Die Entscheidung, das in die Jahre gekommene Hallenbad in Bissingen nicht mehr zu sanieren, sondern stattdessen einen Neubau im Ellental zu errichten, ist im April dieses Jahres im Gemeinderat gefallen. Wie sich beim Bürgergespräch diese Woche in der Rommelmühle zeigte, haben viele Bissinger den Beschluss indes noch lange nicht verdaut.

Der Stadtteil verliere immer mehr an Infrastruktur, wurde beklagt, ebenso, dass insbesondere die Schüler künftig weitere Wege zurücklegen müssen. „Bissingen ist die zweite Hälfte der Doppelstadt“, machte ein Bürger darauf aufmerksam, dass seiner Ansicht nach der Stadtteil zu kurz komme.

Weitere Wege

Oberbürgermeister Jürgen Kessing hielt dagegen: „Wir sind eine Stadt.“ Und was das 1976 eröffnete und dringend sanierungsbedürftige Hallenbad in Bissingen betrifft, habe die Stadt intensiv geprüft, welche Möglichkeiten es gebe. Eine Sanierung oder ein Neubau am gegenwärtigen Standort seien ausgeschieden, weil aus Platzgründen keine Erweiterungsmöglichkeiten bestehen. Zudem wäre das Bad dann während der Bauphase zwei Jahre lang nicht zur Verfügung gestanden. Bei einem Neubau im Ellental, für den man sich nun stattdessen entschieden hat, könne hingegen das vorhandene Bad bis zur Fertigstellung eines Neubaus weiter betrieben werden, sodass während der Bauzeit keine Ausfälle für den Schwimmsport der Schulen und Vereine entstehen, sagte Kessing.

Wie berichtet soll im Ellental ein neues Hallenbad mit acht Bahnen entstehen, also drei mehr als bisher. Zudem soll ein Lehrschwimmbecken gebaut werden, sodass das Schwimmerbecken noch besser genutzt werden kann. Ebenso ist eine neue Saunalandschaft geplant. Für das neue Bad werden rund 16 Millionen Euro geplant, die Stadt stellt den Stadtwerken deshalb einen Investitionszuschuss von sechs Millionen Euro zur Verfügung. Es wird mit einem jährlichen Defizit von bis zu 800 000 Euro gerechnet, derzeit sind es 650­­­ 000 Euro.

Dass die Bissinger nach der Fertigstellung einen weiteren Weg haben werden, hielt der Oberbürgermeister für zumutbar. Der allergrößte Teil der Besucher kommen ohnehin mit einem fahrbaren Untersatz. Die Schulpläne würden entsprechend angepasst, das sei nur ein organisatorisches Problem, das andere Schulen in der Stadt auch hätten.

Einem Bürger, dem es sich nicht erschloss, dass der Fokus so auf einem Neubau liege, entgegnete der Rathauschef, dass auch eine Sanierung rund 13 Millionen Euro kosten würde. Und für die 16 Millionen für den Neubau erhalte man ein viel besseres Bad. Eine Sanierung in Bissingen und einen Neubau im Ellental schloss Kessing aus. „Wir werden sicher keine drei Hallenbäder haben.“

Wie der OB zum weiteren Vorgehen mitteilte, wird derzeit ein öffentlicher Teilnahmewettbewerb für qualifizierte Planer vorbereitet, die Entwürfe für einen Ideenwettbewerb ausarbeiten sollen. Über die Entwürfe entscheidet dann ein Preisgericht. Nach deren Prüfung und Überarbeitung soll der Gemeinderat voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2020 über den Bau des Bades beschließen. Das neue Bad könnte dann 2022 zur Verfügung stehen. Was nach dem Abriss des Bades in Bissingen auf dem Gelände dort entsteht, sei noch offen, erklärte Jürgen Kessing auf Nachfrage aus dem Publikum.

Stadtwerke feiern 30 Jahre Bad am Viadukt


Während das Hallenbad im Stadtteil Bissingen seinem Ende entgegenblickt, wird im Bad am Viadukt im November Jubiläum gefeiert. Die Stadtwerke Bietigheim-Bissingen blicken auf das 30-jährige Bestehen des Bades seit dem Umbau 1989 zurück. In der Jubiläumswoche vom 4. bis 9. November soll es für die Besucher wie berichtet ein buntes Angebot zum Mitmachen geben.

Das erste Bad an der Stelle entstand indes schon früher. Es wurde am 25. Oktober 1964 eröffnet. 25 Jahre später folgte dann der Wandel vom Sport- zum Erlebnisbad. Nach zweieinhalbjähriger Bauzeit wurde  am 20. Oktober  1989 das neu gestaltete Stadtbad als  Bad  am  Viadukt eröffnet. Für damals 18 Millionen Mark hatte die Stadt das nicht mehr zeitgemäße Hallenbad für den modernen  Badebetrieb umgebaut – mit 735 Quadratmeter Wasserfläche, verteilt auf vier Bereiche (Schwimmerbecken, Nichtschwimmerbecken, Soleaußenbecken, Eltern-Kind-Bereich), Sprungturm, Rutsche und Kneippbecken. Hinzu kam ein großer Saunabereich. Laut OB Jürgen Kessing kann es noch 10 bis 15 Jahre genutzt werden. um