Silvester steht vor der Tür und die Freude auf das neue Jahr. Wer seine guten Vorsätze gerne mit einem Feuerwerk in den Nachthimmel schickt, sollte deshalb den Verstand nicht gleich ausschalten. Der Bietigheimer Brandschutzexperte Jochen Mühlstrasser erklärt für die BZ, was jeder unbedingt beachten sollte.

Die Vorsicht beginnt schon bei der Wahl der Feuerwerkskörper, sagt der Abteilungsleiter der Bietigheimer Feuerwehr, der auch das Unternehmen Mühlstrasser Brandschutz leitet: „Hier sollte man nur geprüfte Ware aus dem Supermarkt kaufen und sich auf keinen Fall auf Flohmärkten oder unter der Hand eindecken“, rät Mühlstrasser. Vor allem aus dem europäischen Osten kommen wohl oft Feuerwerksutensilien zu uns, die kein Prüfsiegel haben. Der Schwarzmarkt blüht wohl schon direkt hinter der Grenze. Von selbst gebastelten Feuerwerkskörpern sollten Raketen- und Böllerfans ebenfalls grundsätzlich die Finger weglassen. „Wichtig ist, dass sich auf der Verpackung ein Prüfsiegel der BAM, der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung, befindet“, betont Mühlstrasser.

Fenster und Türen zu

Doch nicht nur beim Abfeuern ist Vorsicht geboten: Jeder sollte in der Silvesternacht darauf achten, dass alle Fenster und Balkontüren geschlossen sind, damit kein Feuerwerkskörper versehentlich in der Wohnung oder im Haus landet. Und für die Aufbewahrung von Feuerwerkskörpern zu Hause gilt, dass sie auf keinen Fall in der Nähe von Zündquellen, zum Beispiel Holzofen oder Gasherd, deponiert werden dürfen. Natürlich hat der Zündstoff für Silvester auch in der Reichweite von Kindern nichts zu suchen.

Wer gerne Raketen, Böller und Batterien abfeuert, sollte sich immer auf einen Feuerwerkskörper konzentrieren. Oft geht es beim Jahreswechsel hoch her und gerade in diesen Momenten lauern ungeahnte Gefahren. „Nach dem Zünden sollte man auf jeden Fall einen Sicherheitsabstand suchen“, empfiehlt Mühlstrasser. Eltern, die mit Kindern gemeinsam ins neue Jahr feiern, dürfen ihren Nachwuchs nicht aus den Augen lassen – und zwar keinen Moment lang. Denn wie jeder weiß, zündeln viele Kinder und auch Jugendliche nun mal für ihr Leben gern. „Wer eine Rakete abschießt, sollte schauen, dass sie einen sicheren Stand hat und senkrecht nach oben fliegt. Batterien haben den Vorteil, dass sie von Haus aus einen sicheren Stand gewährleisten. Und: Man muss nicht noch mal hinterherlaufen und schauen, ob das gute Stück auch brennt, denn es ist ein Selbstläufer“, erklärt Mühlstrasser. Angezündete Böller und Raketen, die nicht normal abbrennen sollte man liegen lassen. „Am besten einen Eimer Wasser drübergießen“, empfiehlt der Experte. Oft sei die Lunte dann zu kurz, und wer sie erneut versucht, zu zünden, riskiert, dass der Feuerwerkskörper in der Hand explodiert.

Kinder schützen

Mühlstrasser erinnert auch noch mal daran, dass die Bietigheimer Altstadt feuerwerksfreie Zone ist. „Im Jahr 2009 gab es eine Änderung im Brandschutzgesetz, wonach pyrotechnische Gegenstände in der Nähe von Fachwerkbauen, Kirchen, Altenheimen und Kindergärten grundsätzlich nicht mehr gezündet werden dürfen“, macht er deutlich. Das betrifft die Hauptschlagader der Bietigheimer Altstadt, die Fußgängerzone und all ihre Nebenstraßen grundsätzlich. Die Polizei und die Feuerwehr sind natürlich hier in besonderer Hab-Acht-Stellung an Silvester. Jeder der durch Feuerteufelei hier die alte Bausubstanz gefährdet, muss mit empfindlichen Strafen rechnen. „Die komplette Altstadt ist Sperrgebiet. Hinweise dazu hat die Stadt Bietigheim-Bissingen herausgegeben“, erklärt der Brandschutzexperte.

