Bietigheim-Bissingen / Martin Hein  Uhr

Es muss vor rund 2500 Jahren ein geschäftiges Treiben auf der Anhöhe zwischen Metter und Altenbach gewesen sein. Dort, wo sich heute das Baugebiet Haslacher Weg in Metterzimmern befindet. Über allem lag der Geruch von verbranntem Holz. Aus etlichen Feuerstellen zog Rauch aus den Holzhütten der nahe gelegenen kleinen Siedlung gen Himmel. Irgendwo klang neben Stimmengewirr in der Ferne metallenes Hämmern und klapperte ein Webstuhl, Hühner gackerten und in einem Holzgatter suhlten sich Schweine.

Einen kleinen Einblick in das damalige Leben geben Reste einer alten Handwerkskunst, die bei Sondierungsarbeiten im Frühjahr 2016 im Bereich Haslacher Weg gefunden wurden. Sogenannte Rennfeueröfen (siehe Info-Kasten)  dienten dazu, das begehrte Eisen zu gewinnen. Dass diese Form der Metallgewinnung bei Metterzimmern ausgeübt wurde, weiß man, weil bei den Sondierungsarbeiten 2016 Eisenschlacke gefunden wurde. Zwei dieser Fundstücke belegen eindeutig, dass sich Kelten in und bei Metterzimmern ansiedelten. Bisher war lediglich bekannt, dass bei den Grabungen diverse Gegenstände aus der Hallstattzeit gefunden wurden.

Dr. Christian Bollacher, Gebietsreferent Archäologische Denkmalpflege im Denkmalamt Esslingen, datierte die Fundstücke auf die Zeit um 500 vor Christus. Damit liegen die Funde aus Metterzimmern in zeitlicher Nähe zur Datierung der Funde vom Fürstengrab in Hochdorf. Dort wurde bekanntlich ein Keltenfürst nach bisherigen Kenntnissen um zirka 550 vor Christus mit reichen Grabbeigaben beigesetzt. Der Fürstensitz, so vermuten die Experten, dürfte zur Keltenzeit auf dem Hohenasperg gewesen sein.

Insgesamt zählt die Region mit Funden aus der Keltenzeit beim Hohenasperg, Kleinaspergle, Hochdorf und Grafenbühl zu einem bedeutenden Zentrum frühkeltischer Zeit in Mitteleuropa. Vom Fürstengrab in Hochdorf hat man einen direkten Blick auf den Hohenasperg, wie übrigens auch von Metterzimmern aus.

Auf dem etwa 25 000 Quadratmeter großen Areal in Metterzimmern haben der Wissenschaftler Dr. Martin Thoma und sein Team knapp 2000 Quadratmeter näher untersucht. Die Fundstücke, die dabei zutage gefördert wurden, lassen nach Ansicht der Archäologen den Schluss zu, dass in der Peripherie des Grabungsgeländes um 500 vor Christus eine frühkeltische Siedlung existiert hat. Neben Keramikteilen und gebranntem Lehm wurden auch einige sogenannte Trichtergruben gefunden, die die Kelten damals zur Bevorratung von Getreide in der Erde angelegt hatten.

32 Gruben

Solche Vorratsgruben waren nicht immer innerhalb der Siedlung, sondern konnten durchaus auch, wie vermutlich in Metterzimmern, ganz in der Nähe der Siedlung angelegt worden sein. Man darf vermuten, dass die Kelten wegen der guten Lössböden und der Nähe zur Metter und dem Altenbach hier gesiedelt haben. An einer Stelle wurden auch Reste einer Lochtenne, eines tönernen Rostes, der Bestandteil eines Töpferofens war, gefunden. Allerdings konnte der genaue Standort des Ofens nicht mehr festgestellt werden, da in diesem Bereich bereits früher Baumaßnahmen durchgeführt wurden. Solche Öfen wurden, eventuell wegen der Brandgefahr, von den Kelten ebenfalls eher außerhalb einer Siedlung angelegt.

