Bietigheim-Bissingen Glaube entwickelt sich immer weiter

Bietigheim-Bissingen / RUDOLF WESNER 22.10.2014
Ein anspruchsvolles Thema wählten die Veranstalter der diesjährigen Akademietage aus. Es geht um die Frage "Religionen - noch zeitgemäß und zukunftsträchtig?" Die Auftaktveranstaltung am Montag zeigte, dass diese Problematik viele Menschen berührt.

Wie schon berichtet sind die Stadt Bietigheim-Bissingen an den Akademietagen beteiligt, ferner der Dachverband für Senioren und die Schiller-Volkshochschule des Landkreises. In Kooperation mit der Bietigheimer Zeitung werden sie am 4. und 5. November im Kronensaal stattfinden.

Bereits der Einführungsvortrag von Werner Tiki Küstenmacher am Montag stieß auf hohes Interesse. Der Sprecher der Veranstalter, Professor Dr. Eberhard Uhland, wies in seiner Begrüßung auf den Mitgliederschwund bei den christlichen Kirchen hin und meinte, die Akademietage würden der Frage nach den Ursachen dieser Entwicklung intensiv nachgehen.

In seinem profunden Vortrag zu dem Thema "Gott 9.0 - Wohin unsere Gesellschaft spirituell wachsen wird" entwarf der Referent eine positive Zukunftsvision mit neuen Inhalten für überkommene Werte und verband darin die Hoffnung auf eine gute Entwicklung bei gläubigen Menschen, wenn diese mutig nach vorne schauen, indem sie sich auf ihr eigenes inneres Bewusstsein konzentrieren.

Küstenmacher betonte, dass der Glaube stets ein Teil des einzelnen Menschen sei, der sich genau so im Lauf des Lebens verändere, wie die betreffende Person selbst. Glaube gehe nicht verloren, sonder entwickele sich ständig weiter.

Um seine Gedankengänge zu verdeutlichen, setzte er nicht nur immer wieder den Filzstift an, um spontan originelle, durchaus humorige Karikaturen auf das Papier zu werfen, die auf eine große Leinwand auf der Bühne projiziert wurden, sondern er folgte einer Studie aus der Neurowissenschaft, die besagt, dass der Schlüssel zu einem einfacheren, glücklicheren Leben in einer ganz besonderen Region des Gehirns liegt.

Der Autor von rund 150 Büchern erläuterte sowohl in seinem Vortrag wie auch in einem Text auf seiner Website im Internet, dass zwischen dem Hirnstamm und dem Großhirn das sogenannte "limbische System" bestehe.

Dies sei schon bei den frühen Vorfahren, die kaum ein Großhirn besaßen, entstanden. Küstenmacher zeichnete das Wesen namens "Limbi" als kleines, wuscheliges, einem Schäfchen ähnelnden Tierchen. "Limbi" steuere die Emotionen des Menschen, könne enorm schnell auf äußere Geschehnisse reagieren und auch Entscheidungen treffen, benötige aber gleichzeitig auch immer die Hilfe des kühl analytisierenden Großhirns.

Zusammen mit seiner Gattin Marion Küstenmacher und dem evangelischen Pfarrer Tilmann Haberer aus München schrieb Werner Tike Küstenmacher das Buch "Gott 9.0", auf das sich der Referent im weiteren Verlauf seines Vortrags bezog. Neun Stufen, jede wurde mit einer anderen Farbe in Verbindung gebracht, beschreibt das Werk, die begreiflich machen, welche Bewusstseinsentwicklungen die Menschheit insgesamt bisher und bis heute durchlaufen hat, die sich aber auch in jedem einzelnen Individuum vollzieht.

Alles beginnt mit der Phase "Gott 1.0" im Farbton "Beige", der archaischen Stufe des Überlebenswillens, der sich auch schon im Neugeborenen regt.

Die Weiteren Phasen bis hin zur gelben mit der Bezeichnung "Gott 6.0" beschreiben die epochalen Entwicklungen des Menschen über die Jahrtausende, verweisen aber auch gleichzeitig auf jene des Einzelnen im Lauf seines Lebens. Sie gipfelt in der Erkenntnis, dass alles irgendwie zusammengehört und dass mehrere Wahrheiten, mithin auch Religionen, nebeneinander existieren. Wie es in den Phasen sieben bis neun weitergehen könne, zeige sich in der aktuell ablaufenden globalen Vernetzung, aber eigentlich, so schlussfolgerte Werner Tiki Küstenmacher nach knapp eineinhalb Stunden, sei die Entwicklung des Bewusstseins der Menschheit und des einzelnen Menschen "nach oben offen".

Anmeldungen noch möglich

Für die Akademietage kann man sich noch bis zum 31. Oktober anmelden. Die Kosten belaufen sich auf 50 Euro.

Telefonisch bei der VHS unter der Nummer (07141) 1 44 16 66, per E-Mail unter Info@schiller-vhs oder im Internet.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel