Schwerpunkt Seen Heimat von Kröten und Molchen

Ein Radfahrer schaut sich das Naturdenkmal „Krautschüssel“ im Bietigheimer Forst an.
Ein Radfahrer schaut sich das Naturdenkmal „Krautschüssel“ im Bietigheimer Forst an. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 14.07.2018

Auf die Idee, in der Krautschüssel im Bietigheimer Forst zu baden, ist bestimmt noch nie jemand gekommen. Nicht nur, weil der kleine Tümpel eingezäunt ist. Auf dem Wasser hat sich über lange Zeit eine grüne Schicht gebildet, welcher das Gewässer seinen Namen verdankt. Diese macht selbst eine Berührung der Oberfläche gänzlich unattraktiv. Doch der Wert des Mini-Sees mit circa 13 bis 14 Metern Durchmesser liegt auch nicht in seiner Freizeitnutzung, sondern in seiner Entstehungsgeschichte.

Bei der Krautschüssel handelt es sich um eine Doline, von denen es im Bietigheimer Forst mehrere gibt. Der Begriff stammt aus dem Slawischen und bezeichnet schlot-, trichter- oder schüsselförmige Senken von meist rundem oder elliptischem Grundriss in Karstgebieten. Letztere sind dadurch gekennzeichnet, dass der Untergrund aus  verkarstungsfähigem, das heißt relativ leicht löslichem Gestein besteht. In der hiesigen Region ist das der Muschelkalk. Durch die Wasserlöslichkeit können sich Höhlen bilden, bricht darüber die Decke ein, entsteht eine Doline – wie im Falle der Krautschüssel.

Das ist indes nicht die einzige Besonderheit des Teiches. Eine weitere besteht darin, dass von der Krautschüssel sternenförmig acht kerzengerade Wege wegführen, wie die Strahlen der Sonne. Es ist ein gärtnerisches Element, wie man es eigentlich nicht in einem Wald, sondern in einer Schlossanlage erwarten würde. Doch genau in diesem Zusammenhang, mit der Errichtung des Ludwigsburger Schlosses, ist auch die Entstehung des Wegesystems an der Krautschüssel und generell im Bietigheimer Forst zu sehen. Die Doline sei im Zuge der Anlage des von Ludwigsburg ausgehenden Alleennetzes im 18. Jahrhundert in dieses eingebunden worden, weiß man im Landratsamt, dem Sitz der Behörden für Umwelt und Forste. Dazu sei sie von Hand mit Ton ausgeschlagen worden, damit sich dort das Wasser sammeln konnte, teilt Pressesprecher Dr. Andreas Fritz mit. Die Tiefe werde auf rund drei Meter geschätzt.

Näheres zum Alleensystem hat Stefan Benning im Heimatbuch „Bietigheim 789-1989“ dargestellt. Demnach sind der Forst und weitere umliegende Waldgebiete zur Zeit des württembergischen Herzogs Carl Eugen in dessen Fokus geraten. Seit Ende der 40er-Jahre des 18. Jahrhunderts begann der Herrscher ohne Rücksicht auf die Besitzverhältnisse wie mit dem Lineal gezogene Alleen anzulegen, die ihm den Jagdbetrieb erleichterten. Die 1761 erbaute Ewigkeits­allee nahm ihren Ausgang am Fürstenstand im Forst und war auf die Ludwigsburger Stadtkirchtürme ausgerichtet. Die herzoglichen Jagdgesellschaften konnten so auf dem direkten Weg, quasi in Luftlinie, in den Forst und dort dann auf den dortigen Alleen hin und her reiten. Damit das Schwarzwild nicht ausbüxte, legte Carl Eugen 1759 um den Forst herum noch einen Zaun an.

Die adligen Jäger verschwanden, das Alleensystem und mit ihm die Krautschüssel blieben erhalten. Die Forstverwaltung lässt heute hineingefallene Äste regelmäßig entfernen, bei größeren Holzteilen geschieht dies mit Rücksicht auf Amphibien erst im Spätsommer. „Auf ein Entfernen von Laub oder auf ein Ausbaggern wird verzichtet, da das Risiko, die Tonabdichtung zu beschädigen, zu groß wäre“, teilt Pressesprecher Fritz mit.

Für Fische ungeeignet

Die Einzäunung rund um den Teich wurde angebracht, da dort viele Kinder vorbeikommen und die Böschung relativ steil ist. Außerdem erschwere der Zaun das Hineinwerfen von Gegenständen, so Fritz. Damit haben die Krautschüsselbewohner ihre Ruhe, die aus verschiedene Kröten und Molchen bestehen. Wegen des vielen Laubs sei der Teich für Fische eher ungeeignet, heißt es aus dem Landratsamt. Die Frage, warum die Krautschüssel seit 1989 ein Naturdenkmal ist, wird im Kreishaus so beantwortet: „Vermutlich geschah die Ausweisung, weil es sich um eine der wenigen Wasserflächen im Bietigheimer Forst handelt“, so Andreas Fritz. Außerdem sei sie als Doline auch ein Geotop, also eine Formation, die Einblicke in die Erdgeschichte gewährt. Jedenfalls steckt hinter dem unscheinbaren grünen Tümpel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde.

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