Bruno“ ist unermüdlich im Einsatz: Er schnurrt vor und zurück, greift ins Regal, nimmt ein Medikament heraus, legt es in die Ausgabe, fährt zurück, greift das nächste und so fort. „Wir haben unseren Maschinen allen Namen gegeben“, schmunzelt Andreas Bühler, Inhaber der Apotheke im Kaufland in Bietigheim. „Bruno“ ist das voll automatisierte Hirn des Hochregallagers, das sich im ersten Stock hinter den Kulissen der Apotheke verbirgt.

Wenn ein Kunde mit einem Rezept die Apotheke betritt, wird dieses von den Mitarbeitern im Computer eingegeben und als Auftrag an „Bruno“ weitergeleitet. Über einen digitalisierten Code erkennt der Automat, um welches Medikament es sich handelt. Nur wenige Sekunden später ist es über eine Wendelrutsche vom ersten Stock in der Ausgabe im Ladenraum angekommen.

Kein Ersatz für Menschen

In dem Hochregallager sind an die 35 000 Medikamente vorrätig. Nach Anlieferung und Überprüfung der Medikamente werden diese über ein Förderband an das Hochregallager geleitet. Jedes Medikament wird automatisch eingescannt und in die Regale eingeordnet. „Wenn Bruno Langeweile hat, ordnet er die Medikamente auch schon mal um“, weiß Andreas Bühler.

Über eine Datenbank ist einsehbar, wann ein Medikament sein Verfallsdatum erreicht und ausgetauscht werden muss oder nicht mehr in genügender Menge vorrätig ist. Aus dem sogenannten „Übervorrat“, das sind Regale, die außerhalb des Hochregallagers stehen, werden die Medikamente dann über das Förderband nachgefüllt. „Bruno“ ersetze keine Menschen, sondern diene der Optimierung bei der Versorgung der Patienten. „Die pharmazeutische Qualität einer Apotheke wird nicht durch Maschinen erzeugt, sondern durch die individuelle Beratung jedes einzelnen Mitarbeiters“, betont Andreas Bühler. „Das Kapital einer Apotheke sind seine Mitarbeiter.“ Das zeigt sich auch im hauseigenen Labor und im hygienisch abgeriegelten Herstellungsbereich für individuelle Rezepte. Cremes, Tinkturen oder Kapseln mischen die pharmazeutischen Spezialisten hier jeden Tag an, bis zu 50 Rezepturen in der Woche.

In einem weiteren abgetrennten Bereich arbeiten Mitarbeiter mit Mundschutz und Handschuhen. Sie stellen die Wochenmedikamentenboxen für Pflege- und Altenheime zusammen, mit denen Kooperationsverträge bestehen. Da es hier auf eine besondere Sorgfalt ankommt, wird diese Arbeit ganz bewusst von pharmazeutischen Fachkräften per Hand gemacht. „Es ist eine Kunst, das Medikamentenmanagement zu machen“, erklärt Andreas Bühler. Hier muss alles sehr genau geprüft werden, um zum Beispiel eine Doppelmedikation zu verhindern.

Ein tagtägliches Problem sind Lieferengpässe bei Medikamenten, für die eine Lösung gefunden werden muss. „Früher haben wir mit Schubladen gearbeitet“, erklärt Bühler. „Heute müssen wir danach schauen, was dürfen wir bei einem Lieferengpass bei welcher Krankenkasse herausgeben.“ Deshalb sei ein „Pufferspeicher“ bei der Versorgung ein wesentlicher Bestandteil in der Arbeit der Apotheken.

Komplette Logistik

„Die komplette Logistik liegt inzwischen im Aufgabenbereich der Apotheker“, so Andreas Bühler. Dazu kommt noch der Apotheken-Notdienst. In Zukunft werde die persönliche Beratung noch mehr Stellenwert haben als bisher. Schulungen in individueller Beratung werden deshalb regelmäßig unter den Mitarbeitern durchgeführt. „Auch wir haben Fachkräftemangel“, so Andreas Bühler. Was sich hinter den Türen abspiele, dürfe die Kunden aber nicht tangieren. „Wir investieren in eine hohe Versorgungsqualität, damit unsere Kunden optimal beraten und versorgt werden können.“