Toni ist in seinem Element. Er zaubert in der Manege, was das Zeug hält. Dafür bekommt er langanhaltenden Applaus. Vier Tage lang haben im Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung (SBBZ) im Gröninger Weg in Bietigheim 102 Kinder stundenlang geübt. Am Donnerstagnachmittag konnten sich Eltern, Freunde und die Lehrer davon überzeugen, welche Leistungen die Schüler während der Projektwoche Zirkus sich erarbeiteten.

„Ich freue mich so, dass so viele Besucher gekommen sind, um zu sehen, wozu unsere Kinder fähig sind“, sagt Schulleiterin Dr. Michaela Schmidt. Und dass wirklich alle 102 Schüler der Schule, inklusive der Schüler in den Außenklassen, an der Projektwoche teilnahmen. „Für uns als Schule war es auch etwas Besonderes, für so ein Projekt zusammen zu kommen, uns als Team Schule zu beweisen, denn einige der Schüler sind ja meist in unseren Kooperationsschulen“, so Schmidt.

Unter der Leitung von Referendarin Annika Klug, die das Projekt im Rahmen ihrer Ausbildung als Facharbeit organisierte, arbeiteten die Schüler in Gruppe mit dem Circusmobil aus Stuttgart. Acht ausgebildete Zirkustrainer leiteten acht Gruppen, drei weitere Gruppen wurden von Lehrern des SBBZ geleitet. „Natürlich ist die Arbeit anders als in Grundschulen beispielsweise, aber der Zweck der Zirkuspädagogik ist der selbe“, sagt Jonas Wacker, Leiter des Circusmobils. Es gehe darum, „auf der spielerischen Ebene wichtige Dinge zu vermitteln“. Im Falle der Kinder der Schule im Gröninger Weg seien das Koordination, Gleichgewicht, im Team zusammen zu arbeiten. „Das sind Dinge, die für die Kinder auch im realen Leben wichtig sind“, sagt Lehrerin Martina von Schaewen.

Auch das Sprechen vor vielen Menschen ist für die Schüler nicht leicht. „Da haben wir einige Zeit üben müssen“, so Wacker. Schlussendlich fand sich aber doch ein Zirkusdirektor, der durch die Show führte und mit seinem hohen Zylinder als Respektsperson wirkte. „Die er auch heute in der Manege ist. Er ist sich seiner wichtigen Position bewusst, das stärkt das Selbstbewusstsein, und ist vor allem für Kinder in einer Förderschule wichtig“, sagt Jonas Wacker.

Was leicht aussieht, ist für die Kinder eine Mordsarbeit. Eine Gruppe lernte, auf einem Brett zu balancieren und dazu noch zu jonglieren. Hochkonzentriert steht die Gruppe da, das Auditorium ist mucksmäuschenstill und klatscht wie verrückt, als die Bälle über den Boden kullern. „Es geht nicht um Perfektionismus, sondern um den Spaß für die Kinder und dass sie etwas mitnehmen“, sagt Wacker. Hierfür sei ein Zirkusprojekt genau richtig. „Bei sportlichen Projekten geht es um Wettkampf, das ist für Schüler wie im Gröninger Weg nicht das Richtige“, so Wacker.

Sein Circusmobil macht immer wieder Workshops in Schulen, allerdings erst zum zweiten Mal in einem SBBZ. Er und seine Kollegen haben sich auf Seminaren auf inklusive Projekte vorbereitet. „Es ist eigentlich schade, dass sich nicht mehr Förderschulen für geistige Entwicklung für ein Zirkusprojekt entscheiden, denn wie man sieht, bringt das eine Menge für die behinderten Kinder“, so Wacker.

Und damit hat er Recht. Schulleiterin Michaela Schmidt ist gerührt, fasziniert und begeistert, „was meine Schüler hier leisten“. Und eine Mutter hat sogar Tränen in den Augen als ihr Sohn als Löwe vom Dompteur geführt Kunststücke darbietet. „Ich hätte nie gedacht, dass er vor so vielen Menschen auftritt“, sagt sie.

Neben dem individuellen Aspekt der Stärkung ist es, wie Annika Klug sagt, eben auch die Gemeinschaft, die hier gefeiert wird. Und das geht auch nach der Zirkusvorführung weiter. Abschließend präsentieren alle 102 Schüler und alle Lehrer den neuen Schultanz, den sie eigens vier Tage lang jeden Morgen geübt haben. „Das war ein tolles Spektakel, die ganze Schule zusammen, weit über 100 Menschen machen etwas zusammen“, so Martina von Schaewen. Nach dem Tanz beginnt das Schulfest, auf dem die eigens dafür gegründete Schulband aus Lehrern und Schülern aufspielt.