus oder Auto zum Schwimmbad fahren müsste, anstatt den Fußweg zu wählen. Es hilft weder der Umwelt noch können die Kleinen in kürzester Zeit zum Schwimmbad gelangen“, heißt es in einem Kommentar auf der Online-Plattform.

Mit Stand von Montagabend haben mehr als 550 Bietigheim-Bissinger die Petition unterschrieben, die Zahl der Unterschriften insgesamt, also auch aus anderen Orten, beläuft sich auf mehr als 670. Allerdings: Die Aktion ist am 11. November stark gestartet, mit 370 Unterschriften (aus allen Orten) an einem Tag. Danach flachte die Kurve mit den Unterschriftenzahlen merklich ab, mit 157 am zweiten und 63 am dritten Tag. Am Sonntag waren es noch 18.

Doch Zeit ist noch genug, die Aktion erstreckt sich noch über elf Monate. Sollte das Quorum von 710 Unterschriften erreicht werden, wird die Organisation „openPetition“, über die das Ganze läuft, von der Stadt Bietigheim-Bissingen eine Stellungnahme einfordern. Entscheidend dafür ist die Zahl derjenigen Unterzeichner, die direkt aus der Stadt kommen.

Info Die gemeinnützige Online-Petitionsplattform „openPetition“ fördert seit 2010 politische Beteiligung und digitale Demokratie. Ziel ist es, Demokratie und Bürgerbeteiligung mittels Online-Petitionen zu fördern und zu einem  Bürger-Politik-Dialog beizutragen.