Bietigheim-Bissingen Freundeskreis Asyl ermöglicht Flüchtlingen Teilnahme am Silvesterlauf

Freuen sich über ihre Kleidung für den Silvesterlauf: Flüchtlinge aus dem Liederkranzhaus, zusammen mit Jeanette Reiter-Schade und Holger Ott.
Freuen sich über ihre Kleidung für den Silvesterlauf: Flüchtlinge aus dem Liederkranzhaus, zusammen mit Jeanette Reiter-Schade und Holger Ott. © Foto: Martin Kalb
JULIA SCHWEIZER 29.12.2015
Unter den mehr als 3000 angemeldeten Teilnehmern für den Silvesterlauf sind auch rund 70 Flüchtlinge. Ehrenamtliche vom Freundeskreis Asyl haben für sie Kleidung organisiert und mit ihnen trainiert.

Kaum ist das Auto auf den Hof des Liederkranzhauses gefahren und der Kofferraumdeckel geöffnet, laufen die Bewohner darauf zu und umringen es. Freudig nehmen die Flüchtlinge das entgegen, was Holger Ott und Jeanette Reiter-Schade nun verteilen: weiße Kapuzenpullis. Alle ziehen sie über, manche der Syrer tragen auch schon Laufschuhe, einer hat gar die Laufhose angezogen.

Die Pullis sind der letzte Teil der Ausrüstung für den Silvesterlauf. Sie wurden extra bestellt, nachdem die ebenfalls gespendeten Laufshirts vielleicht zu leicht sind, so Ott. Gesponsert wurden sie von Bauintact, Firmenchef Kay Plambeck-Fischer ist wie Reiter-Schade Mitglied im Laufteam von Otts Unternehmen AR-Sport aus Asperg, das ebenfalls Laufschuhe zur Verfügung stellt. Zudem haben Freiwillige Bekleidung geschenkt. "Es kam von sehr vielen Seiten etwas", freut sich Jeanette Reiter-Schade.

Sie engagiert sich im Freundeskreis Asyl und als das Organisationsteam des Bietigheimer Silvesterlaufs an die Ehrenamtlichen herantrat mit der Bitte, aus dem Kreis der Flüchtlinge Helfer zu stellen und auch laufinteressierten Flüchtlingen die Teilnahme am Silvesterlauf anzubieten, sagte sie Ja. Die Helfer werden erst kurzfristig am Mittwoch rekrutiert, vorher Listen auszulegen und zu fragen, wer mitmache, werde nicht funktionieren.

Langfristiger war da das Training. Seit etwa Mitte November lief sie immer sonntagvormittags mit rund 20 jungen Männern aus dem Liederkranzhaus, Gerd Rietsche tat das gleiche mit etwa doppelt so vielen aus der Notunterkunft in der Berufsschul-Sporthalle. "Das war manchmal wie einen Sack Flöhe zu hüten", sagt sie angesichts des Stimmengewirrs und Aufregung bei der Pulliübergabe. "Oder auch, wie bei den eigenen Kindern hinterher zu sein." Sie zieht dennoch ein positives Fazit: "Es hat tierisch Spaß gemacht."

Das gilt auch für den 26 Jahre alten Hussein Khalil. Wie auch für die anderen ist Laufen für ihn eine ungewohnte Sportart. Aber dank des Trainings hofft er, die elf Kilometer durchzuhalten. "Das ist nicht einfach, aber wir versuchen es." Einer der ältesten Teilnehmer der Gruppe, Issa Mustafa, ist auf jeden Fall optimistisch. Der 39-Jährige ist nicht nur mit Reiter-Schrades Gruppe gejoggt, sondern im Schnitt noch weitere zwei Mal pro Woche. Zuletzt hat er es auf zwölf, dreizehn Kilometer gebracht, manchmal sogar mehr, berichtet er. Und auch die Geschwindigkeit stimmt: 45 Minuten habe Mustafa für die elf Kilometer gebraucht, berichtet der 24-jährige Mohamad Kheir Sallan, der etliche Runden mit ihm drehte, und ebenfalls früher eher Fußball spielte als lief. Doch beide haben bei der willkommenen Abwechslung ihren Spaß gefunden und Mustafa will auch nach Silvester weiter regelmäßig laufen gehen.

Und auch für Reiter-Schade ist nach Silvester - es wird dann ihre zehnte Teilnahme in Folge gewesen sein - das Laufprojekt nicht abgeschlossen. Sie selbst trainiert zwei Mal pro Woche in einer Gruppe und wer wolle, sei auch da willkommen.