Neben dem Thema Hallenbad, das entschieden wurde, und dem Thema Ballsporthalle, das vertagt ist, ist ein Ausbau des Ellentalstadions das dritte große Sportstätten-Thema, das derzeit die Lokalpolitik beschäftigt. Es ist zugleich das Thema, das noch am wenigsten konkret ist.

Gegenwärtig wird das Stadion vor allem von den Leichtathleten der LG Neckar/Enz und dem Fußball-Landesligisten SV Germania Bietigheim genutzt. Würde der FSV 08 Bissingen, der derzeit in der Oberliga auf Platz vier steht, aufsteigen, käme ein weiterer „Interessent“ hinzu. Denn für einen Regionalliga-Spielbetrieb in der Stadt käme nur das Ellental in Frage, heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat, der sich in seiner jüngsten Sitzung mit der Stadionfrage befasst hat. Die Auflagen der Regionalliga hinsichtlich Sicherheit, Funktionsräumen und den notwendigen Zuschauerkapazitäten sowie Parkmöglichkeiten könnten im Bruchwald, der Spielstätte der 08-er, nicht vollständig erfüllt werden, so die Begründung.

Doch nicht nur wegen des Fußballs, auch für die Entwicklung der Sportart Leichtathletik sei ein grundsätzlicher Ausbau des Ellentalstadions notwendig. „Das Stadion ist eine der wenigen 8-Bahn-Anlagen in Baden-Württemberg und damit auch für die Austragung von Landesmeisterschaften und deutschen Meisterschaften für Jugendliche und Junioren geeignet“, so die Vorlage.

Was alles zu tun wäre, zeigt ein langer Anforderungskatalog, den die Stadt auf der Grundlage von Sportstatuten und Vereinswünschen zusammengestellt hat. Er umfasst neue Toilettenanlagen, Umkleiden und Duschen ebenso wie einen VIP-Bereich für mindestens 100 Menschen, eine Tribüne mit 500 Sitz- und 500 Stehplätzen, eine Videowand, Rettungswege und vieles mehr.

Schätzung: 5 bis 8 Millionen

Was das alles kosten würde, ist noch unklar. Im Sportentwicklungsplan gibt es eine Grobschätzung für den Ausbau in Höhe von 5 bis 8 Millionen Euro. Genauere Zahlen soll eine Machbarkeitsstudie liefern, die aber erst noch beauftragt werden soll. Zuvor will die Stadt abwarten, was die Hochschule für Technik in Stuttgart herausfindet. Denn wie berichtet hat Professor Jens Oberst von der Hochschule der Stadt vorgeschlagen, im Rahmen eines Studienprojekts des Masterstudiengangs Architektur die räumliche Umsetzbarkeit des Anforderungskatalogs im Ellentalstadion zu überprüfen. Ein Ergebnis ist für Ende Juni vorgesehen.

Für dieses Vorgehen, bei dem vorerst noch keine Kosten anfallen, gab es im Gemeinderat Zustimmung. CDU-Stadtrat Claus Stöckle verband diese allerdings mit dem Hinweis auf die Probleme eines Tribünenausbaus auf der Westseite – die aufgrund der vorherrschenden Windrichtung zu wählen sei. Dort sei es eng, in dem Fall müssten Kunstrasenfelder weg. Ganz wichtig sei eine Sanierung der Duschen, so Stöckle.

Ines Kimmich (SPD) sprach von einem „wichtigen Schritt in die richtige Richtung“. Sie erhoffte sich von dem Vorhaben im Ellental auch eine Lösung der Lärm- und Parkplatzprobleme am Bruchwald. Er sei gespannt auf die Ideen, sagte Götz Noller (FDP). Die FDP-Ratsfraktion hatte bereits zum Haushalt 2018 ein  Konzept gefordert, um das Stadion im Ellental „zu einer für überregionale Veranstaltungen tauglichen Wettkampfstätte auszubauen“. Oberbürgermeister Jürgen Kessing mahnte allerdings, man müsse in der Sache „etwas Geduld aufbringen“. Sollten die Nullachter vorher aufsteigen, wozu in der Saison noch eine Chance besteht, wollen sie zunächst einen Teil ihrer Heimspiele in Aspach austragen.