Mit einer vollen Sankt-Laurentius-Kirche begann am Freitagabend das Programm, zu dem das „Bündnis für Menschlichkeit in Bietigheim-Bissingen“ aufgerufen hatte. Das innerhalb einer Woche zusammengefundene Bündnis, das als Reaktion auf die AfD-Veranstaltung entstanden war, setzt sich aus Parteien, Kirchen, Vereinen und anderen Gruppierungen zusammen. „Es waren auf jeden Fall schon in der Kirche mehr als 200 Leute, denn uns gingen die 200 Gesangsblätter aus“, sagte Bernhard Ritter, geschäftsführender Pfarrer der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde, zu dem ökumenischen Gottesdienst in der katholischen Kirche.

Inhalt des Gottesdienstes, an dem die Pfarrer der unterschiedlichen Konfessionen beteiligt waren, war dann auch das Werben für ein friedliches Miteinander. „Ich bin sehr zufrieden, wie viele Menschen gekommen sind“, sagte auch Stefan Kettner von der Evangelisch-methodistischen Kirche. Nach dem Gottesdienst ging es mit Kerzen in der Hand gemeinsam in Richtung Kronenplatz, wo weitere rund 200 Menschen warteten. Begleitet von der Polizei zogen die Menschen ruhig und gut gelaunt bei bestem Wetter durch Bietigheim und kamen ein Friedenslied singend auf dem Kronenplatz an.

Demokratische Werte

Erster Redner dort war Ritter, der glücklich auf die Menschen blickte und ihnen dankte, dass sie durch ihr zahlreiches Erscheinen ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzten. Thomas Reusch-Frey von der SPD sagte: „Es ist mir eine Ehre, dass die SPD heute hier dabei ist.“ Er erzählte von der langen Geschichte der Partei und dass sie es durch das Eintreten für demokratische Werte nicht immer einfach hatte. Umso wichtiger sei es auch heute, dafür einzustehen. Man solle Aufstehen angesichts des sich verbreitenden Hasses und der Hetze gegen Andersartige.

Martin Hettler, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Nordwürttemberg, nahm als erster die AfD konkret ins Visier und kritisierte den von der Partei initiierten Online-Pranger für Lehrer und die rückwärtsgewandte Politik. Es sei wichtig, ein Zeichen gegen Denunziation zu setzen, so Hettler. Im Anschluss redete Peter Schimke von der Linken. „Es macht mir Hoffnung, dass so viele Menschen heute zusammengekommen sind“, sagte Schimke, der auf die Anfänge der NS-Zeit verwies.

Das kämpferische Highlight an diesem Abend gehörte einem jungen Mann, der für die Regenbogenleutz sprach, eine Gruppe, in der sich unter anderem junge lesbische, homosexuelle und transgender Menschen treffen. Der Redner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, ging  konkret auf die AfD ein und erklärte, dass die Partei Leute wie seine Gruppe nicht wolle und Stimmung mache, nur um Wähler zu gewinnen. Er sagte, dass die AfD sich die Zeit vor 1968 zurückwünschte, als unter anderem Frauen noch stark unterdrückt wurden und Homosexuelle verfolgt wurden. Er forderte alle auf, aufzustehen gegen Intoleranz. „Die AfD ist die Vergangenheit, wir sind die Zukunft“, sagt er. Die Polizei vor Ort sprach von einer friedlichen Veranstaltung ohne Vorkommnisse.