Die Stadt steht vor einer wichtigen Weichenstellung: Nach langer Vorgeschichte steht an diesem Dienstag eine Entscheidung des Gemeinderats über die weitere Sportstättenentwicklung an. Dabei dürfte es spannend werden: Denn zum Bau einer Ballsporthalle liegt neben dem Verwaltungsvorschlag jetzt auch ein Vorschlag der CDU auf dem Tisch.

Mitte Januar hatte die Verwaltung nach einer Klausurtagung des Gemeinderats einen Kompromiss in der Sportstättenfrage verkündet. Für die Ballsporthalle, über die ein Beschluss drei Jahre lang, von 2015 bis 2018, zurückgestellt worden war, sieht dieser vor, dass die Stadt einen Investitionszuschuss von 6 Millionen Euro gewährt. Bauen sollen die Handballer.

Daran orientiert sich auch der Verwaltungsvorschlag, der dem Gemeinderat zur Beschlussfassung vorliegt. Die Stadt würde dazu ein Grundstück im Ellental in Erbpacht zur Verfügung stellen. Die Zuschusszusage soll zunächst für drei Jahre gelten. Sollte die Halle so gebaut werden, dass sie auch kulturelle Nutzungen wie zum Beispiel Konzerte zulässt, solle sich die Stadt zusätzlich „in angemessener Weise“ an den dadurch notwendigen Mehrkosten beteiligen, heißt es in der Verwaltungsvorlage.

Alternativ sei die Stadt bereit, für „die unstrittig notwendigen Trainingskapazitäten“ an der Stelle für 6 Millionen Euro eine Dreifach-Sporthalle als reine Trainingshalle zu erstellen.

Die Stadt argumentiert, dass sich die EgeTrans-Arena als geeignete bundesliga- und länderspieltaugliche Handball-Spielstätte erwiesen habe. Damit sei Bundesliga-Handball in Bietigheim-Bissingen auch ohne eigene Ballsporthalle möglich. Im Notfall stünden Hallen in Ludwigsburg oder Stuttgart zur Verfügung.

Auch andere Bundesligavereine wie Gummersbach und Balingen hätten bewiesen, dass Vereine selbst erfolgreich als Bauherr einer Ballsporthalle initiativ werden könnten oder geworden seien. Ein Verein könne zudem aus steuerlichen Gründen und durch Aktivierung von Eigenleistungen gegenüber der Stadt deutlich günstiger bauen.

Platz für Veranstaltungen

Zudem bestehe für das 2007 ausgelaufene Landesförderprogramm für überregional bedeutsame Sportstätten die Aussicht einer Neuauflage im Haushaltsjahr 20/21.

So weit, so gut. Doch wenige Tage vor der Abstimmung hat nun die CDU-Fraktion einen eigenen Vorschlag vorgelegt. Die CDU sei bereits vor fünf Jahren der Überzeugung gewesen, dass die Stadt eine Veranstaltungs- und Ballsporthalle brauche. Doch nun „wird unser Vorschlag gar nicht mehr diskutiert“, sagt Thomas Wiesbauer, der Fraktionsvorsitzende. Daher habe man den Antrag eingebracht, der Gemeinderat solle die Städtische Holding mit der Planung und dem Bau einer Veranstaltungshalle für 400 bis 1000 Besucher, kombiniert mit einer dreiteiligen Sporthalle mit der Möglichkeit für Ballsportveranstaltungen für bis zu 2000 Zuschauerplätzen, beauftragen. Beim städtischen Vorschlag hinsichtlich der Erbpacht eines Grundstücks und eines Zuschusses in Höhe von 6 Millionen Euro soll es nach den Vorstellungen der CDU bleiben, der Zuschuss solle jedoch auf die Holding übertragen werden.

Wiesbauer sieht den Verein beim Bau einer Halle überfordert. Auch Günter Krähling, der Vorsitzende des Stadtverbands für Sport, hat sich jüngst in der Stadtverbandssitzung ähnlich geäußert. Die SG BBM oder Sponsoren könnten die dann nötigen bis zu zwölf Millionen Euro nicht selbst aufbringen. Laut Wiesbauer besteht die Gefahr, dass dann drei Jahre gar nichts passiere. Zudem bestehe beim Verwaltungsmodell das Risiko, dass der Zuschuss im Falle eines wirtschaftlichen Scheiterns einer Bau- und Betreibergesellschaft verloren wäre. Das könne vermieden werden, wenn die Holding – der Verbund der städtischen Tochterunternehmen – baue. Diese könne ebenfalls steuerliche Effekte nutzen, und „wir als Stadt haben ständig den Daumen drauf“, so Wiesbauer.

Die übrigen Fraktionen wollten sich am Montag zu dem CDU-Vorschlag noch nicht äußern, da teilweise erst noch fraktionsinterne Beratungen anstanden. Ute Epple, die Vorsitzende der Freien-Wähler-Fraktion, sagte nur, sie freue sich, dass auf Anregung der Freien Wähler eine eventuelle Beteiligung an den Kosten für kulturelle Veranstaltungen Eingang in den Verwaltungsvorschlag gefunden habe. Die Freien Wähler würden unter Umständen nicht einheitlich abstimmen.

Die Sitzung des Gemeinderats beginnt an diesem Dienstag, 9. April, um 18 Uhr im Bietigheimer Rathaus.