Grundsätzlich sollten Kinder nicht mit Feuerwerk in Berührung kommen, das nicht explizit für sie gemacht ist. „Feuerwerkskörper sind nicht ohne Grund in verschiedene Klassen eingeteilt und für Kinder kommt nur Tischfeuerwerk, kleine Böller, Wunderkerzen und Knallfrösche in Frage“, korrigiert Jochen Mühlstrasser die Ansicht mancher Eltern, die ihre Kinder unbedacht Raketen selbst zünden lassen. „Schon die Klasse 2 ist nur für Personen über 18 Jahren erlaubt“, ruft er ins Gedächtnis.

Info Die Internetseite der BAM gibt Hinweise für alle, die sich unsicher sind.

www.bam.de

Auch die Stadt Bietigheim-Bissingen warnt vor Gefahren


Auch die Stadt Bietigheim-Bissingen  gibt diverse Sicherheitstipps für Silvester – drinnen und draußen. Neben dem Einsatz von Silvesterkrachern und Feuerwerk wird alljährlich an Silvester auch mit Signalwaffen oder Schreckschusswaffen geschossen. Das Verschießen von Kartuschenmunition und pyrotechnischer Munition ist nur unter bestimmten Voraussetzungen zulässig, teilt die Verwaltung mit.

Es dürfen demnach nur erlaubnisfrei erworbene Waffen und Munition eingesetzt werden. Die Waffen müssen mit dem Zeichen „PTB“  im Kreis versehen sein.  In der Nähe von leicht brennbaren Objekten ist auch das Verschießen von erlaubnisfrei erworbener Munition nicht gestattet. Es darf nur senkrecht nach oben geschossen werden. Dazu ist das Schießen mit einer Schusswaffe außerhalb einer genehmigten Schießstätte und außerhalb des eigenen Grundstücks grundsätzlich verboten. Auch wer einen „Kleinen Waffenschein“ für seine Schreckschuss-, Reizstoff- und Signalwaffe besitzt, ist lediglich zum Führen seiner Waffe berechtigt, nicht aber zum Schießen außerhalb des eigenen Grundstücks.

Darüber hinaus weist die Stadt darauf hin, dass es verboten ist, pyrotechnische Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen, sowie Reet- und Fachwerkhäusern abzubrennen. „Bei Silvesterveranstaltungen vergisst man all zu leicht die Gefahren, die jedes Jahr immer wieder dem Fest ein trauriges Ende bereiten könnten. Die Stadtverwaltung weist deshalb besonders darauf hin, die Schutzbestimmungen zu beachten, um möglichen Brandgefahren vorzubeugen“, heißt es.

Bereits bei der Raumdekoration ist darauf zu achten, dass nur schwer entflammbare Gegenstände verwendet werden. So sind beispielsweise nicht ausgetrocknete, sondern noch grüne Pflanzenteile zu verwenden. Bei Girlanden, Luftschlangen und ähnlichem ist zu beachten, dass diese mindestens 20 Zentimeter vom Fußboden entfernt bleiben müssen und ein ausreichender Abstand von Beleuchtungs- und Heizkörpern eingehalten werden muss. Darüber hinaus sollten Verkleidungen und Behänge an Brüstungen so angeordnet werden, dass sich Zigarettenkippen oder Streichhölzer nicht darin verfangen können. Außerdem ist es unzulässig, räumliche Abtrennungen aus leicht brennbaren Stoffen herzustellen.

Laut Stadt sollte es selbstverständlich sein, dass nur Feuerwerkskörper, die für geschlossene Räume zugelassen sind, innerhalb von Gebäuden angezündet werden und dass Luftballons, die mit feuergefährlichen Gasen gefüllt sind, nicht in geschlossene Räume gebracht werden. bz