Eine von der Stadt genannte Gefahrenquelle, die zur Schließung der Gaststätte Paulaner geführt hat, wurde am Dienstag beseitigt. Gastwirt Tim Heilig hat nach eigener Angabe den Gastank auf dem Gelände leeren lassen. Die Stadt hatte die Schließung des Lokals am Gründonnerstag, 18. April, unter anderem damit begründet, dass Felsbrocken von der Steilwand hinter dem Lokal auf den Tank fallen und diesen beschädigen könnten (die BZ berichtete). Die Stadt habe in ihrer Antwort jedoch darauf beharrt, dass die Sperrung trotzdem aufrechterhalten bleibe, beklagt Heilig.

Anwalt eingeschaltet

Ein Grund mehr für das Unverständnis, das bei dem Pächter wegen der Schließung herrscht. Heilig berichtet, dass vor knapp einem Jahr, am 30. April 2018, ein fußballgroßer Stein in der Nähe heruntergefallen sei. Danach hat die Stadt zur Sicherung des Tanks zusätzlich zum vorhandenen Trapezblech noch eine feste Holzüberdachung angebracht. Er sei davon ausgegangen, dass der Fall damit erledigt sei, meint Heilig. Um so überraschter sei er von der Schließung ohne Vorwarnung gewesen. Wenn er früher von dem Gutachten über die Felssturzgefahr erfahren hätte, hätte der Gastank, dessen Inhalt zum Kochen dient, früher leer gepumpt werden können, so der Pächter. Dann hätte nur die Küche geschlossen werden können und nicht das ganze Lokal mit dem Biergarten, meint der Wirt – und die Ostertage, deren Einnahmen für ihn auf das ganze Jahr hin gesehen zum Ausgleich besucherärmerer Zeiten sehr wichtig gewesen seien, wären kein Totalausfall gewesen.

Seitens der Stadt betont Sprecherin Claudia Schneider jedoch, dass der Gastank nicht die alleinige Gefahr darstelle. Steine könnten ebenso auf den Parkplatz, das Vereinsheim und den Biergarten fallen.

Tim Heilig prüft derweil rechtliche Schritte, um gegen die Schließung vorzugehen. „Der Anwalt ist dran“, sagte er am Dienstag. Im Nachgang werde es auch um eine Entschädigung für den Einnahmeausfall gehen, aber jetzt stehe seine wirtschaftliche Zukunft im Vordergrund. „Soll ich nun aufs Sozialamt gehen?“, so der Wirt (verheiratet, zwei Kinder) gegenüber der BZ. Auch rund zehn Arbeitsplätze hingen an dem Lokal.

Auf die Frage, warum der geologische Lehrpfad nebenan und weitere Steinbruch-Abschnitte nicht ebenfalls gesperrt worden seien, entgegnet die Stadt, dass der Lehrpfad bereits seit Jahren regelmäßig von der Bergwacht kontrolliert werde. Claudia Schneider: „Die Erfahrungen aus diesem Bereich – insbesondere bei den Treppen – haben gezeigt, dass Schutzmaßnahmen sehr sinnvoll sind.“ Deshalb sei im Bereich des Treppenaufgangs ein Schutznetz aus Metall angebracht worden. Das sei auch der Grund gewesen, dass ein Geologe zur Erstellung eines Gutachtens für den Bereich des Vereinsheims eingeschaltet wurde. Nach Vorlage des Ergebnisses habe man schnell handeln müssen. Schneider: „Leben und Gesundheit der Bürger stehen über den anderen Interessen und mussten geschützt werden.“

Spezialfirma nötig

Heilig hingegen beharrt darauf, dass man ihn zumindest früher hätte informieren können. Tatsächlich ging das Gutachten nach Auskunft der Stadt bereits am 10. April beim Ordnungs- und Sozialamt ein. Doch es habe erst noch verwaltungsintern eingehend besprochen und die notwendigen Maßnahmen vorbereitet werden müssen, so die Stadt.

Wann der Betrieb weitergehen kann, ist ungewiss. Die Stadt hat laut Sprecherin Schneider schon vor Ostern mit einer Spezialfirma über die Felswandsicherung gesprochen. Diese benötige nach der Beauftragung rund drei Wochen für Vorbereitung und Materialbeschaffung, bevor die eigentlichen Arbeiten beginnen könnten. Zuvor müsse sich auch die Naturschutzbehörde des Landratsamtes äußern, die wohl Vorgaben zur Pflanzen- und Tierwelt machen werde. Erst danach könne über die zu beauftragende Maßnahme entschieden werden, was aber in Kürze geschehen solle. An diesem Mittwoch will die Stadt erst einmal Bauzäune zur Absicherung anbringen lassen.

Pachtvertrag bis 2024


Tim Heilig ist seit 2000 Pächter im Paulaner. Zuvor hatte der Trachtenverein, der das Gelände in den 70er-Jahren von der Stadt gekauft und das Vereinsheim in der Wobachstraße gebaut hatte, die Innen- und Außengastronomie selbst betrieben. Im Herbst 2017 entschloss sich der Verein, dem die jährlichen Belastungen zu viel wurden, dann aber, es wieder an die Stadt zu verkaufen. Der Pächter hatte sich von dem Wechsel Investitionen in das sanierungsbedürftige Gebäude erhofft, sah sich aber enttäuscht. Die Stadt habe von vornherein klargemacht, nichts investieren zu wollen. Heilig vermutet daher, dass man im Rathaus andere Pläne mit dem Grundstück habe und argwöhnt, die Felssturzgefahr sei nur ein Vorwand, um ihn loszuwerden. Abgeschlossen ist der Pachtvertrag bis 2024.

Aus dem Rathaus ist zur weiteren Zukunft des Areals zu erfahren, dass das Gebäude nur mit sehr hohem Kostenaufwand saniert werden könne. Darüber, wie es nach Ablauf des Pachtvertrags weitergehe, müsse der Gemeinderat zu gegebener Zeit eine Grundsatzentscheidung treffen. um