Die Schläge der Pow-Wow (Indianer-Trommel) trugen den Indian Summer am Samstag und am Sonntag weit über Bietigheim-Buch hinaus. Die aktiven Unternehmer feierten das typisch kanadische Herbstfest wieder mit Country-Live-Musik, Line- Dancern und Hobbyisten, die sich dem Indianerleben verschrieben haben.

Bogenschießen, Holzfiguren anmalen, Armbänder basteln und sich mit weißem Salbei einräuchern, um negative Gedanken zu verjagen: Rund um das Buchzentrum ging es zu wie in einer kleiner Western-City. Besucher kamen meist mit Cowboyhüten und manche hatten sich sogar ganz als Cowboys verkleidet. Norbert Stein und Petra Edenhäuser, in Bietigheim schon als Indianer bekannt, waren mit ihrer großen Indianer-Trommel, nach der die Pow-Wow-Festivals benannt sind, wieder aus Weilburg an der Lahn angereist. Mit sieben Tipis und 17 Indianerflöten im Gepäck touren sie durch ganz Deutschland und singen mit den Kindern, die mittrommeln dürfen, Indianerlieder. Norbert Stein war schon als Kind von Winnetou und Old Shatterhand begeistert und kann sich ein anderes, als sein Indianerleben gar nicht mehr vorstellen. Das Spiel auf den Indianerflöten hat er sich selbst beigebracht, auch um Kindern die indianische Kultur nahe bringen zu können.

Mit Tommilee war dieses Jahr zum ersten Mal ein Gitarrist und Sänger dabei, der die Geschichte der Indianer musikalisch erzählt. Mit Wambli Ista (Adlerauge) lernten die Indian-Summer-Fans einen kennen, der indianische Wurzeln hat. Adlerauge, mit bürgerlichem Namen Reiner Feuerbach, wohnhaft in Bietigheim-Bissingen, verkauft Dinge aus Indianerreservaten und schickt Geld an die dort lebenden, armen Familien zurück. Von der Zeder- und der Süßgrasseife über den Schutzstein und die Apachen-Träne bis hin zur Kleidung war bei ihm alles zu haben.

Harry Hagen, Cheforganisator des fünften Indian Summer, hatte die Idee, das kanadische Fest mit Country-Musik und Lind-Dance zu verbinden und das habe gut geklappt. Die „Paprika Band“ aus der Gegend um Reutlingen riss die Line-Dancer von den Stühlen, wobei der eine oder andere noch Unbeleckte einfach Lust bekam, mitzumachen. 2000 bis 3000 Menschen, berichtete Hagen, kommen jedes Jahr zu diesem Fest im Buch, das mittlerweile schon die Gestalt eines kleinen Pow-Wow-Festivals annimmt.

Einen internationalen Touch hatte das bunte Treiben auf dem Marktplatz zwischen jeder Menge Kakteen aus der Prärie obendrein. Während coole Cowboys ihre Whiskys im Saloon nahmen, verleibten sich andere Lángos, ungarische Paprikawürste, Chicken oder ein Steak ein. Für Kinder gab es nicht nur Süßigkeiten, sondern auch Ausritte auf den Shetland-Ponies Humpelchen und Winnie, auf dem Kamel Sargan oder auf dem Dromedar Wotan. Bei ihnen verbrachte die sechsjährige Mira Bässler aus Freiberg beispielsweise einen Teil ihres Kindergeburtstages. Thomas Kerler aus der Nähe von Augsburg war mit den Tieren das ganze Wochenende im Buch. Gepflegt wurden sie von zwei Reitbeteiligungen, die auf dem Pferde- und Gnadenhof mitarbeiten, wo die Kamele leben.

Sargan und Wotan

Sargan und Wotan schliefen am Samstagabend schon, als in „Buch City“ die Line-Dancer hintereinander und die Indianer im Uhrzeigersinn tanzten. Am Sonntag gab‘s beim Indian Summer dann ganz viele, kleine Indianer. Denn die halbindianische Familie, Rovenna, Roland und Roven Ertel, waren zum Schminken ans Buchzentrum gekommen. Hier bekam auch der Familienflohmarkt eine ganz besondere Note verliehen. Auch die Kunden in den Ladengeschäften, die einen verkaufsoffenen Sonntag ausgerufen hatten, sahen etwas anders aus als sonst.