Bei den Grabungsarbeiten 2016 konnten die Archäologen insgesamt 32 Gruben einer sich über das gesamte Untersuchungsgebiet erstreckenden Siedlung der Eisenzeit nachweisen. Wo genau in oder bei Metterzimmern die Siedlung war, ist bis jetzt unbekannt. Sogenannte Pfostenspuren, die der sicherste Nachweis von Gebäudestandorten gewesen wären, haben die Archäologen bei den Grabungsarbeiten nicht entdeckt.

Womöglich hatten die Kelten ihre Hütten genau da, wo jetzt Metterzimmern steht. Nach Auskunft von Thoma konnten über das gesamte Baugebiet Haslacher Weg verteilt, solche Siedlungsgruben nachgewiesen werden. Man geht davon aus, dass in Richtung Westen weitere Gruben im Erdreich vorhanden sind. In siedlungsgünstiger Lage am Südhang nehmen die Befunde zu.

Wie viel Menschen damals in einer solchen Siedlung gelebt haben, ist ebenfalls unbekannt, vielleicht 50 bis 100, aber das ist reine Spekulation. Wegen des, aus Sicht des Denkmalamtes, nur geringen Fundaufkommens, sind in dieser Gegend zunächst keine weiteren Grabungen vorgesehen.

Die Funde der Sondierungsgrabungen im Haslacher Weg wurden archivgerecht gereinigt, beschriftet und dem Archäologischen Landesmuseum zur Archivierung übergeben. Die Exponate werden wegen des nicht sonderlich guten und sehenswerten Zustandes nicht ausgestellt.

Eisengewinnung mit Rennfeueröfen

Um Rennfeueröfen zu bauen, fällten die Kelten in den umliegenden Wäldern zunächst etliche Bäume. Mit diversen Werkzeugen gruben die Menschen das knapp unter der Erdoberfläche vorhandene Raseneisenerz, auch bekannt als Rot- oder Brauneisenstein aus. Als Nächstes wurde fachmännisch eine kleine, knapp 50 Zentimeter tiefe Grube für den Ofen ausgehoben, und darin schließlich trockene Spalthölzer senkrecht eingeschichtet. Dann haben geübte Hände über diese Grube einen frei stehenden Schacht aus Rutenringen aufgetürmt, miteinander verflochten, gleichmäßig innen und außen mit Lehm überzogen und knapp über der Erde Lüftungslöcher reihum ausgestochen. Nach wenigen Trocknungstagen härtete ein erster Brennvorgang den Ofen vollends aus.

In die erkaltete Grube wurden wieder Spalthölzer senkrecht eingeschichtet, der ausgehärtete Ofenschacht mit Holzkohle, zerkleinerten Raseneisenerzen und Spalthölzern gefüllt und der Ofen erneut angefeuert. Eine an sich simple Ofenkonstruktion, die während des Brennvorganges in der Grube immerhin eine Temperatur von 1200 bis 1300 Grad erreichte. An der oberen Ofenöffnung dürften noch gut 800 Grad erreicht worden sein.

Bei 900 bis 1200 Grad floss dann die Schlacke zwischen die Spalthölzer nach unten in die Ofengrube. Über der Ofengrube blieben als begehrte Masse die Ofenschlacke und die Luppe, ein Gemisch aus Eisen und Schlacke zurück. Dieses durchaus komplexe Verfahren haben die Menschen in der sogenannten Eisenzeit und Hallstattzeit regelmäßig vollzogen, um das begehrte Eisen, den damals enorm wichtigen Werkstoff zu bekommen.

Bei einem Brennvorgang entstanden bis zu 100 Kilogramm Schlacke und bestenfalls zwischen 18 und 30 Kilogramm verwendbares Eisen. So, oder zumindest so ähnlich haben vor rund 2500 Jahren Kelten auch im heutigen Metterzimmern Eisen verhüttet. mh