Steinbruch Fink Gerichtsentscheid steht weiter aus

Das Makadamwerk im Steinbruch Fink (links) produziert nach wie vor.
Das Makadamwerk im Steinbruch Fink (links) produziert nach wie vor. © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Uwe Mollenkopf 19.06.2018

Eigentlich hätte der Betrieb Ende 2017 eingestellt werden müssen. So lange reichte die Betriebserlaubnis. Doch das Makadamwerk im Steinbruch Fink produziert immer noch. Es hat, wie berichtet, gegen die Schließung Klage eingereicht, und „eine gerichtliche Entscheidung steht noch aus“, wie Dr. Andreas Fritz, der Pressesprecher des Landratsamts, auf Anfrage mitteilt.

Unter den Anwohnern gefällt das nicht jedem. „Seit einigen Wochen scheint das Asphaltmischwerk im Steinbruch Fink auf Hochtouren zu produzieren. Je nach Windrichtung ist dies deutlich im Stadtteil Bissingen oder auch im Ellental zu riechen“, sagt BZ-Leser Harald Hafner. Die Emissionen eines Asphaltmischwerks könnten krebserregende aromatische polyzyklische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie Dioxine und Furane enthalten, befürchtet er. „Ich frage mich, wie lange das noch so gehen soll? Da wäre mir ja die Abluft einer Biovergärungsanlage noch lieber gewesen“, so Hafner.

Im Landratsamt Ludwigsburg betont man hingegen, die Asphaltmischanlage werde nach den Vorgaben der „Technischen Anleitung zur Reinhaltung der Luft“ überwacht, es gebe entsprechende Emissionsmessungen. Damit befinde man sich „auf der Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen“.

Teer wird nicht mehr verarbeitet

Wichtig sei es, zwischen Bitumen und Teer zu unterscheiden, sagt Pressesprecher Fritz: Teerhaltige Produkte würden durch thermische Zersetzung von Kohle hergestellt, dabei könnten in der Tat problematische Bestandteile, unter anderen die genannten polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffe entstehen. Das Asphaltmischwerk hingegen stelle keine teerhaltigen Produkte her. „Das Asphaltmischgut wird vielmehr aus Mineralstoffen und Bitumen produziert. Teer wird bereits seit vielen Jahren nicht mehr verarbeitet“, erklärt Andreas Fritz.

 Bei thermischen Prozessen wie der Asphaltherstellung sei zwar die Wahrscheinlichkeit der Bildung von sogenannten polychlorierten Dibenzodioxinen und -furanen (PCDD/F) grundsätzlich gegeben. Untersuchungen der Hessischen Landesanstalt für Umweltschutz an gleichartigen Anlagen hätten jedoch sehr geringe Mengen dieser Stoffe nachgewiesen, die keiner speziellen Überwachung bedürften.

Diese Feststellung werde auch durch einen Bericht des Länderausschusses für Immissionsschutz (LAI) gestützt, betonte man beim Landratsamt.

Gewebefilter im Einsatz

Zur Forderung von Harald Hafner, dass es beim heutigen Stand der Technik doch auch entsprechende Filtertechniken geben müsse, um Schadstoffe zurückzuhalten, entgegnet das Landratsamt, dass die Asphaltmischanlage bereits vor Jahren eingehaust worden sei. Die Reinigung der Abgase erfolge über einen Gewebefilter, so die Behörde zum Thema Filter.

Bürgerentscheid vor fast zwei Jahren

Die Pläne der BVB Biogutvergärung Bietigheim GmbH, im Steinbruch Fink eine Biomüllvergärungsanlage zu bauen, wurden vor fast zwei Jahren, am 17. Juli 2016, durch einen Bürgerentscheid zu Fall gebracht. Inzwischen ist ein anderer Standort außerhalb des Landkreises im Visier: Der Biomüll aus dem Kreis soll im kommenden Jahr in den Kreis Germersheim in Rheinland-Pfalz geliefert werden.

Auf dem Steinbruchgelände blieb es danach bei der ursprünglichen Genehmigungsvorgabe, wonach der Betrieb zum 31. Dezember 2017 eingestellt werden musste. Ausnahme: Das Makadamwerk stellte einen Antrag auf Verlängerung des Betriebs bis 31. Dezember 2019. Der wurde vom Landratsamt zwar abgelehnt, doch das Makadamwerk erhob Klage vor dem Verwaltungsgericht Stuttgart, und bis zu einer Entscheidung läuft  der Betrieb weiter. um

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