Bietigheim-Bissingen / Gabriele Szczegulski  Uhr

Bis es im Garten des Schlosses Bellevue beim Gartenfest von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier etwas zu essen gab, mussten Tobias Schorm, Leonard Grauf, Pascal Schmied und Gregor Walter sowie ihr Lehrer Ralph Peter Dröge fast drei Stunden warten. Die vier Schüler, die ganz frisch das Abitur in der Tasche haben, waren geladene Gäste beim Bundespräsidenten. Der hatte Menschen eingeladen, denen er auf seinen Reisen im Jahr 2018 begegnet war. Damals hatte er unter dem Motto berufliche Bildung und ländlicher Raum unter anderem die Lernfabrik 4.0 im Beruflichen Schulzentrum in Bietigheim-Bissingen besucht.

Alte Bekannte

Als „Klassentreffen“ bezeichnete Steinmeier in seiner Einladung das Gartenfest. So war auch eine Einladung für fünf Vertreter der Schule auf Schulleiter Stefan Ranzinges Schreibtisch gelandet, die der Bundespräsident als „alte Bekannte“ bezeichnete. „Ich habe mich dann dazu entschieden, dass nur ein Lehrer hingehen soll, und ansonsten ein paar der 16 Schüler, die Steinmeier auch hier bei der Lernfabrik kennengelernt hatte“, so Ranzinger. Leider waren die Auszubildenden, die auch bei der Lernfabrik mitarbeiteten, nicht mehr an der Schule, so dass die Wahl auf die vier Abiturienten fiel.

„Es ist eine Ehre, ins Schloss Bellevue zu dürfen“, sagt Gregor Walter, der schon beim Besuch in Bietigheim Steinmeier die Lernfabrik erklären durfte. Ins Schloss durfte allerdings keiner und in den Garten nur nach schweren Sicherheitschecks, „schlimmer als in jedem Flughafen“, so Gregor Walter. „Ich habe noch nie ein so bewachtes Haus gesehen“, sagt Leonard Grauf. Nach einer langen Wartezeit im Garten kam dann endlich der Bundespräsident mit seiner Frau Elke Büdenbender. Steinmeier, so erzählen die Schüler, erinnerte an seine Reisen durch Deutschland, bevor in zwei Podiumsdiskussionen unter Leitung der First Lady die beiden Themen berufliche Bildung und ländlicher Raum besprochen wurden.

Und dann gab es endlich zu essen, nach drei Stunden. Unter anderem Mini-Flammküchlein, wie die Schüler berichten. Alle vier hatten sich in ihre Tanzkurs-Abschlussball-Anzüge geworfen. „Es ist schon was Besonderes, dass wir beim Bundespräsidenten sein durften“, so Pascal Schmied. Auch wenn sie dieses Mal nicht mit ihm sprechen konnten. „Der Bundespräsident war stets total umringt von Leuten“, so Tobias Schorm, „da kamen wir nicht an ihn ran“. Aber Elke Büdenbender konnte sich noch an Bietigheim erinnern und sprach mit den Schülern. „Wir hatten den Eindruck, sie ist schon die Macherin und repräsentiert nicht nur, sondern hat eine tragende Rolle und die beiden teilen sich ihre Aufgaben“, sagt Ralph Peter Dröge. „Es waren kaum andere Jugendlichen auf der Party, ich glaube, die anderen Schulen, die Steinmeier besucht hat, haben nur Lehrer geschickt“, sagt Lehrer Dröge. „Das wollte ich nicht, denn die Schüler sind ja diejenigen, die das Wichtigste an einer Schule sind“, sagt Schulleiter Ranzinger. „Es war ein schöner Abschluss der Schulzeit“, sagt Leonard Grauf, der bald mit dem Medizintechnik-Studium beginnt. „Wir sind schon stolz, dass wir da sein durften“, so Walter, der Mechatronik studieren wird.