„Aua.“ Verena Tröndle (11) hat sich mit dem Geißfuß in den Daumen geschnitten, nicht schlimm, aber nun weiß sie, Augen auf beim Schneiden des Linoleums. Angela Tröndle nimmt mit ihren Töchtern Verena und Carina sowie ihrer Nichte Elisa am ersten Familien-Fun-Freitag in der Städtischen Galerie teil. „Wir haben sowohl Führungen und Workshops nur für Kinder, und auch für Erwachsene, aber wir hatten nichts im Angebot für ganze Familien, darum führen wir nun den Familien-Fun-Freitag ein“, sagt Shirley-Ann Ruf, Mitarbeiterin der Städtischen Galerie Bietigheim-Bissingen.

Zwei Formate in einem

Zudem wurden zwei Formate, Ausstellungsrundgang und Workshop, in einem angeboten. Zunächst führte Ruf durch die Ausstellung „Linolschnitt heute XI. Grafikpreis der Stadt Bietigheim-Bissingen“. „Nun weiß ich, was Ariane Fruit, die Siegerin gearbeitet hat, als sie ihr Werk ,Scène du crime’ in den Fußboden geschnitten hat“, sagt eine Stunde später Verena Tröndle, als sie ein kleines Stück Linoleum mit dem Schnitzwerkzeug bearbeitet. Ein Jahr, so erklärt Shirley-Ann Ruf, hat Ariane Fruit dazu gebraucht, das Linoleum zu bearbeiten.

Es ist auch das Werk, das Verenas Cousine Elisa am besten gefällt. Die Elfjährige geht immer wieder zurück, schaut sich Details an. Angela Tröndle ist vor allem von Philipp Hennevogls Darstellung des neuen Springer-Gebäudes, das sich in den Glasfenstern des alten in Berlin spiegelt. „Was für eine Idee, welch detailhafte Darstellung“, sagt sie.

Sie hat schon einmal an einem Linoleum-Workshop, der offenen Werkstatt teilgenommen. „Ich finde das Angebot der Galerie toll, dass man künstlerische Techniken erlernt und die Kunst erklärt bekommt“, sagt sie. Und den Kindern mache es sehr viel Spaß, sich kreativ zu betätigen.

Schneiden, Drucken, Stempeln, Schwarz-Weiß-Druck oder Mehrfarbendruck – die Technik des Linolschnitts bietet unzählige Möglichkeiten des künstlerischen Ausdruckes, sagt Shirley-Ann Ruf. Die Mitarbeiterin erklärt ganz genau, auf was die Teilnehmer achten sollen und dass sie immer von sich weg schneiden sollen, da der Geißfuß „extrem scharf ist“. „Und viel Druck müsst ihr ausüben“, sagt sie. Unachtsamkeiten werden sofort bestraft, wie Verena am eigenen Leib erfahren musste. Aber der Schmerz ist längst vergessen. Sie arbeitet abstrakt, mit Linien und Flächen. Shirley-Ann Ruf erklärt ihr nochmal, dass die ausgeschnittenen Linien nachher auf dem Papier weiß bleiben. „Es handelt sich beim Linolschnitt um Hochdruck, eingefärbt wird das stehengebliebene Linoleum“, erklärt sie.

Ein Andenken

Angela Tröndle, geübt durch eine vorherige Linolschnitt-Werkstatt, schneidet Blätter in das Material. Anschließend wird gedruckt. Mit der Walze, von Hand oder mit der Druckerpresse. Die entstandenen Werke, Stempel und Druckplatten können von jeder Familie als Andenken an dieses Museumserlebnis mit nach Hause genommen werden.

Info Der nächste Termin des Familien-Fun-Freitags steht noch nicht fest. Eine offene Druckwerkstatt aber gibt es am Freitag, 20. September, 14 bis 18 Uhr, im Altbau der Städtischen Galerie. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.