Die Beflockungsfirma der SG BBM Bietigheim hat in der Spielzeit 2019/20 alle Hände voll zu tun: 17 Mal, zu jedem Heimduell, muss das Asperger Unternehmen AR Sport die Trikots der Zweitliga- Handballer neu bedrucken – mit dem Firmennamen vieler verschiedener Sponsoren.

Der Grund für den großen Aufwand ist eine Vermarktungsidee der SG: Nach dem Abstieg und dem Ausstieg von Olymp als Hauptsponsor rief der Verein das Konzept „74321 – gemeinsam Hauptsponsor“ ins Leben. Für 7432,1 Euro können einzelne Firmen in dieser Saison nun für einen Spieltag als Hauptsponsor in Erscheinung treten. Zu den Gegenleistungen zählen das Trikot- Sponsoring, LED-Bandenwerbung, ein Promotionstand, VIP- Karten, eine Präsenz in der Arena und auf der Homepage sowie Werbematerialien und Aufkleber. „Von den Vorteilen eines Hauptsponsors profitieren und den Aufwand auf mehrere Schultern verteilen – das ist die Idee, die dahintersteckt“, erklärt Geschäftsführer Bastian Spahlinger.

Aktion findet positive Resonanz

Die Aktion kam bisher gut an. Die Vorrunde ist bereits komplett vermarktet, nur für eine Handvoll Rückrundenpartien sucht der Zweitligist noch nach Partnern. Zum nächsten Heimspiel gegen Eisenach am 20. September treten Superstar Michael Kraus und seine Mitstreiter zum Beispiel mit dem Schriftzug „Golfclub Cleebronn“ auf dem Dress an, gegen den HSV Hamburg (6. Oktober) teilen sich das Café Blatter und die Stadtwerke die Rolle als Spieltagssponsor. Am Freitag gegen Tusem Essen warben die Steuerberater von Doppic und HF auf der Brust der SG-Handballer.

Durch die Kampagne hat die Spielgemeinschaft auch einige neue Förderer gewonnen. Die Einzelhandelskette Aldi Süd ist sogar gleich als Premiumpartner eingestiegen. Doch auch kleinere Sponsoren hat der Zweitligist im Blick. So können Firmen die Aktion schon ab einem Betrag von 743,21 Euro (für ein Kartenkontingent) unterstützen. „Damit sich die SG und auch die Sportstadt Bietigheim perspektivisch in der Ersten Liga etablieren können, ist eine breite Unterstützung wichtig“, betont Spahlinger. „Als gebürtigen Bietigheimer macht es mich stolz, zu sehen, welche Power­ in meiner Heimatstadt und der Region steckt.“

Etwa 150 Unternehmen umfasst aktuell der Sponsorenpool der SG BBM, aufgeteilt in „Hauptsponsoren“ (Bietigheimer Wohnbau, Stadtwerke), Exklusivpartner (Kreissparkasse, Wiesbauer, Südwert), Premiumsponsoren und weitere Team-Werbepartner. Spahlinger zufolge decken die Sponsorengelder im Männer-Profibereich zwei Drittel des Gesamtetats von geschätzt rund zwei Millionen Euro ab. Den Rest tragen Zuschauereinnahmen und Merchandising bei.

Verbundenheit mit Olymp

Auch wenn Spahlinger den Wegfall von Olymp als Geldgeber bedauert – der Hemdenhersteller konzentriert sich in dieser Saison auf die Förderung des Frauenhandballs und des Nachwuchsbereichs (die BZ berichtete) –, würdigt der 36-jährige Geschäftsführer die langjährige Unterstützung der Firma: „Olymp und die SG haben eine lange gemeinsame Vergangenheit. Wir haben dem Unternehmen und speziell Eberhard Bezner sehr viel zu verdanken.“

Wie es ist, plötzlich keinen Hauptsponsor mehr zu haben, wissen auch die Bietigheim Steelers, neben den beiden Handball-Teams das sportliche Aushängeschild der Stadt. Aus leidvoller Erfahrung. Fast 15 Jahre befand sich der Eishockey-Klub dank Porsche und dessen wirtschaftlichem Umfeld in der Komfortzone. Zwei Millionen Euro flossen Jahr für Jahr in den Etat der Profimannschaft – bis der Autobauer 2009 ausstieg und sich der Klub finanziell völlig neu und vor allem breiter aufstellen musste. Heute steuern 110 Sponsoren etwa 1,3 Millionen Euro zum Steelers-Gesamtbudget in Höhe von drei Millionen Euro bei. Im Gegensatz zu den SG-Handballern machen hier also die Zuschauereinnahmen den Löwenanteil aus.

Erst vor zwei Wochen hat Geschäftsführer Volker Schoch die Chefs von 777 Unternehmen im Raum Ludwigsburg, Stuttgart, Esslingen, Waiblingen und Pforzheim persönlich angeschrieben, mit dem Ziel, die Sponsorenbasis zu verbreitern. „Wir sind dankbar über jeden, der uns unterstützt – besonders über die Partner, die seit Jahren treu zum Verein stehen“, sagt Schoch. Dennoch sucht er nach wie vor eifrig nach einem Hauptsponsor – und hofft dabei als zündendes Argument auf die Aufstiegsregelung, die zur Saison 2020/21 in Kraft tritt. „Die DEL2 war bisher als Liga für große Sponsoren nicht so interessant. Wir hoffen, dass sich durch die sportliche Perspektive DEL da etwas bewegt.“

Mit dem 74321-Konzept zurück ins Handball-Oberhaus


74321 lautet nicht nur die Postleitzahl von Bietigheim- Bissingen, sondern so heißt auch die Vision, die die SG BBM 2017 erstmals formuliert hat. Diese besagt, dass sich die Spielgemeinschaft mit 7 Handballern auf dem Feld in 4 Jahren mit ihren 3 Stammvereinen (TSV Bietigheim, Spvgg Bissingen, TV Metterzimmern) von einem 2.-Ligisten zu einem nachhaltigen 1.-Ligisten entwickelt. Nach dem Aufstieg in der Spielzeit 2017/18 und dem unglücklichen Abstieg in der Vorsaison – am Ende fehlte nur ein Tor zum Klassenerhalt – wollen die Bietigheimer auf dem schnellsten Weg zurück in die deutsche Eliteklasse. Um die 74321-Vision zu erreichen, hat die SG in den vergangenen Jahren sportlich und strukturell große Fortschritte gemacht. So gelang es, Schlüsselspieler wie Jonas Link und „Mimi“ Kraus zu halten und Talente wie Vetle Rönningen zu Bundesliga-Spielern zu formen. „Möglich wurde dies dank der Unterstützung eines treuen und stetig wachsenden Sponsorenkreises, der den Weg geebnet hat“, sagt Geschäftsführer Bastian Spahlinger. ae