Im Unterschied zur Wohnbau und zu den Stadtwerken hat die Omnibusverkehr Spillmann GmbH als weiteres städtisches Tochterunternehmen im vergangenen Jahr mit einem Verlust abgeschlossen. Die Gewinn- und Verlustrechnung weist ein Minus von rund 250 248 Euro für das abgelaufene Geschäftsjahr auf. Im Vergleich zu 2017 mit einem Minus von 248 881 Euro bedeutet das eine kleine Verschlechterung. Betrachtet man 2016 wird jedoch deutlich: Das ist kein Ausreißer. 2016 wurde das Geschäftsjahr mit einem Minus von 196 550 Euro abgeschlossen.

„Unsere Fraktion sieht diese Entwicklung mit Sorge“, sagte Claus Stöckle, CDU, in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Die Entwicklung müsse nicht so fortgesetzt werden, gab der Stadtrat zu verstehen. Oberbürgermeister Jürgen Kessing bestätigte: „Der ÖPNV ist in einem ganz schwierigen Fahrwasser.“ Allerdings sei der eingefahrene Verlust keiner, der von der Städtischen Holding Bietigheim-Bissingen GmbH nicht abgefangen werden kann. Die Dachgesellschaft der drei städtischen Tochterunternehmen übernimmt das Defizit also. Der Gemeinderat segnete die Bilanz einstimmig, bei einer Enthaltung, ab.

Umstellung auf E-Busse

Laut dem Bericht ist sowohl im ÖPNV- als auch im Touristikbereich konjunkturell eine Verbesserung zu sehen. Als gewinnschmälernd nannte Geschäftsführer Bülent Menekse im Bericht zunehmende administrative Herausforderungen. Die Datenschutzgrundverordnung im grenzüberschreitenden Personennahverkehr, unterschiedliche Mehrwertsteuersysteme in der EU und verschiedene Mindestlohnregelungen erhöhten den Aufwand. Für einige Stadträte war dies nicht ausführlich genug und sie hakten nach. „Wir wollen mehr ÖPNV und das kostet“, sagte OB Kessing und ergänzte: „Wir werden uns an andere Beträge gewöhnen müssen.“ Damit sprach er die geplante Umstellung auf Elektrobusse und deren Finanzierung an (die BZ berichtete). „Die größte Herausforderung der kommenden Jahre wird weiterhin die Unterfinanzierung des ÖPNV sein“, heißt es zudem im Bericht zu Förderungen und dem – für den Busverkehr enttäuschenden – „Mobility Package“ der EU-Kommission.

Beim Thema Bustouristik wird zwar angenommen dass die Reisen innerhalb Deutschlands zunehmen werden, allerdings merkte Stöckle an, dass er häufig Fremd-Unternehmen fahren sehe und fragt, warum Spillmann nicht öfter für Vereine und Schulen fahre. Viele Busfahrten werden deswegen nicht von Spillmann durchgeführt, weil es ein günstigeres Angebot gibt, erklärte Kessing. „Unser Unternehmen hat gute Bremsen, neue Busse, ausgeschlafene Fahrer – das hat seinen Preis.“ Der Mietomnibusverkehr verliere seine jahrelang eingenommene Rolle als Zugpferd der Branche, so Menekse in seinem Bericht. Als Gründe dafür sieht er auch den Mitgliederschwund in den Vereinen und den Rückgang des ehrenamtlichen Engagements in Vereinigungen. Alles in allem sei die Rendite nicht zufriedenstellend. Weitere Sorgen bereitet der Branche auch der seit Jahren anhaltende Fahrermangel. Für 2019 erwartet Spillmann aber eine Entspannung.

Spillmann in Zahlen


8,67 Millionen Euro betrugen die Umsatzerlöse 2018 der Omnibusverkehr Spillmann GmbH. Das entspricht einem Minus von 1,02 Prozent zu 2017.

3,69 Millionen Euro an Personalkosten fielen an, eine Steigerung um 1,71 Prozent.

80 Prozent der Flotte haben aktuell Euro 6 Motoren und noch 20 Prozent Prozent Euro 5 EEV Motoren.

2020 soll es in der Flotte nur noch Euro-6-Busse geben, die bis 2025 schrittweise durch Hybridbusse ersetzt werden. Die ersten Hybridbusse sollen im Jahr 2019 beschafft werden und zum Einsatz kommen. rwe