Das Hospiz Bietigheim-Bissingen will innerhalb der Stadt umziehen in das Haus Lindenhain. Das berichtet die Vorsitzende des Trägervereins Ute Epple. „Wir wollen uns von einem Sieben-Betten-Haus auf ein Haus mit zwölf Betten erweitern“, sagt Epple. Als einziges Hospiz im Landkreis seien so viele Plätze auch notwendig. „Es gibt da keine genauen Vorgaben, da bedient man sich einem Schlüssel der in Nordrhein-Westfalen angewandt wird. Demnach wird ein Bett pro 45 000 oder pro 55 000 Einwohnern empfohlen“, sagt die Vereinsvorsitzende. Mit den geplanten zwölf Betten sei man dann bei 45 000 Einwohner pro Bett.

Man habe ursprünglich an einen an einen Neubau gedacht, es fehlte allerdings an einem geeigneten Bauplatz und die vielen Formalien haben sich auch als hohe Hürde erwiesen. „Als dann im Gemeinderat der Verkauf des Haus Lindenhains an die Bietigheimer Wohnbau auf der Tagesordnung stand, reifte die Idee dorthin zu ziehen“, erklärt Epple.

Das Haus Lindenhain war bis Ende 2018 von der Evangelischen Heimstiftung gepachtet. Bis Mitte 2018 wurde es als Pflegeheim vorwiegend für MS-Kranke genutzt. Nach den Umbaumaßnahmen im benachbarten Haus an der Metter, ebenfalls von der Heimstiftung betrieben, sind alle Bewohner vom Lindenhain in das Haupthaus umgezogen. Ursprünglich war geplant Lindenhain an die Wohnbau zu verkaufen, die auf dem Gelände neu bauen wollte und Betreutes Wohnen anbieten wollte.

Umbaukosten in Millionenhöhe

Ein Abbruch des Hauses ist nun vom Tisch, weil das Hospiz umbauen will. „Derzeit gibt es dort 15 Zimmer, wir werden innen so umbauen, dass wir dort Platz für zwölf Patienten haben“, erklärt Epple. Im Gegensatz zur Heimstiftung, die das Haus auch hätten umbauen müssen, um neuesten gesetzlichen Vorgaben zu entsprechen hat das Hospiz zum Einen andere Vorgaben und zum anderen auch nur zwölf Betten geplant.

Der Kaufpreis sei wie bei der Bietigheimer Wohnbau mit 1,3 Millionen Euro angegeben. Insgesamt geht man beim Hospiz und dem Trägerverein derzeit von geschätzten Gesamtkosten in Höhe von vier bis fünf Millionen Euro aus. Ein Um- und Anbau wird nämlich auch für das Hospiz notwendig sein, weil die Personalausstattung eine ganz andere sei als bei dem vorherigen Pflegeheim. Zudem gehöre man eben nicht zum Haus an der Metter und müsse Verwaltungs- und Besprechungsräume sowie eine Küche selbst bereitstellen. „Wir werden für die Finanzierung wieder massiv auf die Unterstützung der Öffentlichkeit angewiesen sein“, erklärt Epple. Wegen der Innenausstattung werde man auch mit den Kirchen reden.

„Das ist ein so schönes Haus mit Garten und dem Blick auf die Metter“, schwärmt Epple von der neuen Heimat des Hospiz. An diesem Donnerstag wird das Projekt den Vereinsmitgliedern präsentiert. Am kommenden Dienstag, 21. Mai, berät der Bietigheimer Gemeinderat darüber. Stimmt er zu, wovon alle Beteiligten ausgehen, könnte 2020, das Jahr in dem der Trägerverein sein 20-jähriges Bestehen feiert, ein Jahr des Umbruchs werden mit vielen Bauarbeiten. 2021 soll dann umgezogen werden, hofft Epple.

Was mit den Räumen im Buch passiert, in denen aktuell das Hospiz untergebracht ist, steht noch nicht fest. Epple, die auch die dort angrenzende Diakoniestation leitet, kann dazu noch keine Aussage treffen. Die Räume gehören der Hospiz-Stiftung, die auch der Käufer des Hauses Lindenhain sein wird.

Unterstützung von allen Seiten

„Die Entwicklung kam kurzfristig. Die Stadt begrüßt aber, dass nun das Hospiz ins Haus Lindenhain einziehen soll“, sagt Stadtsprecherin Anette Hochmuth auf BZ-Nachfrage. Den Kaufpreis müsse die Hospizstiftung bezahlen, obwohl auch die Stadt zu den Unterstützern des Hospiz zählt.

Die Bietigheimer Wohnbau, ursprünglich angedachter Käufer, ist über die Entwicklung nicht traurig, wie Geschäftsführer Carsten Schüler auf BZ-Anfrage verrät: „Wir hätten das Projekt gerne gemacht mit Betreutem Wohnen, aber so kommt das Haus auch einer für die Stadt guten Nutzung zu.“ Die Wohnbau hätte das Haus abgerissen, weil ein Umbau nicht wirtschaftlich gewesen wäre. Nun könne man sich anderen Projekten widmen, die man hätte schieben müssen, erklärt Schüler.

Trägerverein und Stiftung stützen das Hospiz seit fast 20 Jahren


Der „Trägerverein Hospiz Bietigheim-Bissingen“ wurde 1999 gegründet. Mitglieder des Vereins sind die evangelischen, katholischen und evangelisch-methodistische Kirchengemeinden in Bietigheim-Bissingen. Der Verein betreibt das stationäre Hospiz in der Gartenstraße, eine Einrichtung für das gesamte Gebiet des Landkreises Ludwigsburg.

Der Gesetzgeber schreibt für ein stationäres Hospiz vor, dass die Träger keinen Gewinn erwirtschaften dürfen und dass 10 Prozent des Pflegesatzes von den Trägern erbracht werden müssen. Das hat zur Folge, dass die Träger das Hospiz jedes Jahr mit einer beträchtlichen Summe mitfinanzieren. 50 Prozent des jährlichen Zuschussbedarfs werden von den Kirchengemeinden erbracht,die anderen 50 Prozent trägt die Stadt Bietigheim-Bissingen über ihre Sozialstiftung.

Das Hospiz Bietigheim-Bissingen hat am 21. September 2000 seinen Betrieb aufgenommen. Vier Tage vorher, nämlich am 17. September 2000, fand die Einweihung mit einem Festgottesdienst und anschließendem Tag der Offenen Tür statt. In sieben Einzelzimmern finden die Schwerstkranken jeden Alters ein Domizil, wenn ambulante Versorgung nicht ausreicht oder unmöglich ist. Das Hospiz nimmt einen Teil des Hauses Gartenstraße 40/1 im Bietigheim-Bissinger Stadtteil Buch ein, im ruhigen Bereich einer Wohnsiedlung. Die Zimmer sind auf einen Gartenhof ausgerichtet.

Nach der Gründung des stationären Hospizes im Jahr 2000 zeigte sich bald, dass bei steigenden Kosten, aber nicht kostendeckenden Pflegesätzen das Haus auf Dauer nicht von den Trägern allein zu finanzieren ist. So wurde von einer Gruppe engagierter Bürgerinnen und Bürger, von Kirchengemeinden, der Kommune und Firmen im Sommer 2004 die Stiftung Hospiz Bietigheim-Bissingen gegründet. Ihr Ziel ist die finanzielle Absicherung des Hospizes Bietigheim-Bissingen. bz