Vom 3. bis zum 24. November dreht sich in Bietigheim-Bissingen alles um Kinder- und Jugendliteratur. Einige der gefragtesten Autoren sind zu Gast. Doch was ist eigentlich mit den Klassikern des Genres? Werden die auch noch gelesen, oder verstauben sie in den Regalen? Nach den Erfahrungen in der Otto-Rombach-Bücherei sind viele nach wie vor beliebt. Es gibt aber Einschränkungen. „Grundsätzlich gehen die Klassiker gut“, sagt Yasmin Reiter, die in der Bücherei für den Kinder- und Jugendbereich verantwortlich ist. Zum Beispiel Bücher von Astrid Lindgren wie „Michel aus Lönneberga“, „Pippi Lang­strumpf“, „Karlsson auf dem Dach“ oder „Ronja Räubertochter“. Ebenso sind Otfried Preußlers „Der kleine Wassermann“, „Die kleine Hexe“, „Das kleine Gespenst“ und der „Räuber Hotzenplotz“ Dauerbrenner. Das gelte auch für Max Kruses „Urmel“, für Erich Kästner („Das doppelte Lottchen“, „Emil und die Detektive“, „Gullivers Reisen“) und Michael Ende („Die unendliche Geschichte“, „Jim Knopf“, „Traumfresserchen“), um nur einige zu nennen.

Gründe könnten sein, dass diese Bücher bereits die Eltern gelesen und dann ihren Kindern schmackhaft gemacht haben, meint Büchereileiter Hans-Christian Pöhnl. Und es zeichne sie aus, dass sie zeitlos seien. „Die sind immer noch lesbar, sowohl von der Sprache als auch vom Inhalt her.“

Südseekönig statt Negerkönig

Apropos Inhalt. Hier geht es heutzutage manchen aber nicht politisch korrekt genug zu. So kommt in „Jim Knopf“ die Bezeichnung „Negerbaby“ vor, in „Pippi im Taka-Tuka-Land“ spielt ein „Negerkönig“ mit. Der Umgang damit sei durchaus unterschiedlich, sagt Pöhnl. So habe der Verlag, in dem das Lindgren-Buch erschienen ist, aus dem „Neger“- einen „Südseekönig“ gemacht, der Verlag, der das Michael-Ende-Buch herausgibt, habe hingegen nichts geändert. Yasmin Reiter findet das in Ordnung. Eltern müssten ihren Kindern dann eben erklären, dass es sich um historische Begrifflichkeiten handle.

Der Zeitraum, in dem die Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur erschienen sind, spielt in der Frage der heutigen Akzeptanz ebenfalls eine Rolle. Während die „Hanni und Nanni“-Bücher aus dem 20. Jahrhundert in der Otto-Rombach-Bücherei immer noch gelesen werden, manchmal auch gern von Erwachsenen, wie Yasmin Reiter festgestellt hat, hat es Karl May mit seinen Romanen aus dem 19. Jahrhundert schwer. Seine Erzählungen standen im Regal für die 10- bis 12-Jährigen, waren dort aber wenig gefragt, sodass sie schließlich ins Magazin wanderten. Dort erhält man sie auf Anfrage, und oft sind es Erwachsene, die danach fragen.

„Karl May ist aus der Zeit gefallen“, findet Büchereileiter Pöhnl. Dass der Sachse über Länder schrieb, in denen er nie war, fänden die Jugendlichen heute nicht mehr so toll. Bedenken wegen des Inhalts seien es jedoch nicht gewesen, die zu seiner „Verbannung“ ins Magazin geführt hätten. Zur Kinderliteratur, die heute nicht mehr empfohlen wird, zählt hingegen der „Struwwelpeter“. Dieser werde von Eltern als zu gewalttätig empfunden.

Generell habe die Kinder- und Jugendliteratur in der Bietigheimer Bücherei einen hohen Stellenwert, erläutert Pöhnl. Rund ein Viertel der ausgeliehenen Bücher entfalle auf diese Sparte. Hinzu kämen spezielle Veranstaltungen für Kinder, die dort stattfinden. „Leseförderung ist für uns eine ganz zentrale Arbeit“, betont der Büchereileiter. Die Kinder- und Jugendliteraturtage, die diesen Freitag starten, seien im Prinzip nicht anderes, nur in größerem Stil, so Pöhnl. Er hoffe, dass davon längerfristig etwas hängen bleibe.

Lesung mit Kerstin Gier fällt aus


Eine schlechte Nachricht für Fans von Kerstin Gier hat Büchereileiter Hans-Christian Pöhnl. Die für kommenden Sonntag, 17 Uhr, geplante Lesung bei den Literaturtagen fällt aus. Die Autorin musste alle Termine absagen. Ob und wann die Lesung nachgeholt wird, ist laut Stadtverwaltung zurzeit offen. Geld für gekaufte Karten werde über die Vorverkaufsstellen oder www.reservix.de erstattet.

Auch einige Absagen seitens der Besucher habe es gegeben, was aber für diejenigen, die nicht mehr zum Zuge kamen, weil Veranstaltungen ausgebucht waren, eine gute Nachricht sein kann. Es lohne sich jedenfalls, im Internet zu schauen, wo es freie Plätze gebe, so Pöhnl.

Zusätzlich im Programm ist eine Signierstunde mit Andreas Steinhöfel nach dessen Lesung am 16. November.
www.liesmal.de