Jugend musiziert Gänsehaut beim Auftritt

Blockflötistin Antonia Röder musizierte mit Levy Ostertag im Bissinger Kilianshaus für „Jugend musiziert“
Blockflötistin Antonia Röder musizierte mit Levy Ostertag im Bissinger Kilianshaus für „Jugend musiziert“ © Foto: Martin Kalb
Bietigheim-Bissingen / Gabriele Szczegulski 15.03.2018

Andrea Röder ist definitiv aufgeregter als ihre Tochter. „Beim Regionalentscheid in Ditzingen war ich kurz vor einem Nervenzusammenbruch“, sagt die Mutter, die während des Vorspiels von Tochter Antonia im Bissinger Kilianshaus bei „Jugend musiziert“ gar nicht hinsehen kann und ihre Augen die meiste Zeit geschlossen hat. Antonia Röder hingegen sagt vor dem Auftritt: „Ich bin gar nicht aufgeregt, ich habe genügend geübt, mehr kann ich nicht tun.“ Jeden Tag mehrere Stunden hätte sie ihr Programm aus fünf Liedern gespielt.

Dann ist es so weit. Die zwölfjährige Schülerin von Lehrerin Ulrike Pollack an der Musikschule Bietigheim-Bissingen nimmt ihre drei Flöten und geht mit Gitarrenbegleiter Levi Ostertag in den Wertungsraum. „Jetzt habe ich Gänsehaut“, sagt die Flötistin angesichts der vollen Zuhörerplätze. Überhaupt: An allen 20 Spielorten des Landeswettbewerbs „Jugend musiziert“ nehmen Besucher die Gelegenheit wahr, der Jugend zuzuhören. Nicht nur Eltern, Großeltern oder Lehrer aus dem ganzen Land sind unter den Zuhörern, ein Paar aus Bissingen gibt an, dass sie einfach gerne Musik hören, „die von jungen Menschen gespielt wird“. Davon ist Reimund Schiffer, Leiter der Musikschule Bietigheim-Bissingen, sehr überrascht: „Es sitzen doch sehr viele Zuhörer in den Sälen“, sagt er am Ende des ersten Wettbewerbstages, an dem nach Schiffers Aussage fast alles glatt lief. „Am Morgen kamen einige Juroren zu spät wegen der Staus in Folge des Unfalls auf der Autobahn 81 (die BZ berichtet), sonst klappt alles“, so Schiffer.

Aus Friedrichshafen und Ravensburg sind Kinder mit ihren Eltern gekommen, da muss der ehemalige Musikschulleiter Dr. Franz Backhaus, der das Cembalo betreut, öfter für Ruhe sorgen, zu laut sind die aufgeregten Stimmen im Vorraum. „Eltern sind immer viel aufgeregter als ihre Kinder“, sagt der Musiker. Zehn Minuten später ruft Hans-Dieter Karsch, der Vorsitzende der Juroren, ruft die nächsten Kinder auf, die nach Antonia Röder und Levy Ostertag an der Reihe sind. Zehn Minuten musste die Flötistin spielen, die sich zuvor mit ihrem Begleiter im Untergeschoss des Kilianshaus eingespielt hat. „Das wird ganz streng überwacht“, sagt Reimund Schiffer.

Antonia Röder trug zuerst „Greensleeves“ vor – zum vierten Mal hörten das die vier Juroren an diesem Tag. „Die gelbe hüpfende Banane“ von Helge Oye, das letzte Lied von Antonia Röder, hatte sie sich selbst ausgesucht. Es machte ihr sichtlichen Spaß, die hüpfenden Töne zu intonieren und auch die 45 Zuhörer wippten mit. Ob sie wieder 23 Punkte wie beim Regionalentscheid erreicht – die Höchstpunktzahl – wird erst an diesem Donnerstag bekannt gegeben, wenn in ihrer Altersgruppe alle gespielt haben. Zum Bundeswettbewerb im Mai nach Lübeck kann die Bietigheimerin nicht, sie ist noch zu jung. „Vielleicht im nächsten Jahr“, sagt ihre Mutter.

Langer Tag für die Jury

Um 17.50 Uhr steht für die Jury das letzte Vorspiel bevor – ein langer Tag, so Juror Karsch. Und so geht es weiter bis kommenden Sonntag. Da hilft es, sich in der Kaffeepause ein bisschen die Kilianskirche anzuschauen. Genauso macht es die Gruppe aus Friedrichshafen, die „auf jeden Fall eine der angebotenen Führungen mitmacht“ – „Jugend musiziert“ ist in der Stadt.

Info Noch bis Sonntag, 18. März, finden die Wertungsspiele in 20 Räumlichkeiten in Bietigheim-Bissingen, Ingersheim, Freudental, Löchgau und Sachsenheim statt. Am Samstag, 17. März, 19 Uhr, gibt es im Kronenzentrum ein Preisträgerkonzert. Der Eintritt kostet zehn Euro. Karten gibt es im Wettkampfbüro im Schloss.

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