Was war, was kommt Grill den Gramling

Andreas Lukesch  über aberwitzige Sommerideen von Politikern
Andreas Lukesch über aberwitzige Sommerideen von Politikern © Foto: Andreas Lukesch
Andreas Lukesch 07.07.2018

Grill den Gramling: Dies soll jetzt kein Aufruf zu einem spätinquisitatorischen Umgang mit Politikvertretern sein. Letztere professionalisieren sich längst selbst in den Techniken der Eigenfolter. Es geht auch nicht darum, den Bietigheim-Bissinger CDU-Landtagsabgeordneten Fabian Gramling zum Märtyrer zu machen, zum Sankt Fabian aus Bietikum, den wir uns gleich dem heiligen Laurentius auf einem heißen Eisenrost gespannt wünschen. Nein, nein, die Sache hat deutlich weniger historische Ausmaße und ist nichts weiter als eine Schnaps- oder besser  Wurst-Idee für den Sommer. Mit dem kühnen Leitspruch auf den Lippen „Politik zum Grillen“ lädt sich der Christdemokrat auf seiner Homepage selbst zu Grillabenden bei völlig unschuldigen Menschen ein. Beziehungsweise, er fordert dazu auf, ihn auf den Balkon und in den Garten zu bitten, Getränke kalt zu stellen und ihn mit „Fragen zu grillen“. Abgesehen davon, dass wir eine würzige Marinade schalen Fragen vorziehen, müssen wir uns das wohl so vorstellen: Sie genießen gerade einen lauen Sommerabend im Schatten Ihrer Fertiggarage, schnuppern noch einmal genüsslich an den eingelegten Schweinebauchscheiben, warten den perfekten Moment mit der idealen Glut ab – und plötzlich kommt der Gramling um die Ecke. Mit Schürze vor dem Bauch und Politikerlächeln im Gesicht trinkt der ihnen das Hofbräu weg und verleibt sich das Grillgut ein. Und alles, was Sie dann davon haben, sind ein paar zwischen Schmatzen und Schlucken hervorgepresste Politstatements, auf die Sie an diesem Abend mindestens so viel Bock haben wie auf einen Platzregen. Und wenn sich der Abgeordnete dann gesättigt mit einem fröhlichen Bäuerchen wieder trollt, bleiben sie mit der Frage zurück: Warum macht der das? Kriegt der Mann zu Hause keine warmen Mahlzeiten oder ist ihm die Dinkel-Soja-Bärlauch-Küche der grün dominierten Landtagskantine endgültig auf den Magen geschlagen, dass er sich nach echtem Fett von toten Tieren sehnt? Letzteres könnten wir verstehen: Spätestens nach dem dritten Veggie-Day wird jeder anständige Esser zum Tier. Vielleicht braucht er aber auch nur Alkohol, um die Koalitionsdramen seiner Partei überhaupt noch ertragen zu können. Möglicherweise will er aber lediglich den Menschen nahekommen, das persönliche Gespräch suchen, Volksnähe zeigen. Da muss er nur aufpassen, dass diese Menschen ihn ob der jüngsten CDU-Politik nicht beim Wort nehmen und ihn tatsächlich grillen – verbal natürlich.

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