Was war, was kommt Grill den Gramling

Jörg Palitzsch  über Ideen, die dem Wahnsinn nahe kommen
Jörg Palitzsch über Ideen, die dem Wahnsinn nahe kommen © Foto: Andreas Lukesch
Andreas Lukesch 14.07.2018

Schon öfter haben wir in dieser Rubrik den Wahnsinn der Welt beschrieben. Jetzt sind neue Wahnsinnsideen hinzu gekommen, ganz speziell in Ludwigsburg und in Freiberg.

Blicken wir zunächst nach Ludwigsburg. Dort wurde die Ausrichtung  der Landesgartenschau vom Land erst einmal auf Eis gelegt. Wer allerdings glaubt, die Barockstadt habe sich  nur wegen der zu erwartenden Blumen beworben irrt. Eng verwoben wurde die Bewerbung mit dem Bau eines Tunnels über die B 27 von der Stadt zum Blühenden Barock. Auf dem Plan sieht dies alles auch wunderbar aus. Oben wohlriechende Blumen, unten stinkende Autos. Da es aber nun erst einmal nichts wird mit der Gartenschau, wird es vorerst auch nichts mit dem Tunnel. Trotzdem hält man in der an diesem wahnwitzigen Projekt fest.

Zuerst müsse man sich in der Stadtverwaltung Gedanken machen, wie man in den kommenden fünf bis sechs Jahren eine Rücklage für den Tunnel, für  geschätzt 100 Millionen, bilden könne, ohne woanders zu viel zu sparen, sagte Baubürgermeister  Michael Ilk gegenüber der BZ. Wie leicht die Beschreibung der Quadratur des Kreises doch über die Lippen kommt: 100 Millionen Euro Kosten, kein erkennbarer Wille zu Einsparungen.Und Ilk blickt voller Tatendrang schon in die Zukunft.

Sind die Gedanken für Gartenschau und Tunnel mal alle beieinander, geht es zum  Regierungspräsidium und dem Verkehrsministerium um abzuklopfen, wie man eine Förderung bekommt und die Finanzierung eines Tunnels aussehen könnte. Wir sind dann gespannt, wie die Ergebnisse in zehn Jahren aussehen.

Auch in Freiberg will man gerne einen Tunnel bauen. Natürlich über die Autobahn, die Geisingen von der Gesamtstadt abtrennt. Der Tunneldeckel soll dann auch bebaut werden und die Stadt baulich zusammenführen. Die Liberalen vor Ort haben jetzt verkündet, Freiberg könne mit dem Deckel über der A 81 gar zu einem bundesweiten Vorbild werden. Zur Unterstützung kam der baden-württembergischen FDP-Bundestagsabgeordneten Dr. Christian Jung, Mitglied im Bundestagsausschuss für Verkehr, vorbei, praktisch als Schützenhilfe von oberster Stelle. Auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Bilger, Staatssekretär im Verkehrsministerium, schaute vorbei, der die Tunnel-Vision von Freiberg nach Berlin tragen will. Wir warten nun getrost, bis die Tunnelbauer loslegen. S 21 und Rom wurden ja auch nicht an einem Tag erbaut.

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